Regionalliga-Reform : Zufriedener DFB, verärgerte Vereine

Die beim Außerordentlichen Bundestag des DFB für die Regionalligen beschlossene Übergangsregelung stößt auf reichlich Kritik. Auch, aber nicht nur, im Nordosten.

Sebastian Schlichting
Babelsbergs Andis Shala (weißes Trikot) im Duell mit einem Trio von Union Fürstenwalde in der Regionalliga Nordost. Kommende Saison hat die Liga einen direkten Aufsteiger.
Babelsbergs Andis Shala (weißes Trikot) im Duell mit einem Trio von Union Fürstenwalde in der Regionalliga Nordost. Kommende...Foto: Manfred Thomas

Rocco Teichmann hat sehr lange selbst Fußball gespielt, bis hoch zur Regionalliga. Seit 2015 ist er Sportdirektor beim Regionalligisten FC Viktoria 89. Der 31-Jährige kennt das Metier. Weiß, dass Losentscheide manchmal sein müssen. „Als letztes Mittel, bei totaler Gleichheit in Tabellen“, sagt Teichmann: „Sonst sollte das Los im Fußball keine Rolle spielen.“ Tut es aber bald – und zwar eine wichtige.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat eine Regionalliga-Reform beschlossen. Für die nächsten zwei Jahre. Am späten Donnerstag fanden die 21 Landesverbände einen Kompromiss. Die Delegierten des Außerordentlichen Bundestages in Frankfurt am Main stimmten Freitag mit großer Mehrheit zu. Von 259 Stimmberechtigten waren nur 11 dagegen.

Ein direktes Aufstiegsrecht bekommt in der nächsten und übernächsten Saison der Meister der Regionalliga Südwest. Jetzt wird es kompliziert: Der Meister des Nordostens steigt 2018/19 auf. Das dritte direkte Aufstiegsrecht wird vor der Saison unter den Ligen Bayern, Nord und West ausgelost. Die Meister der beiden Ligen, die nicht gezogen werden, ermitteln in Play-off-Spielen den vierten Aufsteiger. Im Jahr darauf bekommen diese Ligen je ein Aufstiegsticket. Also ein bisschen Direktaufstieg, ein bisschen Losentscheid, ein bisschen Relegation. Bisher gibt es drei Drittliga-Aufsteiger, die komplett per Relegation bestimmt werden. Nun werden vier Mannschaften hochgehen, aber nicht – wie von Fans und Vereinen gefordert – alle fünf Meister.

„In einer komplexen Fragestellung, in der sehr viele unterschiedliche Interessen berücksichtigt werden mussten, ist es uns gelungen, bis zum nächsten Ordentlichen DFB-Bundestag eine Übergangslösung zu finden, die eine deutliche Verbesserung der Ist-Situation darstellt und die von allen Regionalverbänden mitgetragen wird“, sagte DFB-Vize Rainer Koch nach der Entscheidung.

„Der Verlierer ist der Fußball“

Das mit der Verbesserung sehen viele anders. „Dieses ganze Getue ist doch nur noch lächerlich, einfach albern und grenzt für mich an Volksverarschung“, poltert Hajo Sommers, Präsident von Rot-Weiß Oberhausen in der „Reviersport“. Und im Nordosten? „Der Verlierer ist der Fußball“, so Viktorias Teichmann, „da wäre es besser gewesen, noch zwei Jahre weiterzumachen wie bisher.“ Auch Danny Kukulies, Marketingleiter von Union Fürstenwalde, sieht die Regelung kritisch: „Es muss eine faire, tragbare Lösung her, damit es nicht dauerhaft Theater gibt.“ Mehmet Öztürk, Sportlicher Leiter beim Berliner AK, findet dagegen: „Damit kann man erst einmal leben.“

Zumindest vorübergehend ist die Regionalliga Nordost ihrem drohenden Ende entgangen. Dieses hatte bis zuletzt im Raum gestanden. Ebenso wie ein fester Aufstiegsplatz für den Südwesten und Westen, beides mitgliederstarke Regionen. Rainer Milkoreit, Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbands (NOFV) sieht „ ein großes Entgegenkommen der anderen Regionalverbände für den Nordosten.“ Dem widerspricht Jörn Lenz, Teammanager beim BFC Dynamo: „Es erschließt sich mir nicht, warum die NOFV-Vereine einen Bückling machen sollten.“ Wie auch andere verweist er auf die Stärke des Nordostens, der in den letzten fünf Jahren viermal den Meister in die Dritte Liga gebracht hat. Macht eine Erfolgsquote von 80 Prozent. Im Südwesten liegt sie nur bei 30 Prozent.

Nun soll es eine Arbeitsgruppe geben, die eine endgültige Reform mit vier Staffeln erarbeiten soll. „2019 muss die Zukunft der Regionalliga final geklärt werden. Hoffentlich im Konsens“, sagte DFB-Vizepräsident Rainer Koch.

Es dürfte viel investiert werden

Aber erst einmal kommt die nächste Saison. Mit einem einmaligen Direktaufsteiger aus dem Nordosten. Gleich mehrere Vereine dürften daher richtig investieren. Ob der souveräne Tabellenführer Energie Cottbus noch dabei ist, wird sich erst in der Relegation zeigen. Dazu kommen mögliche Drittliga-Absteiger. Fünf Teams aus dem NOFV-Bereich befinden sich in großer Abstiegsgefahr. Und dann wären ja da noch jetzige Regionalligisten wie der BFC Dynamo, Wacker Nordhausen oder Lok Leipzig. Nur einer wird in der Saison 2018/19 durchkommen. „Für die, die es nicht schaffen, wird es danach ganz schwer“, warnt BFC-Teammanager Lenz schon jetzt. (mit dpa)

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