Vom Spreewälder Dunkel aus Schlepzig zum India Pale Ale in Cottbus

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Craft-Bier aus Brandenburg : Ein Kessel Blondes
Das Brauereimuseum im Gewölbekeller des Alten Rathauses in Fürstenwalde.
Das Brauereimuseum im Gewölbekeller des Alten Rathauses in Fürstenwalde.Foto: Ingolf Patz

Trotzdem sollte man noch weiterreisen, gen Süden, zur Spreewälder Privatbrauerei 1788. In Schlepzig ist sie identitätsstiftender Teil des Resorts „Seinerzeit“. Wenn Braumeister Uwe Zech in der Sudpfanne die Würze zum Kochen bringt, erfüllt der Geruch von Hopfen auch den Gastraum im Brauhaus. Mit Blick auf die Kupferkessel laufen dort Pils, Kellerbier, Spreewälder Dunkel und ein feinfruchtiges Hefeweizen vom Hahn. Dazu passt die harmonisch gewürzte Vetschauer Grützwurst oder eine in dunklem Hausbier geschmorte Schweinshaxe. Eine erfrischende Idee ohne Alkohol sind die hausgemachten Limonaden, besonders die Schlepziger Gurkenbrause trinkt sich leicht.

Das eigene Bier ist im etwas ruhigeren Unterspreewald ein wichtiger Standortfaktor. Deshalb wird die Spreewälder Privatbrauerei 1788 ab Oktober vergrößert und bekommt einen Hopfenturm als Erkennungszeichen. Das Bier von Braumeister Zech wird auch in ausgewählten Gasthäusern bis zum Berliner Speckgürtel ausgeschenkt. Allerdings müssen sich die Wirte dazu verpflichten, die Kühlkette einzuhalten, denn auch das Spreewälder Bräu ist Frischbier ohne konservierende Zusätze. Im Sommer kann das Resort Seinerzeit besonders mit dem Kahnhafen und einem Biergarten am Wasser punkten. Zu jeder Jahreszeit von Vorteil: 41 Zimmer und Suiten, falls die Verkostung mal länger dauert.

Im "Labieratorium" experimentieren Cottbusser Bier-Enthusiasten

Eine Biertour in den Süden könnte in Cottbus enden, im „Labieratorium“. Freunde des eigenständigen bis eigenwilligen Brauens um die Biersommeliers Anja Braun und Olaf Wirths betreiben dort seit Sommer 2017 in einem ehemaligen Supermarkt eine Mikro-Brauereianlage, 14 verschiedene Biere wurden bislang gebraut, die alles andere als Supermarkt-Ware sind. „Wir mischen mit unserem Craftbeer die Bierszene auf.“ Bestes Aroma und „geile Vielfalt“ versprechen die Macher selbstbewusst. Auf den Etiketten ihrer Flaschen findet man den Gott Pan mit Hopfen im Haar, Symbol für die Verschmelzung von Natur und Kultur in Verbindung mit der Kulturpflanze. Als Arznei führt Hopfen zu einem ruhigen Rausch, wirkt wie Baldrian. Im Bier schenkt seine Herbe nicht nur Geschmack, sie wirkt auch stabilisierend und konservierend. Im Labieratorium wird das Reinheitsgebot lustvoll ausgereizt, mit einer Vielzahl von raren Sorten Aromahopfen. Das Orange Pale Ale erhält seinen fruchtigen Duft nicht etwa durch zugesetzten Orangengeschmack, sondern durch den Hopfen vom Typ Bavaria Mandarina. Ein Vergnügen zum Käse. Wer wissen will, zu welcher Aromawucht Bier fähig ist, probiert das „F60 paranoid“, ein India Pale Ale mit 7,3 Prozent Alkohol – und erlebt eine ganze Breitseite von Passionsfrucht und belebenden Bittertönen. Eine Cottbuser Kreation, die beim International Craft Beer Award kürzlich Gold holte. Für weniger Abenteuerdurstige braut das Labieratorium seine Klassiker Cottbuser Hell, Cottbuser Pils und Cottbuser Rotbier, die auch in der eigenen Bierbar „Labyrinth am Altmarkt“ vom Hahn laufen, dazu gibt es ausgewählte Spezial-Biere wie „Schwarze Pumpe“ oder Weizen. Braun und Wirths geben ihr Wissen gern weiter, mit Führungen, Braukursen, Bierverkostungen inklusive Foodpairing oder Bierreisen.

Der Cottbuser Hopfen-Pan hat bereits Kreise gezogen und blickt den Durstigen auch von Berliner Craftbier-Regalen und Speisekarten an.

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Brandenburger Bier gibt's hier

Informationen zur Brandenburger Bierstraße unter brandenburger-bierstrasse.de

Spreewälder Privatbrauerei 1788 im „Spreewaldresort Seinerzeit“, Dorfstr. 53, Schlepzig, seinerzeit.de

„Labieratorium“ Brauerei-Shop, Karl-Liebknecht-Str. 102, Cottbus, labieratorium.de

Craftbeer-Bar „Labyrinth am Altmarkt“, Berliner Str. 1, Cottbus, labyrinth-cottbus.de

„Labieratorium“-Produkte in Berlin:

erhältlich bei „Ambrosetti & Ambrosetti GbR“, Schillerstraße 103, Charlottenburg,
und „Foersters Feine Biere“, Bornstraße 20, Friedenau

„Mauerwerk“ Craft Beer Bar, Zwinglistraße 7, Moabit, ab 18 Uhr

Brauhaus Südstern, Hasenheide 69, Neukölln, ab 17 Uhr, brauhaus-suedstern.de

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