Zum Rücktritt von Laura Dahlmeier : Mehr geht nicht

Mit 25 Jahren hat sie schon alles gewonnen. Nun hört Laura Dahlmeier auf. Ein Kommentar zum Rücktritt der deutschen Ausnahme-Biathletin.

Laura Dahlmeier war in ihrer relative kurzen Karriere eine unfassbar fleißige Medaillensammlerin.
Laura Dahlmeier war in ihrer relative kurzen Karriere eine unfassbar fleißige Medaillensammlerin.Foto: dpa

Laura Dahlmeier hat sich einen für sie perfekten Zeitpunkt ausgewählt, um vom Leistungssport zurückzutreten. Biathlon ist gerade kein großes Thema, der Winter und damit die Saison lange vorbei. Die Aufregung um ihr Karriereende mit nur 25 Jahren fällt daher nicht ganz so groß aus, wie das vielleicht noch im März der Fall gewesen wäre. Und Rummel ist etwas, was Dahlmeier gar nicht mag. Lieber reist sie durch die Welt, möglichst unauffällig und gern ganz weit weg. Nur Berge sollten immer in der Nähe sein. Um sich auch in der Ferne ein bisschen wie in ihrer bayrischen Heimat zu fühlen.

„Ich merke, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für mich gekommen ist“, schrieb Dahlmeier auf ihrer Internetseite. Die Entscheidung sei ihr nicht leichtgefallen und schon länger gereift, aber sie sei „nicht mehr hundertprozentig davon überzeugt gewesen, weiter Biathlon auf absolutem Spitzenniveau betreiben zu wollen.“

Absolute Spitze war sie in ihrer besten Zeit zwischen 2015 und 2019. Sie wurde sieben Mal Weltmeisterin, legte zwischenzeitlich eine Serie von 13 WM-Medaillen in Folge hin und krönte ihre Laufbahn 2018 mit zwei olympischen Goldmedaillen. Auch den Gesamtweltcup holte Dahlmeier, da war sie gerade 23. Schon in jungen Jahren hatte sie alles gewonnen, was es im Biathlon zu gewinnen gab. Auch deswegen hatte sie schon nach Olympia in Pyeongchang mit dem Gedanken an einen Rücktritt gespielt. Den verwarf sie allerdings zunächst und kämpfte sich nach Erkrankungen in der vergangenen Saison noch einmal in die Weltelite zurück.

Künftig möchte sie ihren Körper aber nicht mehr bis an die Grenze belasten, auch weil ihr die sportlichen Herausforderungen abhanden gekommen sind. „Heute bin ich an dem Punkt, an dem ich nicht weiß, was genau ich mir für ein Ziel vornehmen sollte, geschweige denn, ob es mir überhaupt wieder gelingen könnte“, schreibt sie in ihrer Erklärung.

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Und so geht Dahlmeier mit ihrem Rücktritt nun den gleichen Weg wie Magdalena Neuner, die ebenfalls bereits im Alter von 25 Jahren aufhörte. Das deutsche Biathlon braucht damit wieder ein neues Aushängeschild, Laura Dahlmeier wird es nicht mehr sein, sie fühlte sich in dieser Rolle auch nie wirklich wohl. Nun kann sie sich auf ein Leben konzentrieren, ohne dabei permanent in der Öffentlichkeit zu stehen.
Einmal wird sie die Ski und ihr Gewehr aber noch anlegen. Bei der Team-Challenge auf Schalke verabschiedet sie sich im Dezember endgültig von ihren Fans – und vom Trubel um ihre Person.

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