Sport : Verdacht auf Korruption

Die Kieler Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Flensburgs Handball-Präsidenten – auch Magdeburg im Visier

Erik Eggers

Berlin - Bestechlichkeit, Bestechung, Untreue und Anstiftung zur Untreue – so lautet der Verdacht, unter dem der Präsident der SG Flensburg-Handewitt, Frerich Eilts, derzeit steht. Seit Dienstag ermittelt der Leiter der „Abteilung Korruption“ bei der Kieler Staatsanwaltschaft gegen Eilts, der hauptberuflich seit 1987 Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Flensburg ist.

Nach Angaben von Uwe Wick, dem Sprecher der Kieler Strafverfolgungsbehörde, soll die Flensburger Sparkasse im Rahmen von Zwangsversteigerungen im Jahr 2002 zwei Grundstücke weit unter Preis an „Densch & Schmidt“ verkauft haben, eines der größten Immobilienunternehmen Schleswig- Holsteins. Die Staatsanwaltschaft vermutet dahinter ein Sportsponsoring als verdecktes Kompensationsgeschäft: Im gleichen Jahr zahlte „Densch & Schmidt“ nämlich 60 000 Euro an die SG Flensburg-Handewitt; als Gründungsmitglied des sogenannten „Club 100“, einem rund 200 Unternehmen großen Sponsorenpools, zählt der Immobilienkonzern zu den langjährigen Gönnern des Handball-Bundesligisten.

Als Drahtzieher vermuten die Kieler Korruptionsspezialisten Eilts, den Sparkassenchef und SG-Präsidenten. Der beteuerte gegenüber dem „Flensburger Tageblatt“ seine Unschuld. Rund 100 Beamte durchforsteten bereits 14 Häuser, um umfangreiches Beweismaterial zu sichern. Neben der Flensburger Sparkassenzentrale wurden auch die Geschäftsräume der SG Flensburg-Handewitt durchsucht.

Eine von vielen Fragen lautet nun, ob Eilts dem europäischen Klub auf ähnliche Weise noch weitere Einnahmen verschafft hat – und womöglich auch Schwarzgeld.

Solche Affären hat es im Handball immer wieder gegeben. Ein besonders spektakuläres Beispiel ist der Fall des polnischen Weltklassespielers Jerzy Klempel, der in den Achtzigern bei Frisch Auf Göppingen „unter der Hand“ bezahlt wurde. Von so etwas grenzen sich die Verantwortlichen bei der SG ab: Hier verweist man darauf, dass gegen den Klub selbst keine Ermittlungen eingeleitet wurden. „Wir sind nicht unmittelbar betroffen“, betont Finanzgeschäftsführer Frank Buchholz. Er nennt die Vorwürfe „absurd“ und „an den Haaren herbei gezogen“.

Auch in Magdeburg droht Ungemach. Dort ist nach einem Bericht der „Magdeburger Volksstimme“ gegen den Manager des SC Magdeburg, Bernd-Uwe Hildebrandt, Strafanzeige erstattet worden. Außerdem hat der Landesrechnungshof Sachsen-Anhalts in einem Prüfbericht das Finanzgebaren am Olympiastützpunkt Magdeburg/Halle beanstandet, dessen Leiter ebenfalls Hildebrandt ist. Er ist zugleich Aufsichtsratschef der Liga und damit einer der einflussreichsten deutschen Handballfunktionäre.

Die Handballer der SG Flensburg-Handewitt hatten in den letzten Tagen auch sportlich wenig zu lachen. Der Deutsche Meister von 2004 und derzeitige Tabellenführer der Bundesliga gastierte am Mittwoch in der Kölnarena beim VfL Gummersbach, wo er vor mehr als 15 000 Zuschauern mit 26:33 unterging. Belastet durch die Korruptionsaffäre müssen sie am Samstag beim FC Barcelona das Rückspiel im Champions-League-Viertelfinale bestreiten. Im Hinspiel hatten die Flensburger dem erfolgreichsten Klub der Welt mit 31:21 eine wahre Lektion erteilt.

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