Von Tisch zu Tisch - die Restaurantkritik : Bellucci

Ambitioniert mit guten Ansätzen, aber zu wenig individuell, um in der Liga der Edel-Italiener zu überzeugen

Sehr schick und nicht preisweit, aber große Portionen sowie Pizza und Lunchangebot im "Bellucci"
Sehr schick und nicht preisweit, aber große Portionen sowie Pizza und Lunchangebot im "Bellucci"Foto: Bellucci / promo

Dieses Restaurant wirkt geräumig durch die verglaste Wand zur Außenterrasse und zur Straße hin. Ohne diese näher zu benennen, rühmt man sich online auch prominenter Kundschaft, was in dieser Gegend am Adenauerplatz aber durchaus naheliegt. Helle Sofas, schwere weiße Tischdecken, Salzstreuer aus Porzellan und schwarze Pfeffermühlen, aparte Tischlampen und große Schwarz-Weiß-Fotos an der Wand geben dem Lokal einen Hauch von Edel-Italiener. Darauf lässt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis schließen. Schon der offene Prosecco schlägt mit 7 Euro zu Buche.

Unaufmerksamer Service
Das Programm ist weit gefächert mit Sinn für volle Auslastung, es gibt zum Beispiel viele Sorten Pizza und einen Business-Lunch für 8,50 Euro. Die Kellner erinnern streckenweise an alte Klischees: Ständig ziehen sie ihre Runden, gucken nur ausgerechnet dann nicht, wenn man gerade etwas braucht. Das Lachstatar war auf einem dicken Boden aus Avocadostückchen von mittlerer Reife angerichtet. Auf dem Teller stand auch ein Schnapsglas Teriyaki-Sauce, die dem Gericht eine moderne japanische Anmutung gab (13 Euro).

Großzügige Portionen
Malerisch der Feldsalat mit reichlich gelben Paprikastreifen, roten Cherrytomaten, einem würzigen italienischen Dressing und zwei großen Scheiben von in Honig mariniertem, goldbraun gebratenem Ziegenkäse (13,50 Euro). Großzügige Portionen scheinen ein Markenzeichen des Hauses zu sein. Der Eindruck setzte sich fort bei den Hauptgerichten. Es gab Ravioli nach Art des Hauses, die gefüllt waren mit Büffelricotta und auf einer fast flüssigen Kartoffelcreme lagerten, dazu grob geraspelter Käse zum Drüberstreuen. Das sah auf den ersten Blick blass aus, schmeckte aber angenehm (16 Euro).

Solides Programm

Die Baby-Calamari waren nicht mehr so ganz klein und zart wie zu erwarten. Mit Kapern, Oliven und Sardellen waren sie „alla Livornese“ zubereitet, eher altmodisch in einer Cherrytomaten-Sauce, die sich gern noch etwas fruchtiger hätte geben dürfen. Dazu gab es einen Teller mit Trüffelkartoffelpüree und bissfesten Vorspeisenteller-Gemüsen (21,50 Euro). Das restliche Programm ist solide und bekannt: Zander, Dorade, Scampi, Saltimbocca, Piccata etc. Das Dessert kam verdächtig schnell, ein offenbar vorgefertigtes Schokoladentörtchen mit flüssigem Kern, dazu gab es eine große Kugel Vanilleeis mit Fruchtsauce (7,50 Euro). Von der preislich nicht gerade für Pizza-Publikum sortierten Weinkarte wählten wir einen sehr guten Rosé vom Gardasee (38 Euro).

Gute Idee, das Angebot um Lunch und Pizza zu erweitern
Die Konkurrenz in dieser Kategorie gehobener Italiener ist gerade in Charlottenburg recht groß. Natürlich ist auch das Publikum dafür da. Allerdings ist es hilfreich, ein paar Alleinstellungsmerkmale zu entwickeln. Lunch und Pizza sind hier ein ganz guter Anfang. Und an der Weinkarte lässt sich sicher noch arbeiten, bevor die Temperaturen wieder so sind, dass auch die Terrasse mit Beschlag belegt wird.

Bellucci. Brandenburgische Str. 35, Charlottenburg, Tel. 28 03 22 33, Mo–Sa 11–2 Uhr, So 17–24 Uhr

Dieser Beitrag ist auf den kulinarischen Seiten "Mehr Genuss" im Tagesspiegel erschienen – jeden Sonnabend in der Zeitung. Hier geht es zum E-Paper-Abo. Weitere Genuss-Themen finden Sie online auf unserer Themenseite.