Foodsharing : Das Verschwenden beenden

Bis heute landen viele einwandfreie Lebensmittel im Müll. Tausende Berliner*innen unternehmen aktiv etwas dagegen.

Lebensmittelverschwendung ist ein größeres Klimaproblem, als viele wissen.
Lebensmittelverschwendung ist ein größeres Klimaproblem, als viele wissen.Foto: Philotheus Nisch

Wie schädlich PKW für das Weltklima sind, ist bekannt. Dass aber die globale Lebensmittelproduktion so viel CO2 wie der weltweite Straßenverkehr erzeugt - eine Schätzung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen -, weiß kaum jemand. Laut der NGO erreicht nur jedes dritte Lebensmittel überhaupt einen Esstisch. Der Rest? Landet im Müll.

Johanna Seeger, die für den Verein Foodsharing das Team in Wedding koordiniert, will diesen Irrsinn nicht hinnehmen. Seit bald sechs Jahren ist Seeger bei Foodsharing aktiv, dessen Mitglieder in Supermärkten Lebensmittel abholen, die andernfalls weggeworfen würden.

Johanna Seeger engagiert sich gegen die Verschwendung von Essen.
Johanna Seeger engagiert sich gegen die Verschwendung von Essen.Foto: Alena Schmick

Wo früher Aktivisten Abfallcontainer nach noch nicht verdorbenen Lebensmitteln illegal durchforsteten, kommen die Foodsaver heute mit großen Taschen direkt in die Märkte. Sie nehmen mit, was noch essbar ist - und was die Tafeln oft aus rechtlichen Gründen nicht annehmen dürfen.

7 Hacks für die Zukunft

"Am Anfang war es schwer, die Betriebe anzusprechen, weil die Verschwendung von Lebensmitteln noch nicht so bekannt war", sagt Seeger. Viele Märkte werfen bis heute Essen weg, statt es zu verschenken. Das ist für sie die schnellere Lösung und passt ins Geschäftsmodell.

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Sie selbst, sagt Seeger, habe ihr Konsumverhalten durch ihr Engagement verändert: Sie kaufe weniger ein, habe einkochen gelernt und achte kaum mehr auf das Mindesthaltbarkeitsdatum - sondern rieche am Essen oder probiere einfach.

Auch wenn Supermärkte, anders als in Frankreich, in Deutschland noch nicht gesetzlich verpflichtet sind, noch brauchbare Lebensmittel kostenfrei abzugeben - das Bewusstsein für die Verschwendung steigt.

Die 8000 Menschen, die heute in Berlin bei Foodsharing e.V. registriert sind, haben laut einer internen Statistik seit der Gründung des Vereines 2012 mehr als 4300 Tonnen Essen vor der Tonne bewahrt.