Die USA zetteln eine Revolution an

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Entstehung des Panamakanals : Ein Schiff wird kommen
Kanalarbeiten im Jahr 1910.
Kanalarbeiten im Jahr 1910.Foto: ArchivioGBB/laif

Doch es dauert – nach dem Reinfall der Franzosen – bis zum Jahr 1902, ehe ein weiterer Staatsmann einen ernst zu nehmenden Anlauf unternimmt: Theodore Roosevelt, frisch gewählter Präsident der USA, lässt den Franzosen die Bauruinen, Maschinen und Rechte für 40 Millionen Dollar abkaufen. Den Bau will er aus strategischen Gründen. Er möchte die alleinige Seemacht und Kontrolle der Karibik erlangen. Aus dem Vertrag mit dem Königreich England, der eigentlich einen Kanal in Nicaragua vorsieht, kauft er sich deshalb frei.

Roosevelts drängendstes Problem: Panama ist nicht souverän, sondern eine Provinz Kolumbiens. Die Vereinigten Staaten können sich mit dem Land nicht über Bau- und Nutzungsrechte verständigen. Deshalb zetteln sie eine Revolution an, bei der auch US-Soldaten anlanden. Zum ersten Präsidenten der neuen Republik wird Manuel Amador Guerrero gewählt, ein Arzt und Nationalistenführer.

Zu den wichtigsten Vertragspunkten, die am 26. Februar 1904 nach der Unterzeichnung in den USA und in Panama verkündet werden, gehören die Neutralität des Panamakanals, die Gleichheit aller Flaggen in der Benutzung, die Zahlung von zehn Millionen Dollar an Kolumbien, eine Miete der 1474 Quadratkilometer großen Kanalzone für 250 000 Dollar im Jahr sowie der Schutz von Panama gegen Angriffe und die Stationierung von US-Militär in der sogenannten extraterritorialen Kanalzone auf unbestimmte Zeit.

Unter amerikanischer Leitung beginnen die Arbeiten ab 1905 von Neuem. Mit Dynamit und schwerem Gerät wird das Gestein zerlegt und abgeräumt. Energisch geht die Kanalgesellschaft gegen die Ausbreitung der Malaria- und Gelbfiebermücken vor, die im Zuge des medizinischen Fortschritts inzwischen als Überträger der oft tödlich verlaufenden Krankheiten erkannt worden sind: Sümpfe werden zugeschüttet oder trockengelegt, Wasserflächen verölt, Brutstätten abgebrannt. Gleichwohl sterben von 1906 bis 1914, statistisch gesehen, immer noch zwei Menschen täglich. Der Mitteleinsatz der Amerikaner ist immens. Die neuen Herren am Kanal erkennen auch, dass einzig und allein das Transportmittel Eisenbahn in der Lage sein wird, den Aushub beiseitezuschaffen, der durch Aussprengungen der Fahrrinne anfällt. Rund 153 Millionen Kubikmeter Erde werden schließlich über die Jahre hinweg bewegt.

Vor eine der schwierigsten Aufgaben stellen Planer und Arbeiter die sogenannten Culebra-Felsen, sie bilden den höchsten Punkt der Strecke. Am Durchstich, dem Culebra Cut, reißen die Zähne der Bagger ab. Sie müssen durch den Felsen hindurch, um die 82 Meter hohe Wasserscheide zwischen den Ozeanen zu überwinden. „Wenn es um 100 Millionen Kubikmeter in einem einzigen Durchstich von nicht mehr als 14 Kilometer Länge geht, dann stehen wir vor einer Aufgabe, die größer ist als jedes andere Vorhaben in der Geschichte der Technik“, schreibt John Frank Stevens, in den Jahren 1906 bis 1908 Chefingenieur beim Bau des Panamakanals. Immer wieder gibt es Rückschläge. Vor allem in der Regenzeit kommt es zu Erdrutschen. Die Fahrrinne muss 12,5 Meter tief sein, doch von den Seiten rutscht ständig Gesteinsmasse nach. So legt man den Durchstich breiter und weniger steil an – mit der Konsequenz, dass man noch mehr Aushub hat. Dieser wird in Terrassen oberhalb des Cuts abgelegt. Bei längeren Starkregenfällen lösen sich die Terrassen in ihre Bestandteile auf, und die Arbeit auf dem 12,7 Kilometer langen Streckenabschnitt beginnt von Neuem. Mehrfach muss die zentrale Gebirgskette des Isthmus von Panama ausgebaggert werden. Mit dem zutage geförderten Material, zumeist Felsen und Kalkstein, könnten 63 Pyramiden ägyptischer Ausmaße aufgetürmt werden. Im Mai 1913 ist es schließlich geschafft. Die Errichtung der Schleusen – den größten Betonkonstruktionen jener Zeit – markiert den Schlusspunkt der Bauarbeiten.

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