Romantik kontra Kommerz im DFB-Pokal : Geld statt Heimspiel

Wenn Provinzteams gegen den großen Gegner in ein großes Stadion umziehen, bringt das mehr Geld, aber selten mehr Erfolg. Ein Kommentar.

Keine Tribüne an der Stirnseite, aber viel Spannung. Die Spieler des SV Rödinghausen vor dem Elfmeterschießen gegen Paderborn - das der Bundesligist gewann.
Keine Tribüne an der Stirnseite, aber viel Spannung. Die Spieler des SV Rödinghausen vor dem Elfmeterschießen gegen Paderborn -...Foto: Friso Gensch/dpa

Die erste Runde im DFB-Pokal hat ja schon mal Spaß gemacht bis zu den finalen Spielen am Montag. Es ist doch für den neutralen Zuschauer immer wieder ein Vergnügen mit anzusehen, wenn sich eine gut dotierte Profitruppe in der Provinz um Kopf und Kragen spielt und sich eine Woche vor Bundesliga-Start erst einmal nachhaltig in der Provinz blamiert.

So wie das zum Beispiel dem FC Augsburg am Sonnabend in der "Sportclub-Arena" in Verl so unterhaltsam gelungen ist. Immerhin kämpften sich die Schwaben aus der Bundesliga nach dem hoffnungslos erscheinenden 0:2-Rückstand noch auf 1:2 heran.

Mehr ging nicht für Augsburg beim Regionalligisten, der sich später vor der für Regionalliga-Verhältnisse Mega-Kulisse von 5673 Zuschauern gebührend feiern ließ. Das war klasse, sportlich gesehen. Was die Kasse betrifft, wäre natürlich mehr drin gewesen für Verl. Etwa bei einem Umzug ins benachbarte Bielefeld. Aber das wollten sie wohl nicht, und wer weiß, ob sie in der Bielefelder Arena in fremder Umgebung nicht sogar den Kürzeren gezogen hätten gegen den unteren Mittelklasse-Bundesligisten.

Nicht jeder Klub verkauft eben im Pokal die Heimat. Manche müssen das (die Sicherheitsauflagen, das taugliche Stadion) und manche wollen das, weil so ein Umzug in die Großstadt eben viel Geld mehr bringt.

Schön ist das Ergebnis dann aber oft nur für die Kasse - so wie etwa in Delmenhorst. Dort haben sie bei Atlas zwar wochenlang über das Pokalspiel beim großen Nachbar Werder Bremen gejubelt und schließlich auch vor der Rekordkulisse von 41.500 Zuschauern auflaufen dürfen, aber ein Heimspiel in der Heimstätte des Gegners? Gut, sie freuen sich heute noch beim Fünftligisten über das 1:6 gegen, nein: beim Bundesligisten. Gab ja viel Geld, auch wenn Werder fleißig mitkassiert hat.

Noch weniger romantisch und finanziell ertragreich verlor derweil Berlins Vertreter Viktoria sein in den Jahn-Sportpark verlegtes Spiel gegen Bielefeld. Ein 0:1 vor nur 4503 Zuschauern, unglücklicher geht es nicht.

Dassendorf in Zwickau - was soll das?

Überhaupt bringen die Verlegungen den Außenseitern in der Regel nur mehr in die Kasse (außer bei Viktoria), sie aber nicht in die zweite Runde: Eichstätt verlor in Ingolstadt (7030 Zahlende) gegen Hertha BSC und die TuS Dassendorf im mehr als 500 Kilometer weit entfernten Zwickau (!) gegen Dynamo Dresden. Aber 5673 Zuschauer wären nach Dassendorf (in der Nähe von Lauenburg, das liegt bei Hamburg) wohl kaum gekommen. Und es ging wohl nur darum, die Dynamo-Fans fernzuhalten. Weit weg der norddeutschen Heimat, wenn sie dann Krawall machen, dann eben in Sachsen und nicht im schönen Niedersachsen.

Aber Romantik schießt natürlich auch noch immer die entscheidenden Tore. Der SV Rödinghausen, Regionalliga West, zum Beispiel hatte den SC Padernborn (ja, die sind Bundesligist) am Rande der Niederlage. Der Viertligist verlor erst im Elfmeterschießen. Vor 3140 Zahlenden im Häcker-Wiehenstadion. Imposanter als das 0:1 von Viktoria gegen Bielefeld im Jahn-Sportpark war das allemal.

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!