Snooker : Vom Höllenloch ins Tempodrom

Die Snookerprofis kommen gern zum German Masters. Jahr für Jahr gilt der Austragungsort Berlin als einer der beliebtesten unter den Spielern.

In Topform. Judd Trump gewann kürzlich in London das Masters und will jetzt auch erstmals in Berlin triumphieren. Foto: Nigel French/dpa
In Topform. Judd Trump gewann kürzlich in London das Masters und will jetzt auch erstmals in Berlin triumphieren. Foto: Nigel...Foto: picture alliance / Nigel French/

Lukas Kleckers hatte den besten Platz. Nacheinander 15 Mal Rot, 15 Mal Schwarz und dazu im Endspiel alle Farben lochte Gegner Judd Trump in der zweiten Qualifikationsrunde zum German Masters der Snookerprofis im Dezember für ein Maximumbreak von 147 Punkten. Auch sonst ging an diesem Tag wenig für den besten deutschen Spieler und so blieb ihm nach der 0:5-Niederlage nur die faire Gratulation: „So gut hat bisher noch nie jemand gegen mich gespielt, meine Chancen konnte ich an einer Hand abzählen“, schrieb Kleckers anschließend in seinem Blog. Wieder einmal findet das German Masters im Snooker damit ohne deutsche Beteiligung statt. Einziger lokaler Star ist und bleibt das Tempodrom. Jahr für Jahr gilt der Austragungsort des Turniers in Berlin als einer der beliebtesten unter den Spielern.

Die Fans müssen erneut auf Ronnie O'Sullivan verzichten

Kleckers war im Tempodrom noch nie aktiv dabei, die Qualifikationsmatches für 2019 fanden im englischen Barnsley statt. Im Berliner Hauptfeld ist nur Platz für 32 Starter, eine Wildcard für einheimische Spieler gibt es nicht. Auch Weltmeister und Titelverteidiger Mark Williams musste diesen Weg gehen, er bestreitet am Mittwoch das Auftaktmatch ab 14 Uhr gegen den Chinesen Zhou Yuelong. Andere vormalige Berlin-Sieger haben die Qualifikation hingegen verpasst – oder sagten ihre Teilnahme gleich ganz ab.

Zu Tisch: So sieht es im Berliner Tempodrom aus, wenn Snooker gespielt wird
Zu Tisch: So sieht es im Berliner Tempodrom aus, wenn Snooker gespielt wirdFoto: dpa

So müssen die Fans aus Deutschland auch in diesem Jahr auf Ronnie O’Sullivan verzichten, der Publikumsliebling meldete erst gar nicht für das German Masters. Der 43 Jahre alte Engländer sucht sich genau aus, an welcher Veranstaltung er teilnimmt. Oder besser: Auf welche er Lust hat. Berlin zählt offenbar nicht dazu, was eher nicht an der Stadt oder dem Tempodrom liegt. So war er als Experte für Eurosport UK in den vergangenen Jahren regelmäßig vor Ort im Einsatz. Aber um auch zu spielen, hätte selbst der große O’Sullivan in die Qualifikation gemusst. Den Austragungsorten der Vorrundenspiele fehlt es aber naturgemäß an Flair, der fünfmalige Weltmeister bezeichnete sie jüngst als „stinkige Freizeithallen“ und „Höllenlöcher“. Kurzum: Sie sind unter der Würde eines Ronnie O’Sullivan.

O'Sullivans Kollegen reagieren genervt auf den Dauerstreit

Der Engländer hat sich mit seiner Meinung noch nie zurückgehalten. In dieser Saison ist er allerdings noch einmal stärker auf Konfrontationskurs mit Snooker-Cheffunktionär Barry Hearn gegangen. Er kokettierte öffentlich damit, eine Konkurrenztour ins Leben zu rufen, für die angeblich sogar Rekordweltmeister Stephen Hendry aus dem Ruhestand zurückkehren würde. „Ich möchte qualitativ hochwertige Turniere spielen, in tollen Arenen gegen große Spieler. Das ist es, was mich inspiriert“, sagte O’Sullivan. Wenn jemand dafür das nötige Geld aufbringen würde, wäre er sofort dabei. Seine Profikollegen reagieren zunehmend genervt auf den Dauerstreit, den O’Sullivan mit Hearn öffentlich austrägt. „Er lebt auf einem anderen Planeten“, sagte beispielsweise Judd Trump, der seinen Landsmann in dieser Saison in zwei Finals bezwingen konnte, zuletzt vor zehn Tagen beim prestigeträchtigen Masters von London.

Trump gilt in Berlin als einer der Topfavoriten auf den Titel, bisher ist er im Tempodrom noch ohne Erfolg. „Der Sieg beim Masters hat mir viel Selbstvertrauen gegeben. Aber das soll noch nicht alles sein. Ich möchte so viele Turniere wie möglich gewinnen“, sagte der 29-Jährige vor dem Start des German Masters. Sollte ihm das tatsächlich gelingen, bliebe Lukas Kleckers zumindest der Trost, in der Qualifikation gegen den späteren Champion verloren zu haben – wenn auch nicht in Berlin.

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