Spiel gegen Schweden : Erstes Finale für das DFB-Team

Unter Bundestrainer Joachim Löw hat das Nationalteam noch nie so unter Druck gestanden wie jetzt gegen Schweden. Die Spieler wissen um die Bedeutung – und wirken siegessicher.

Bundestrainer Joachim Löw spricht beim Training mit Torwart Manuel Neuer.
Bundestrainer Joachim Löw spricht beim Training mit Torwart Manuel Neuer.Foto: Christian Charisius/dpa

Luftlinie dürften es nicht mehr als 1000 Meter sein, die Bett und Battlefield trennen. Wenn die deutschen Spieler aus den Fenstern ihres Mannschaftshotels in Sotschi schauen, sehen sie das Schwarze Meer glitzern. Und wenn sie dann ihren Blick etwas nach rechts schwenken, sehen sie den Ort des Geschehens, der so oder so einen Platz in der deutschen Fußballhistorie erhalten wird. Am Samstagabend wird hier um 21 Uhr Ortszeit das Gruppenspiel gegen Schweden angepfiffen. Für die deutsche Nationalmannschaft ist das schon ein Finale. Verliert die Mannschaft von Joachim Löw, wäre nicht nur der Titelverteidiger, der Weltmeister von 2014, gescheitert, sondern auch der Bundestrainer. Eine solche Zuspitzung gab es noch nie in der Ära Löw.

Das Olympiastadion der Winterspiele von 2014, das heute Fischt-Stadion heißt und knapp 50 000 Zuschauern Platz bietet, sieht mit seinen beiden Dachhälften von Weitem ein bisschen wie eine angerichtete Backkartoffel aus. In den Abendstunden ist sie immer recht bunt beleuchtet, die deutschen Spieler können die Arena so gar nicht übersehen haben.

Dass es für die Deutschen so früh schon um alles geht, hält Teammanager Oliver Bierhoff für „ärgerlich“, weil es „selbstverschuldet“ sei. Die erschreckend schwache Leistung gegen Mexiko hat den Weltmeister in diese ungemütliche Lage versetzt. „Klar, jetzt müssen wir gewinnen“, sagte Bierhoff, „ich denke mal, es wird kein Hurraspiel.“ Natürlich hat die Mannschaft von Joachim Löw noch alles selbst in der Hand, sie kann mit Siegen über Schweden und Südkorea noch aus eigener Kraft das Achtelfinale erreichen und den Gau verhindern. Doch über allem schwebt auch die Angst vor einem Versagen. Das spricht so deutlich keiner aus, aber es ist zu fühlen. Bierhoff sagte nüchtern: „Wenn wir ausscheiden würden, wäre das ein Misserfolg.“

"Die Mentalität von elf Kriegern"

Mario Gomez, mit 33 Jahren der älteste deutsche Spieler, geht vergleichsweise gelassen mit der Drucksituation um. „Wenn du verlierst, bist du raus. Aber das war doch immer schon so in den K.-o.-Spielen, da muss man jetzt nicht von außen das Ding heißer machen als es ist“, erzählt Gomez. Es sei allen Spielern im Team bewusst, dass sie im ersten Spiel Fehler gemacht hätten. „Wir haben noch zwei Spiele, die wir auf Grund unserer Qualität gewinnen können und müssen.“

Aufseiten des Kontrahenten sieht man die Dinge etwas anders. Die Schweden, die wahrlich mehr sind als ein Möbellieferant, als welcher sie in deutschen Stadien gern und oft besungen wurden, sind siegesgewiss. Neulich bekam Sami Khedira auf dem Trainingsplatz Besuch von einem schwedischen Boulevard-Journalisten, der dem deutschen Mittelfeldspieler eine selbst angefertigte Bordkarte überreichen wollte – für den Rückflug nach der zu erwartenden Niederlage gegen Schweden. „Herzlichen Dank, aber die brauchen wir nicht. Wir denken nur daran, dieses Spiel zu gewinnen“, antwortete Khedira.

Der 31-Jährige zählt zu den Führungsspielern im Team, gegen Mexiko wirkte er erschreckend schwergängig. „Jetzt gilt es, das ganze Besprochene auf dem Platz umzusetzen“, sagte er. Khedira forderte bedingungslosen Einsatz. „Die Mentalität von elf Kriegern“ habe Deutschland immer stark gemacht, sagte Khedira.

Energie und Körpersprache

Was immer man von den deutschen Spielern in den vergangenen Tagen auf dem Trainingsplatz zu sehen und zu hören bekam – sie scheinen um die Bedeutung des Spiels zu wissen und dabei sehr klar zu sein. Und auch der Bundestrainer scheint den Weg in den Wettkampfmodus gefunden zu haben. „Die zwei wichtigsten Waffen sind Energie und Körpersprache“, sagte der 58-Jährige, dem immer noch der Schrecken von Mexiko ins Gesicht geschrieben stand. „Das hier ist eine WM der Hingabe und der Leidenschaft“, rief Löw vom Podium herunter. Womöglich wollte er sich damit gleich selbst anfeuern.

Am Spielstil wird er kaum Korrekturen vornehmen. Zu radikalen Maßnahmen neigte er ja noch nie in seiner zwölfjährigen Amtszeit als Bundestrainer. „Es gibt keine Zweifel an unserer Spielweise“, sagte er. Dennoch: Die Deutschen müssen nun eine Reaktion zeigen. Im Training hätten sie damit schon angefangen, aber das sei eine Selbstverständlichkeit. „Im Spiel muss sie zu sehen sein“, sagte Löw und spitzte den Mund. „Ich bin mir sicher, dass es eine Reaktion geben wird“, sagte er. Es klang wie eine Drohung.

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