Trainerdiskussion bei Hertha BSC : Pal Dardai geht in die Offensive

Trainer Pal Dardai rückt bei Hertha immer stärker in den Fokus. Das Klubpräsidium soll schon über seine Zukunft gesprochen haben. Doch er gibt sich kämpferisch.

Pal Dardai war am Montagvormittag im Training voller Elan.
Pal Dardai war am Montagvormittag im Training voller Elan.Foto: dpa

Am Montagmorgen war Pal Dardai einer der Ersten auf dem Trainingsplatz. Bei Sonnenschein und blauem Himmel verteilte er rote Hütchen rund um den Strafraum und besprach sich mit seinen Assistenten auf dem Schenckendorffplatz. Das Bild, das der 43-Jährige dabei vermittelte: Alles ist wie immer, alles geht seinen Gang.

Allerdings musste der Trainer von Hertha BSC am Vortag mit seiner Mannschaft bei der TSG Hoffenheim (0:2) die fünfte Niederlage nacheinander hinnehmen. Da ist die Stimmungslage natürlich anders als sonst, zumal die Berliner mit nur elf Punkten aus der bisherigen Rückrunde auch nicht zufrieden sind. Deshalb rückt auch Dardai selbst immer stärker in den Fokus. So erfuhr der Tagesspiegel aus Präsidiumskreisen des Vereins, dass in der vergangenen Woche bei einer Präsidiumssitzung über Dardais Zukunft gesprochen wurde. So soll es ergebnisoffen darum gegangen sein, ob er auch in der nächsten Saison noch der richtige Trainer für den Berliner Fußball-Bundesligisten sei. Neben Dardai waren ebenfalls die sich stets wiederholenden Einbrüche in der Rückrunde ein Thema. Dafür soll bei dem Treffen auch Manager Michael Preetz keine Erklärung gehabt haben.

Dardai trat all den Diskussionen um seine Person am Montagmorgen deutlich entgegen. Kurz vor Trainingsbeginn nestelte er entspannt mit seiner silbernen Trillerpfeife in der rechten Hand und betonte: „Ich spüre die Unruhe nicht, wie sie andere von außen bewerten.“ Er habe gut geschlafen und er habe gute Laune, sagte der Ungar. „Ich habe jeden Tag Spaß, solange ich das Vertrauen der Spieler, des Managers und des Präsidenten habe. Und wenn das Vertrauen nicht da ist, dann will man das hören, dann muss man sich zusammensetzen und reden. Ich genieße hier momentan noch Vertrauen.“

Und Dardai ging weiter in die Offensive. „Ich habe nichts davon gehört, dass der Manager unzufrieden mit mir ist“, sagte er. „Wenn das so ist, kann er es ruhig sagen – und auch alle anderen. Ich komme mit Kritik sehr gut klar, ich will aber ehrliche Kritik.“

Diese Aussage deutet ein Problem an, das der Öffentlichkeit lange nicht bekannt, in dieser Saison jedoch nicht mehr zu verbergen war: Das Verhältnis zwischen Trainer und Manager soll nicht gerade freundschaftlich sein. Übermittelt ist zum Beispiel ein handfester Streit der beiden, den die Mannschaft mitbekommen haben soll. Wie sich eine solche Situation auf das interne Klima und die Leistung auf dem Platz auswirkt, ist schwer zu sagen. Doch hilfreich ist es sicher nicht, und es könnte den Spielern vielleicht sogar als Ausrede dienen, wenn es wie seit einigen Wochen nicht gut läuft.

Differenzen zwischen Preetz und Dardai

Preetz macht inzwischen auch kein Geheimnis mehr aus den Unstimmigkeiten. „Wir streiten uns noch öfter, als es öffentlich bekannt ist“, hat er in einem Gespräch mit dem Tagesspiegel zugegeben. Er stellte die Differenzen damals als positiv für Hertha BSC hin, weil eine solche Reibung auch zu einer Weiterentwicklung führen könne. Doch immer öfter war zuletzt aus dem Umfeld des Klubs zu hören, dass Dardais mitunter lautstarke Ausraster zunehmend belastend wären. In der Tat wirkte der Trainer, der für seine bodenständige, authentische Art und Weise von vielen sehr geschätzt wird, auch gegenüber Journalisten in dieser Spielzeit dünnhäutig und angefasst.

Von seiner zuweilen aufbrausenden Attitüde unterscheidet er sich sehr vom Manager, der eher ruhig daherkommt und so wirkt, als überlege er sich vorher sehr genau, was er wann und wie sage.

Andererseits waren Preetz und Dardai auch schon als Spieler keine engen Freunde, sondern Kollegen. Sie wissen aber, was sie aneinander haben. Beide stehen für ein enorm hohes Maß an Identifikation mit Hertha BSC, zudem ist Dardai Preetz’ beste Trainerverpflichtung in Berlin. Mit dem Ungarn im Amt hat der Klub nichts mehr mit dem Abstiegskampf zu tun, in dieser Hinsicht sind sie bei Hertha mittlerweile auch etwas verwöhnt.

Preetz äußerte sich zu Dardai am Montag nicht. Er stehe auf der wöchentlichen Pressekonferenz am Donnerstag wie immer zur Verfügung, hieß es vom Verein. Generell ist es bei Hertha BSC so, dass Gerüchte nicht kommentiert werden. So war nur zu vernehmen, dass Dardai und Preetz sich derzeit – wie in der Vergangenheit auch – ganz normal austauschen und die Situation besprechen würden.

Ein Plädoyer für die eigene Arbeit

Allerdings hielt Dardai am Montag auch ein Plädoyer für sich und seine Arbeit. Hertha sei ein Ausbildungsverein, sagte er, das dürfe man nicht vergessen. Zudem bekämen die Spieler von ihm und seinem Assistententeam seit viereinhalb Jahren ein sehr gutes Training. „Das, was wir hier gemacht haben, ist einzigartig.“

Und so richtete er den Blick auf das nächste Heimspiel. „Jetzt ist es wichtig, dass wir am Sonntag selbstbewusst spielen und Hannover besiegen“, betonte Dardai. Die Partie gegen den Tabellenletzten ist für ihn und den Klub von größter Bedeutung. Weil dann auch die zuletzt gesperrten Ondrej Duda und Vedad Ibisevic sowie der kurzfristig erkrankte Niklas Stark wieder in den Kader zurückkehren, wird Dardai nicht mit einer improvisierten Aufstellung wie gegen Hoffenheim antreten müssen.

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Wenn Hertha jedoch auch gegen Hannover verlieren sollte, dürfte sich Dardai kaum halten können – schon vor dem Saisonende.

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