Weitspringerin Alexandra Wester : Wie aus 600 Paar Sportschuhen Hoffnung wird

Weitspringerin Alexandra Wester besuchte ihre Heimat Gambia – mit gesammelten Sportschuhen im Gepäck. Auslöser dafür war eine Verletzung in Berlin.

Cäcilia Fischer
Springt zur Hilfe. Alexandra Wester sammelt Sportschuhe für Projekte in Gambia.
Springt zur Hilfe. Alexandra Wester sammelt Sportschuhe für Projekte in Gambia.Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Dass aus Leid Glück werden kann, weiß Alexandra Wester. Als sich die Weitsprung-Meisterin vom ASV Köln im September 2018 beim Internationalen Stadionfest (ISTAF) im Olympiastadion Berlin einen mehrfachen Bänderriss zuzog, war der Frust groß. Die Enttäuschung teilte sie mit ihrem Freund Joshiko Saibou, einem Spieler von Alba Berlin, der sich eine Entzündung im rechten Fuß zugezogen hatte. Während der gemeinsamen Zwangspause entstand die Idee, unter dem Motto „Smiling Kids for Africa“ via Instagram Sportschuhe für Alexandras Heimat Gambia zu sammeln.

Im Vorjahr hatte sie das Land besucht und festgestellt, dass es an Sportschuhen für Kinder und Jugendliche fehlt. Nun sorgte Alexandra für Nachschub – und brachte ihn persönlich zu den Kids. Über 600 Paar neue und gebrauchte Sportschuhe waren bis Ende Januar bei der Charity-Aktion mit Hilfe von Alba, dem Olympiastützpunkt Berlin und vielen weiteren Spendern zusammengekommen. Sie im März in ihre Heimat zu bringen, war für Alexandra eine Herzensangelegenheit. Nach 14 Tagen kehrte sie glücklich, aber auch nachdenklich nach Berlin zurück.

Wester hatte jeden Tag Tränen in den Augen

„Die Reise hat viel für mich verändert. Sie war ein Wechselbad der Gefühle, aber jedes Gefühl habe ich wertgeschätzt, da es mir die Augen geöffnet hat“, sagt Wester. Nun sei ihr vieles bewusster geworden, vor allem, als sie den ärmsten Teil ihrer Heimatstadt Bakau besuchte. „Ich hatte danach jeden Tag Tränen in den Augen. Die Mütter der Kinder haben mir aber gesagt, wie schön es für sie ist, zu merken, dass jemand an sie denkt. Es ist also nicht nur das Schuhe geben, es ist Hoffnung geben.“ Ihre eigenen Sportschuhe bekommt Alexandra von Sponsoren geschenkt, seit sie 2016 in den Nationalkader aufgenommen und Deutsche Hallenmeisterin wurde. „Da lag die Frage nahe, wie ich anderen helfen kann, die Schuhe dringender benötigen als ich.”

Auf ihrer einwöchigen Reise durch Gambia verteilte sie die Spenden auch in einem Trainingszentrum von Leichtathleten. Einer beeindruckte sie besonders: Sprinter Momodou Sey. „Er ist 20 Jahre alt, hat keinen Sponsor, keinen Physiotherapeuten und keine neuen Spikes – aber er läuft als bester Sprinter Gambias die 100 Meter in 10,56 Sekunden! Als wir fuhren, habe ich gesehen, dass er geweint hat. Zu erleben, was es ihm bedeutet hat, war extrem bewegend“, sagt die Athletin. Nach dem Besuch in Bakau ging es weiter zu einem Basketballteam und zu kleinen Unternehmen, die Kinder fördern. Das Erfahrene sei schön und schmerzlich zugleich gewesen. „Ich habe mich schrecklich gefühlt, als ich dann am Flughafen für ein Frühstück 15 Euro bezahlt habe. In Gambia würden die Menschen mit den 15 Euro einen Monat lang auskommen!”

Deutsche Meisterschaft in Berlin ist das Ziel

Ihre Erfahrungen und ihre Motivation möchte Alexandra in neue Charity-Projekte stecken, die Ende des Jahres umgesetzt werden sollen. Davor geht es aber erst einmal wieder um Sport: „Ich will zur Deutschen Meisterschaft im August im Olympiastadion Berlin starten, um mich da für die Weltmeisterschaft im Oktober in Doha zu qualifizieren.” Ihre Verletzung sei gut ausgeheilt, die Metallplättchen am Fuß sind inzwischen entfernt worden. Jetzt trainiert sie auch wieder mit ihrem Trainer Ulrich Knapp in Saarbrücken. „Uli kenne ich, seit ich 15 bin, und ihm vertraue ich. Er ist ein sehr guter Trainer, sehr positiv.“

Wie sich ihr Comeback im Olympiastadion wohl anfühlen wird? Alexandra ist optimistisch. In Mannheim, wo sie sich vor Jahren eine schwere Knieverletzung zuzog, sei sie nach dem Vorfall auch noch einmal gesprungen – und habe da ihre Bestleistung geschafft. Mit ihr ist also wieder zu rechnen.

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