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Mord an maltesischer Journalistin : "Malta ist ein Mafia-Staat"

Die maltesische Bloggerin Daphne Caruana Galizia ist durch eine Autobombe getötet worden. Sie hatte der Regierung Korruption vorgeworfen und Geldwäsche sowie Steuerhinterziehung aufgedeckt.

Die Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia im April 2011 in Valletta.
Die Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia im April 2011 in Valletta.Foto: Darrin Zammit Lupi/Reuters

Der Schock über die Ermordung der 53-jährigen Journalistin Daphne Caruana Galizia saß in Malta am Dienstag tief. Die Mutter dreier Kinder war am Tag zuvor von einer ferngezündeten Autobombe in Stücke gerissen worden. In der Nacht hatten tausende Bürgerinnen und Bürger auf der Insel an Mahnwachen teilgenommen. Zum Entsetzen über die brutale Tat gesellte sich am Dienstag die Empörung über einen maltesischen Polizisten, der sich auf Facebook über den Mord freute. „Jeder bekommt, was er verdient, Kuhscheiße“, schrieb der. Er ist suspendiert worden.

Auch EU-Politiker haben mit Entsetzen reagiert. "Brutaler Mord an Daphne Caruana Galizia: tragisches Beispiel einer Journalistin, die ihr Leben geopfert hat, um die Wahrheit ans Licht zu bringen", twitterte EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani.

Einer der drei Söhne der Ermordeten machte die Behörden und die Regierung von Malta für den Anschlag mitverantwortlich. „Meine Mutter wurde ermordet, weil sie zwischen dem Gesetz und jenen stand, die es verletzen wollen“, schrieb Matthew Caruana Galizia auf Facebook. Sie sei die Einzige gewesen, die die Missstände benannt habe. Er kritisierte auch Regierungschef Joseph Muscat. Der Labour-Politiker hatte das Attentat am Montagabend in einer Fernsehansprache als „barbarischen Akt“ verurteilt. Muscat habe seine Mutter jahrelang zu dämonisieren und einzuschüchtern versucht, schrieb jedoch der Sohn. Unter der Regierung Muscat herrsche eine Kultur der Straflosigkeit, die eine solch grausame Tat überhaupt erst ermöglicht habe. „Wir sind ein Mafia-Staat“, schrieb Matthew Galizia.

Malta ist eines der korruptesten Länder der EU

Daphne Caruana Galizia hatte den Premier auf ihrem Blog mehrfach kritisiert. Sie hatte dem Team des International Consortium of Investigative Journalists angehört, das im April 2016 die „Panama Papers“ veröffentlichte. In dem Dossier spielte nicht nur Panama, sondern auch Malta eine wichtige Rolle – als Steuerparadies und Sitz von mehr als 70 000 Offshore-Firmen. Daphne Galizia entdeckte, dass die Gattin des Premierministers, Michelle Muscat, bei einer Bank in Panama ein Konto besaß, auf das Schmiergelder in Millionenhöhe aus Aserbaidschan geflossen waren. Vorwürfe im Zusammenhang mit Offshore-Konten richteten sich auch gegen den Energieminister sowie gegen Muscats Kabinettschef. Unter dem Eindruck des Skandals musste Muscat zurücktreten und Neuwahlen ansetzen. Trotz der Affäre gewann er die Wahlen und kehrte ins Amt zurück.

Der Mord an der mutigen Journalistin und Bloggerin erinnert daran, dass Malta eines der korruptesten Mitglieder der EU ist. Auf der ehemaligen Kreuzfahrerinsel auf halbem Weg zwischen Europa und Afrika haben laut den italienischen Antimafia-Ermittlern neben Offshore-Firmen auch Drogenbarone der ’Ndrangheta ihre Stützpunkte eingerichtet. Malta dient laut italienischen Erkenntnissen außerdem als Drehscheibe für Menschenschmuggler. Daphne Caruana Galizia hat all dies auf ihrem Blog, dem meistgelesenen Maltas, schonungslos offengelegt und ist damit vielen auf die Füße getreten: Regierungsmitgliedern, dem Oppositionsführer Adrian Delia von der National Party, aber auch Geschäftsleuten, hohen Beamten und Richtern.

Vor dem Anschlag auf die Bloggerin sind in Malta in den vergangenen zwölf Monaten bereits fünf weitere Menschen durch Bomben getötet worden. Angesichts der vielen Feinde, die sich die 53-Jährige mit ihrer Arbeit gemacht hatte, dürfte es schwierig werden, die Täter zu ermitteln. Zur Untersuchung der Tat hat die Regierung die Hilfe von holländischen Bombenexperten und des FBI angefordert. Eine Spur gibt es bisher nicht.

Daphne Caruana Galizia wusste, dass sie gefährlich lebte: Vor 15 Tagen hatte sie sich noch wegen Morddrohungen bei den Behörden gemeldet. Zu ihrem Schutz wurde nichts unternommen. „Wo du auch hinschaust, überall sind Gauner. Die Lage ist hoffnungslos“, schrieb sie am Montag um 14.35 Uhr. Es war der letzte Eintrag in ihren Blog – 25 Minuten später war sie tot.

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