• Radikaler Vorschlag über TV-Gelder in der Bundesliga: Nicht die TV-Einnahmen sind das Problem – es sind die Ausgaben

Radikaler Vorschlag über TV-Gelder in der Bundesliga : Nicht die TV-Einnahmen sind das Problem – es sind die Ausgaben

Soll Aufsteiger Bielefeld genauso viel bekommen wie der FC Bayern? Die TV-Gelder sind nur eine Seite: Der Fußball muss nachhaltiger wirtschaften. Ein Kommentar.

1,3 Milliarden Euro sollen in der kommenden Saison an TV-Geldern ausgeschüttet werden. 
1,3 Milliarden Euro sollen in der kommenden Saison an TV-Geldern ausgeschüttet werden. Foto: Sven Hoppe/dpa

Der FC Bayern soll künftig so viel Geld aus dem TV-Vertrag bekommen wie Arminia Bielefeld, das gerade aufgestiegen ist. So möchte es gern Thomas Röttgermann, Vorstandschef von Fortuna Düsseldorf. „Ich bin dafür, dass die Erlöse innerhalb einer Liga wieder gleich verteilt werden sollen, so wie es bis zur Jahrtausendwende der Fall war“, sagte Röttgermann der „Süddeutschen Zeitung“.

Damals erhielt jeder Bundesligist etwa zehn Millionen Mark, jeder Zweitligist die Hälfte. In der Spielzeit 2001/02 lag der TV-Erlös der Bundesliga bei 355 Millionen Mark, in der kommenden Saison werden es rund 1,3 Milliarden Euro sein.

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Röttgermanns Vorschlag ist radikal, aber auch der erste konkrete in einer hitzigen Debatte um die künftige Verteilung der Fernsehgelder. Erst im Juni hatte die Deutsche Fußball-Liga (DFL) bei der Auktion der Medienrechte für die Spielzeiten 2021 bis 2025 rund 4,4 Milliarden Euro erlöst.

Die Coronakrise samt Spielunterbrechung hatte die übergroße Zahl der 36 Profiklubs in enorme wirtschaftliche Kalamitäten gestürzt. Ein Dutzend Vereine ist von der Insolvenz bedroht. Zwar konnte durch die Saisonfortsetzung das Worst-Case-Szenario abgewendet werden, doch die Gefahr ist nicht vom Tisch. Was, wenn die im September beginnende Spielzeit noch einmal unterbrochen werden muss? Wann und wie viele Fans dürfen die Vereine wieder ins Stadion lassen, mit welchen Zuschauereinnahmen können sie planen?

Ohne die Strahlkraft von Bayern und Dortmund wären Milliardenerlöse nicht zu erzielen

Der aktuelle Verteilerschlüssel honoriert in erster Linie die Erfolge der jeweils letzten fünf Spielzeiten. Damit zementiert er die jetzigen Verhältnisse. Der FC Bayern, zuletzt achtmal in Serie Meister, erhält rund dreimal so viel TV-Geld wie der schwächste Klub der Liga. Fakt ist aber auch, dass ohne die Strahlkraft des FC Bayern und Borussia Dortmunds solche Milliardenerlöse aus der nationalen und internationalen Vermarktung nicht zu erzielen wären.

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Die Verteilung der TV-Gelder ist das eine, das bisweilen abenteuerliche Ausgabeverhalten der Vereine das andere. Der Kostenapparat, der vor allem aus den exorbitant hohen Spielergehältern besteht, ist für viele Klubs nicht mehr zu bedienen – daran änderte auch der (mehr oder weniger) freiwillige Verzicht der Profis auf Teile ihres Gehaltes nichts.

Nicht die Einnahmen sind das Problem, es sind die Ausgaben. Das System Profifußball mit seinen Maßlosigkeiten ist krank. Die Branche muss weg von bisweilen exzessiven Transfersummen und Spielergehältern. Idealerweise europaweit. Denn die Bundesliga steht mit den anderen vier großen Ligen (England, Spanien, Italien und Frankreich) in sportlicher aber auch personeller Konkurrenz. Aber nur so können die Vereine solide und nachhaltig wirtschaften. Das würde nicht nur zu Gesundung der Branche, sondern auch zur gesellschaftlichen Akzeptanz beitragen.

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