Sport : Wenn der Schnee fehlt

Wie die Verantwortlichen des Wintersports auf den Klimawandel reagieren wollen

Benedikt Voigt

Berlin - Es hat geschneit im Berner Oberland, weshalb Sarah Lewis bereits alle denkbaren Wintersportutensilien bereitgelegt hat: Schneeschuhe, Langlaufski, Alpinski. „Ich hatte noch nicht viele Möglichkeiten, in diesem Winter Ski zu fahren“, sagt sie, „jetzt muss ich meine Saison in ein Wochenende packen.“ Ist auch das Freizeitprogramm der Generalsekretärin des Internationalen Skiverbandes (Fis) dem schlechten Winter zum Opfer gefallen? „Nein“, sagt Sarah Lewis, „ich war nur so viel unterwegs.“

Überhaupt, den Ausdruck schlechter Winter hört die Generalsekretärin der Fis nicht gerne. Sportlich sei es ein guter Winter gewesen, „es war extrem spannend“, sagt Lewis, „organisatorisch war es nicht einfach, wir hatten relativ viele Absagen, Verschiebungen und Verlegungen.“ 29 Weltcup-Wettbewerbe sind bis Anfang Februar in Langlauf, Skispringen, Nordische Kombination, Alpinski, Freestyle-Skifahren und Snowboard ausgefallen, 24 Wettbewerbe mussten an einem anderen Ort durchgeführt werden, zwölf wurden zu einem neuen Termin angesetzt. „Klimatisch war es der schwierigste Winter, wir hatten in langen Perioden extrem wenig Schnee“, sagt Lewis.

Der Klimawandel hat die an diesem Wochenende zu Ende gehende Wintersportsaison stark beeinträchtigt. Welche Konsequenzen man daraus ziehen sollte, ist bei den Verantwortlichen des Wintersports unklar. Manche wollen abwarten, ob sich die Zahl der klimatisch warmen Winter überhaupt fortsetzt. „Wir hatten vorher zwei Traumwinter“, sagt Alfons Hörmann, „vor einem Jahr haben wir über unter den Schneemassen eingestürzte Hallen diskutiert.“ Der Präsident des Deutschen Skiverbandes verweist stolz darauf, dass unter der Organisation seines Verbandes kein einziger Weltcup ersatzlos ausgefallen ist. Die Bilder einer weißen Kunstschneespur auf grünen oder braunen Wiesen sind auch ihm in Erinnerung geblieben. „Dass man in manchen Wettbewerben in den Grenzbereich dessen kommt, was organisatorisch machbar ist und nach außen in der Kommunikation gut vermittelbar ist, kann man diskutieren“, sagt Hörmann, „aber wenn man weiß, dass im Einzelfall viel Geld im Raum steht, wird das Verständnis ein anderes.“

Die Absage eines Weltcups kommt nicht nur die Verbände teuer zu stehen. Auch für den Wintersportort ist es dem touristischen Image abträglich, wenn er eine Wintersportveranstaltung mangels Schnee nicht durchführen kann. „Die Skigebiete rüsten Jahr für Jahr immer besser auf, was die Technologie der Schneeproduktion betrifft“, sagt Sarah Lewis. Ihr Verband wird künftige Weltcuporte auch nach dem Kriterium Schneesicherheit aussuchen. „Das ist schon seit längerer Zeit unsere Strategie“, sagt Sarah Lewis. So startete ein Weltcup in dieser Saison erstmals am Polarkreis. „Das war ein Supererfolg mit super Schneebedingungen“, sagt Sarah Lewis.

Ein späterer Start der Saison kommt allerdings für den Internationalen Skiverband nicht in Frage. „In den letzten zwei Wintern hatten wir schon sehr früh sehr viel Schnee“, sagt Lewis. Für die Alpinen stellt der Beginn im November kein Problem dar. „Die beginnen immer in Amerika, dort sind die Schneebedingungen bestens“, sagt Lewis

Doch der Weg dorthin ist weit, die europäischen Skirennläufer legen ihn mit dem Flugzeug zurück – und leisten damit einen Beitrag zum Klimawandel. Der Weltcupzirkus tut mit Autofahrten und Kunstschneeproduktion seinen Teil dazu. „Wir wollen unsere Weltcups effizient organisieren, aber wir werden die Rennen nicht nur in einer kleinen Alpenecke stattfinden lassen“, antwortet Lewis, „der Wintersport ist ein Weltsport und wir möchten auch weltweit für ihn werben.“ Solange das Klima noch mitspielt.

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