Das Web verbreitet sich rasend schnell

Seite 3 von 3
25 Jahre WWW : Wie Tim Berners-Lee das Web erfand
Revolutionär. Tim Berners-Lee 1994 an seinem Arbeitsplatz im CERN.
Revolutionär. Tim Berners-Lee 1994 an seinem Arbeitsplatz im CERN.Foto: CERN

In den folgenden Monaten versuchen Berners-Lee und sein Kollege Robert Cailliau das Web am CERN bekannter zu machen. Sie halten Vorträge und reden beim Kaffee über das Projekt. Doch das Interesse ist gering. Und Berners-Lee braucht Unterstützung bei der Weiterentwicklung der Software. Er braucht Hilfe von außen.

Am 6. August 1991 veröffentlicht er den Quelltext zu seinen Erfindungen. Er verlinkt seine Webseite in verschiedenen Internetforen, auch in der Gruppe „hypertext.alt“, in der sich Hypertext-Enthusiasten tummeln. Das ist der Wendepunkt.

Plötzlich bekommt er E-Mails aus aller Welt. Menschen schicken ihm Fehlermeldungen und Anregungen für Verbesserungen. Oder sie schreiben: „Hey, ich habe einen neuen Server aufgesetzt, und er ist richtig cool. Hier ist die Adresse.“

"Tim merkte, dass er die Kontrolle über das Web verlieren könnte"

Maria Dimou ist heute beeindruckt davon, dass Berners-Lee schon damals spätere Entwicklungen des Webs vorhersah. Etwa, dass man dort nicht nur lesen können sollte, sondern auch selbst Inhalte kreieren – posten, editieren, kommentieren. Diese Interaktivität kam erst mit dem Web 2.0 in den 2000er Jahren. „Und er nahm an, dass irgendwann auch andere Medien im Internet sein würden. Etwa der Kühlschrank, der erkennt, wann die Eier alle sind und sie auf die Einkaufsliste setzt“, sagt Dimou. Heute sprechen wir vom Internet der Dinge.

Nachdem die Idee in der Welt ist, beteiligen sich immer mehr Menschen an der Weiterentwicklung der Software. „Viel Programmierarbeit passierte nun in den Staaten. Tim merkte, dass er die Kontrolle über das Web verlieren könnte“, erzählt Ben Segal. Als er ein Angebot vom Massachusetts Institute of Technology, dem MIT, bekommt, nimmt Berners-Lee 1994 an. Er wird dort Professor, obwohl er keinen Doktortitel hat. Und er gründet das World Wide Web Consortium (W3C), das von nun an über die Entwicklung des Webs wacht.

Seine Motivation? "Dass es funktioniert"

Die Zahl der Webseiten wächst rasant: 1993 waren es laut statista.com 130, 1997 schon über eine Million. Im Herbst 2014 gab es über eine Milliarde Seiten. All diese Jahre setzte Berners-Lee sich dafür ein, dass das Netz ein dezentraler und neutraler Ort bleibt. Doch die Entwicklung besorgt ihn. 1994 macht der erste kommerzielle Browser von Netscape das Web massentauglich, der Erfinder wird Milliardär. Zwischen 1994 und 1997 kommen Suchmaschinen auf den Markt – Lycos, Yahoo, AltaVista. 1998 folgt Google. 1995 verkauft der spätere Internetgigant Amazon sein erstes Buch. Facebook beginnt seinen Siegeszug 2004. „Wir haben geträumt, dass das Web durch und durch gut sein würde. Aber das war es nicht. Wir hatten ja keine Ahnung, wie viel Geld im Spiel sein würde,“ sagt Segal.

Er erinnert sich, wie Berners-Lee 1994 gefragt wurde, ob er bald reich sein werde – oder was sonst seine Motivation für die Entwicklung des Webs gewesen sei. Berners-Lee sagte: „Dass es funktioniert. Dass Leute es benutzen.“

Zumindest dieses Ziel hat er erreicht.

Autor

10 Kommentare

Neuester Kommentar