Berliner Start-Up Honeypot : Xing kauft Jobportal für bis zu 57 Millionen Euro

Das Start-up Honeypot dreht den Bewerbungsprozess um: Hier müssen sich Firmen bei Fachkräften bewerben. Nun wird das Jobportal von Xing übernommen.

Das Hamburger Unternehmen Xing will sich in der zweiten Jahreshälfte in New Work SE umbenennen.
Das Hamburger Unternehmen Xing will sich in der zweiten Jahreshälfte in New Work SE umbenennen.Foto: picture alliance / dpa

2015 haben Kaya Taner und Emma Tracey in Berlin das Start-up Honeypot gegründet – rund vier Jahre später haben sie ausgesorgt. Das Karrierenetzwerk Xing übernimmt Honeypot für zunächst 22 Millionen Euro. Erfolgsabhängig kommen nach drei Jahren weitere 35 Millionen hinzu. Beide Gründer bleiben dabei operativ im Geschäft. Was ist Honeypot und was macht es für Xing so wertvoll?

Das Start-up ist ein Stellenportal, speziell für IT-Fachkräfte. Es bezeichnet sich selbst als "größte deutschsprachige Jobplattform für Tech-Rollen". Das Besondere: Honeypot dreht den Bewerbungsprozess um. Unternehmen bewerben sich bei IT-Talenten und nicht umgekehrt. Zudem bietet das Start-Up den Arbeitssuchenden Beratung und gibt Tipps zum Lebenslauf und Informationen zum branchenüblichen Lohnniveau. Nach Unternehmensangaben sind derzeit rund 100.000 Personen auf Honeypot registriert, wöchentlich kämen 1000 hinzu.

Die Honeypot-Gründer Kaya Taner und Emma Tracey.
Die Honeypot-Gründer Kaya Taner und Emma Tracey.Foto: Honeypot

Für den Bewerber ist die Listung auf Honeypot kostenlos. Die Unternehmen hingegen zahlen bei Einstellung 15 Prozent Kommission auf das Jahresgehalt. Sollte der Arbeitnehmer die Firma innerhalb der ersten drei Monate wieder verlassen, erhält der Arbeitgeber den Betrag rückerstattet. 20.000 Firmen sind bei Honeypot registriert und suchen auf diesem Weg nach neuen Mitarbeitern. Dazu gehören etwa Zeiss, Engel & Völkers, Zalando und ProSiebenSat1.

Der Erfolg von Honeypot macht einmal mehr den eklatanten Fachkräftemangel, besonders im technischen Bereich, deutlich. Laut einer Studie des Branchenverbandes Bitcom blieben im vergangenen Jahr 82.000 Stellen im IT-Bereich unbesetzt, Tendenz steigend.

Mit der Übernahme durch Xing will das Start-up nun auch international präsenter werden. "So kann Honeypot den heimischen Markt weiter entwickeln und zeitgleich seine internationale Community weiter ausbauen", bewertet Gründer Kaya Taner den Deal. Im Fokus steht zunächst der deutschsprachige Raum.

Für Xing, das sich selbst als größtes soziales Netzwerk im Internet für Karriere-Themen sieht, stellt das Geschäft die größte Übernahme der Unternehmensgeschichte dar. Das 2003 in Hamburg gegründete Netzwerk hat rund 15 Millionen Mitglieder. Inzwischen ist das Unternehmen Xing allerdings mehr als ein Netzwerk. Mit Tochterunternehmen und Marken wie kununu oder HalloFreelancer will man das Thema "New Work", also neue Wege in der Arbeitswelt, allumfassend abdecken. Passend dazu ist für die zweite Jahreshälfte eine Umbenennung in New Work SE geplant.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

1 Kommentar

Neuester Kommentar