Sport : Zusammen halten

Die Abwehr der Bayern erfüllt ihren Auftrag

Stefan Hermanns

München - Das hat Roberto Carlos nun wirklich nicht verdient. Bei keinem anderen Spieler von Real Madrid pfeifen die Fans von Bayern München so entschlossen wie bei dem linken Außenverteidiger aus Brasilien. Dabei unternimmt Roberto Carlos schon bei seiner ersten Aktion alles Menschenmögliche, um das Münchner Publikum gnädig zu stimmen. Sechs Sekunden sind gespielt, als ihm der Ball vom Fuß springt und bei Hasan Salihamidzic landet. Kurz darauf steht es 1:0 für die Bayern. Was nützt der Wille zur leidenschaftlichen Abwehrarbeit, wenn alle Bemühungen durch einen derartigen Anfängerfehler nach nicht einmal zehn Sekunden konterkariert werden?

Vor dem Rückspiel zwischen Bayern München und Real Madrid galt es als ausgemacht, dass diejenige Mannschaft ins Viertelfinale der Champions Leauge einziehen würde, die in der Allianz-Arena die bessere Defensivarbeit abliefern würde. Die Fähigkeit, vor eigenem Publikum ein Tor zu schießen, hatte den Bayern niemand abgesprochen. Aber würden sie auch in der Lage sein, ihre poröse Abwehr wieder zu stabilisieren? „Real ist eine Mannschaft, die ihre Stärken nach vorne besitzt“, hatte Bayerns Trainer Ottmar Hitzfeld vor dem Spiel gesagt. Und die Bayern hatten ihre Stärken zuletzt nicht in der Abwehr.

Real aber auch nicht, zumal Hitzfelds Kollege Fabio Capello in der Viererkette auch noch auf den verletzten Weltfußballer des Jahres Fabio Cannavaro verzichten musste, für ihn rückte Sergio Ramos in die Innenverteidigung. Für die neue Saison soll der spanische Rekordmeister daher Christoph Metzelder von Borussia Dortmund verpflichtet haben. Gestern musste Capello noch mit dem vorhandenen Personal auskommen. Zur Entlastung der Viererkette bot Reals italienischer Trainer vor der Abwehr drei defensive Mittelfeldspieler auf: Emerson, Fernando Gago und Mahamadou Diarra. Doch nach Makaays Führungstor war Capellos Taktik ad absurdum geführt worden, nach 30 Minuten holte er Emerson vom Feld und brachte Guti, einen Offensivspieler.

Die Real-Spieler hatten deutliche Schwierigkeiten, sich gedanklich auf die neue Situation einzustellen – zumal die Bayern ihrem Auftrag zur Defensive mit großem Engagement nachkamen. Die Mittelfeldspieler attackierten früh, die Viererkette rückte bis nah an die Mittellinie heran, sodass für Real wenig Zeit und Raum blieb. Die Mannschaft setzte genau das um, was Torhüter Kapitän Oliver Kahn von ihr gefordert hatte: dass einer dem anderen helfe. Hitzfeld hatte zudem im Training großes Augenmerk auf die Feinabstimmung in der Viererkette gelegt.

Der Torhüter der Bayern musste lange nicht eingreifen. In der 38. Minute sahen die Zuschauer den ersten Torschuss der Spanier. Oder zumindest den Versuch. Higuain schoss aus 18 Metern, der Ball flog über das Fangnetz vor der Bayern-Kurve. Aber es schien, als habe Real durch diese erste Annäherung an das Ziel die Lust an der Offensive entdeckt. Bis zur Pause hatten sie noch zwei gute Chancen, und beide waren der Viererkette anzulasten. Zuerst stand Daniel van Buyten vor der Möglichkeit von Higuain zu weit weg vom Passgeber Guti, dann kam Ruud van Nistelrooy am zweiten Pfosten völlig frei zum Kopfball.

Der Holländer enthüllte damit den Schwachpunkt der Münchner Viererkette. Wenn der Ball von links in den Strafraum fliegt, sieht sich am zweiten Pfosten der kleine Philipp Lahm den großen Stürmern gegenüber. Auch in der zweiten Halbzeit war es noch einmal so, doch Kahn parierte van Nistelrooys Kopfball. Bei van Nistelrooys Elfmeter fehlten dem Münchner Torwart dann nur ein paar Zentimeter. Doch ein Elfmeter, der ist eine Sache für sich.

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