Volleyball : BR Volleys: Die Chance des Stellvertreters

Gegen Belchatow dürfte Volleys-Zuspieler Sebastian Kühner eine wichtige Rolle zukommen. Dabei schien dieser einen Stammplatz auf der Bank sicher zu haben.

Sebastian Kühner ist für die Volleys momentan so wichtig wie nie zuvor.
Sebastian Kühner ist für die Volleys momentan so wichtig wie nie zuvor.Foto: imago/Sebastian Wells

Erst neulich, am vergangenen Freitag gegen Bühl, hat man ihn wieder phasenweise gesehen, den perfekten Zuspieler im Volleyball. In der Berliner Max-Schmeling-Halle pritschte er seinen Teamkollegen die Bälle punktgenau zu. Er blockte Angriffsbälle des Gegners, er schlug krachende Aufschläge übers Netz und er feuerte seine Mannschaft lautstark an. Sebastian Kühner vom Bundesligisten BR Volleys bringt alles mit, um im Volleyball ein Großer zu sein. „Er ist der intelligenteste Zuspieler, den es gibt“, hat sein früherer Trainer Mark Lebedew einmal über ihn gesagt. Und auch Stelian Moculescu, der Kühner in der vergangenen Saison trainierte, schwärmt von dessen linker Hand. Moculescu erzählt, dass er Kühner, als dieser noch Anfang 20 war, gerne zu sich nach Friedrichshafen geholt hätte. „Hat leider nicht geklappt.“

Kühner wechselte damals vom VCO Berlin zum SV Bayer Wuppertal und vielleicht war dies der Punkt, von dem aus Kühners Karriere in eine falsche Richtung mündete, von dem aus einem herausragenden Talent ein durchschnittlich bis guter Bundesligaspieler wurde. Mehr aber nicht. Vielleicht aber tut man dem 31-Jährigen Unrecht, vielleicht wird aus einem guten noch ein sehr guter Bundesligaspieler. Schließlich ist Kühner nicht nur Kapitän des aktuellen Deutschen Meisters BR Volleys, sondern seit ein paar Wochen auch die Nummer eins auf der Position des Zuspielers.

Auch am heutigen Mittwoch dürfte Kühner in der Startformation stehen. Die Volleys empfangen in der Champions League den polnischen Klub Skra Belchatow (Beginn: 20 Uhr in der Max-Schmeling-Halle). Es geht für die Berliner um viel in der für sie bislang enttäuschenden Saison. Sie wollen so langsam die Kurve bekommen. In der Liga steht die Mannschaft von Trainer Cedric Enard derzeit auf dem fünften Tabellenplatz und in der Champions League ist sie nach einem Sieg und einer Niederlage Letzte in ihrer Vierergruppe. Aber auch für Kühner geht es darum, die Kurve zu bekommen.

Mit Kühner hatten die Volleys zuletzt Erfolg

Seit 2012 spielt er inzwischen bei den Volleys, er ist der mit Abstand dienstälteste Spieler im Kader. Kühner ist ein Publikumsliebling, eine Identifikationsfigur. Doch meist war Kühner trotz all seiner Talente nur zweite Wahl. In der vergangenen Saison etwa verpflichtete Volleys-Manager Kaweh Niroomand auf Kühners Position den Holländer Daan van Haarlem. Als es mit diesem nicht klappte und die Saison ähnlich problematisch verlief wie die aktuelle, schenkte Niroomand aber nicht Kühner das Vertrauen. Er holte spät noch den Franzosen Pierre Pujol, der fortan auch meist für Kühner auflief. Und in der aktuellen Spielzeit hat Niroomand Kühner den jungen Jan Zimmermann vor die Nase gesetzt.

Viele andere hätten an Kühners Stelle längst das Weite gesucht. Doch Kühner mag Berlin und auch diesen Klub, der zusammen mit dem VfB Friedrichshafen in Deutschland am besten geführt wird und auch die mit Abstand meisten Zuschauer in den Heimspielen vorweisen kann. Womöglich macht sich seine Treue – wenn auch spät – noch bezahlt. Zimmermann enttäuschte bislang, weshalb Trainer Cedric Enard in den vergangen Spielen auf Kühner setzte – und die Volleys immer Erfolg hatten.

Aber kann ein 31-Jähriger, der meist Ersatzmann war, nun der große Heilsbringer sein? „Warum nicht“, sagt sein früherer Trainer Moculescu . „Zuspieler werden im Alter ruhiger, sie können locker bis 38 spielen. Sebastian ist im besten Alter.“ Wenn es überhaupt eine Schwäche bei Kühner gebe, erzählt Moculescu, dann seien es seine Beine. Mit seiner für einen Zuspieler enormen Größe von 2,03 Metern hat Kühner Geschwindigkeitsnachteile. „Dennoch wird es schwer für Jan Zimmermann, den Sebastian wegzukriegen“, ist Moculescu überzeugt.

Das sieht eventuell auch Manager Niroomand derzeit so. Zumindest hielt er nach dem jüngsten Erfolg über Bühl eine kleine Eloge auf Kühner. Dieser habe eine enorme Energie ins Spiel gebracht und toll gestellt. „Mehr kann man nicht erwarten.“ Kühner, der bei diesen Worten direkt neben Niroomand stand, bedankte sich artig. Doch ist davon auszugehen, dass er die Analyse des Manager gut einordnen kann. Das Lob muss nichts heißen. Bisher hat Niroomand noch regelmäßig jemanden gefunden, den er Kühner vorgesetzt hat.

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