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Tennis-Wunder bei den Australian Open : Roger Federer ist der Meister mit dem Kämpferherz

Wie viele Tennis-Wunder hat Roger Federer noch auf Lager? Das Viertelfinale von Melbourne nährt die Hoffnung, dass noch einige folgen. Eine Würdigung.

Da steht er. Roger Federer hat in Melbourne sein nunmehr 46. Grand-Slam-Halbfinale erreicht.
Da steht er. Roger Federer hat in Melbourne sein nunmehr 46. Grand-Slam-Halbfinale erreicht.Foto: AFP

Roger Federer hat in seiner langen Karriere schon viel erlebt. Glück brauchte er allerdings selten, um Matches für sich zu entscheiden. Stattdessen konnte sich der Schweizer zumeist auf sein Können verlassen. Am Dienstag, im Viertelfinale der Australian Open, war das anders. „Ich habe heute unglaubliches Glück gehabt. Diesen Sieg verdiene ich nicht, aber hier stehe ich“, erzählte der 38-Jährige noch auf dem Court im Siegerinterview Jim Courier. 6:3, 2:6, 2:6, 7:6 (10:8) und 6:3 bezwang er den US-Amerikaner Tennys Sandgren nach Abwehr von sieben Matchbällen, einer Verwarnung wegen Fluchens und zwei Behandlungspausen.

Am Donnerstag bestreitet Federer gegen Novak Djokovic sein insgesamt 46. Halbfinale bei einem Grand-Slam-Turnier. Der Weg dahin ist ihm in Melbourne schwer gefallen, schon in der dritten Runde gegen den Australier John Millman sah er im Match-Tiebreak des fünften Satzes wie der sicherer Verlierer aus, holte dort aber einen 4:8-Rückstand noch auf und kam weiter. Federer, der Kämpfer – es ist ein Attribut, das mit ihm, dem Tennis-Maestro, eher seltener in Verbindung gebracht wird angesichts seiner schieren Brillanz auf dem Platz.

Nur Olympia-Einzelgold fehlt ihm noch in seiner Sammlung

Nach dem Sieg gegen Sandgren war Federer in Plauderlaune. Er gab zu, sich nicht gern während eines Matches behandeln zu lassen, weil „das ein Zeichen von Schwäche“, sei und die wolle er ungern zeigen. Und dass ihm angesichts seiner Probleme an Leiste und Oberschenkel ein doppelt schweres Spiel am Donnerstag bevorstehen dürfte, lächelte er einfach weg und sagte: „Nach all den glücklichen Wendungen kann ich das ganz locker angehen. Ich sollte ja eigentlich schon in der Schweiz sein und Ski fahren.“

Jahr für Jahr erstaunt Federer die Fachwelt und seine Fans aufs Neue. Schon häufiger wurde er abgeschrieben, erst hieß es, er könne mit Novak Djokovic oder Rafael Nadal und den ganzen jungen Wilden nicht mehr mithalten. Als er 2016 dann auch noch wegen einer Knieverletzung seine Saison frühzeitig beenden musste, schien das Karriereende beinahe unausweichlich. Doch 2017 legte er in Australien eines der größten Comebacks in der Tennisgeschichte und holte in Melbourne den Titel.

In dieser Saison wird Federer 39 Jahre alt, bei den Olympischen Spielen in Tokio verfolgt er noch ein großes Ziel, denn Einzelgold bei Olympia fehlt ihm noch. Wie ein Getriebener wirkt er allerdings schon lange nicht mehr, eher wie jemand, der von seiner großen Leidenschaft nicht lassen kann, weil es so viel Spaß macht, sich selbst und alle anderen immer wieder zu verblüffen. „Ich glaube an Wunder“, sagte er am Dienstag. Dass der Sieg gegen Tennys Sandgren schon das letzte in seiner Laufbahn war, ist wohl eher unwahrscheinlich.

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