Ein Pool auf dem Dach ist ein Statussymbol

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Infinity Pools : Die Entdeckung der Unendlichkeit
Vom Wasser aufs Meer blicken: Im Jumeirah Vittaveli auf den Malediven ist das kein Widerspruch.
Vom Wasser aufs Meer blicken: Im Jumeirah Vittaveli auf den Malediven ist das kein Widerspruch.Foto: promo

Und das auch noch häufig auf einem Dach! Hunderte Tonnen Wasser, die in der Höhe einen Schwerpunkt bilden. Ohnehin sind die Dächer für die Städter zu auf Knopfdruck erreichbaren Naherholungsgebieten geworden: Für Mansardenwohnungen mit ihrer weiten Aussicht werden die höchsten Preise gezahlt. Die begrünten Penthouseterrassen, die hoch gelegenen Gärten und Bars haben sich zu den Almen der Städte entwickelt, es sind dem Gewusel enthobene Ruhepole mit Blick bis zum Horizont.

Wenn die Dächer die Almen sind, sind die Pools darauf die künstlichen Bergseen. Umstanden von kleinen Herden von Liegestühlen, die kaum Arbeit machen.

Abgesehen davon, dass ein solcher Pool auf dem Dach natürlich ein Statussymbol ist. Und der Infinity Pool ist eine Chiffre unter den internationalen Statussymbolen. Er hatte seinen festen Platz neben dem Tennisplatz und der Kiesauffahrt. Doch spätestens seit Instagram hat der Infinity Pool den Tennisplatz überholt.

Früher hieß es „fotogen“. Inzwischen sind Dinge „instagrammable“. Der Unterschied besteht darin, dass man für Letzteres eigentlich nicht fotografieren können muss, um ein bewundertes Bild herzustellen. Die Essenskultur wurde durch die neue Gewohnheit, dass jeder erst einmal seinen Teller fotografiert und postet, längst verändert. „Food-Porn“ hat dazu geführt, dass Restaurants ihre Gerichte auf die Optik ausrichten. Eintöpfe zum Beispiel oder lange geschmorte, großartige Gulasch-Gerichte kommen in dieser Welt kaum mehr vor, weil sie eher braun-meliert aussehen.

Einfach die Kamera gerade halten

Jetzt ist das Reisen dran. Da ist der Infinity Pool fast schon eine Garantie für ein Leben auf Instagram. Hotels wissen, dass sie Pool-Porn bieten müssen. Ein Teil der magischen Wirkung ist natürlich die Tatsache, dass diese Pools so gebaut sind, dass auch absolute Laien ein beeindruckendes Foto hinbekommen: Einfach die Kamera gerade halten, so dass die Horizontlinie wirklich quer durchs Bild verläuft. Geschenkt, dass die Fotos fast alle gleich aussehen.

Trotzdem wäre natürlich der Erfolg nicht so groß, wenn nicht auch dieses besondere Stück Natur-Möblierung den Wunschvorstellungen, den Idealen unserer Zeit entspräche: Er ist ästhetisch beeindruckend und sieht gleichzeitig extrem reduziert aus. Der Blick richtet sich auf etwas Höheres, das unverkäuflich ist.

Damit ist der Infinity Pool das Gegenteil des blubbernden Whirlpools, dem Statussymbol der 1980er Jahre, in dem für immer ein haariger Russe sitzt. Oder wahlweise die Mannschaften der amerikanischen Vorabendserien im deutschen Fernsehen. Lee Majors, der titelgebende „Colt für alle Fälle“, entspannt nach den nervenzehrenden Verfolgungsjagden im schäumenden Blubberwasser.

Der Whirlpool ist Nähe, der Infinity Pool ist Weite

Der Whirlpool, Hot tub oder Jacuzzi war mit seiner leicht vulgären Anmutung das Wunschobjekt der 80er Jahre. Immobilien verkauften sich mit einem Jacuzzi besonders gut. Hotels warben mit ihnen. Man schaute nicht deshalb hin, weil der Pool so toll aussah, sondern weil die Insassen kaum etwas am Leibe trugen.

Und während das Wasser warm und unkontrolliert kabbelte, ließ sich der Gedanke an diejenigen Organismen, für die es der ideale Nährboden war, nie vollständig vertreiben. Es ist noch niemandem gelungen, ein attraktives Whirlpool-Foto auf Instagram einzustellen.

Der Whirlpool ist Nähe, der Infinity Pool ist Weite. Weite hat Konjunktur, ist Klarheit, ist Transzendenz. Das passt zu Yoga und Meditation, das strahlt Klasse und Weltläufigkeit aus, Kontrolle und Reduktion.

Am schönsten ist er mit einer spiegelglatten, von Schwimmern unberührten Wasseroberfläche. Möglich, dass ein solcher Pool beheizt ist, aber er sieht immer wunderbar eiskalt aus. Und wie er aussieht, ist eben alles, was zählt.

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