Bio-Kette Naturkind : Mit einem neuen Konzept will Edeka „die bioüberzeugten Kunden mitnehmen“

Am Donnerstag hat Edekas Bio-Supermarktkette Naturkind eröffnet. Die Branche boomt, doch Rewe ist mit einem ähnlichen Konzept gescheitert.

So sieht der Naturkind-Supermarkt in Hamburg-Altona aus.
So sieht der Naturkind-Supermarkt in Hamburg-Altona aus.Foto: Naturkind

Edeka steigt ins Bio-Geschäft ein. Unter dem Namen Naturkind hat die größte deutsche Supermarktkette am Donnerstag zwei Bio-Fachmärkte eröffnet; einen in Hamburg, einen im bayerischen Dinkelsbühl. „Viele Bio-interessierte Verbraucher kaufen gezielt im Fachmarkt ein. Daher sind wir überzeugt, dass Naturkind einen neuen Kundenstamm erreichen kann“, sagte der Geschäftsführer von Edeka Nord, Stefan Giese. Beide Geschäfte werden von selbstständigen Kaufleuten geführt. Mittelfristig sind 30 Naturkind-Märkte denkbar, heißt es von Edeka. Ob auch Filialen in Berlin geplant sind, wollte Edeka auf Nachfrage nicht mitteilen.

Mit 420 beziehungsweise 500 Quadratmetern sind die Läden deutlich kleiner als normale Supermärkte, die meist weit mehr als 1000 Quadratmeter beanspruchen. Die Hamburger Filiale führt rund 7000 Artikel und ist damit ein neuer Konkurrent für reine Bio-Ketten wie Denn’s oder Alnatura.

Auch eine "Unverpackt-Station", an der Kunden Lebensmittel ohne Verpackung in selbst mitgebrachte Behälter füllen können, befindet sich in dem Geschäft. Mit viel Holz-Optik und einem großen Angebot frischer Lebensmittel will das Konzept punkten. Ziel sei es, die „bioüberzeugten Kunden mitzunehmen“, wie Edeka-Vorstand Claas Meineke der „Lebensmittelzeitung“ sagte.

Tatsächlich ist Bio für den Lebensmitteleinzelhandel aber auch schlicht ein boomendes Geschäft. Nach Unternehmensangaben wächst der Bio-Markt schneller als das Gesamtgeschäft. Auch Edeka selbst baut sein Bio-Sortiment aus. Nach Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hatte die Supermarktkette 2018 einen Bio-Anteil von 11 Prozent. Im selben Jahr gaben deutsche Verbraucher insgesamt 10,9 Milliarden Euro für Bio-Lebensmittel aus; mehr als in jedem anderen EU-Land. Selbst bei Discountern gehört Bio inzwischen zum Programm. So hat Lidl Fleisch des Ökoverbands Bioland gelistet und auch nahezu alle Molkereiprodukte seiner Bio-Eigenmarke mit dem Bioland-Siegel versehen.

Ein Beispiel trübt die Erfolgsgeschichte allerdings. Konkurrent Rewe ist mit seiner eigenen Bio-Kette erst vor knapp zwei Jahren gescheitert. Die Supermarktkette stampfte die Marke „Temma“, die es insgesamt neun Mal in Deutschland und auch in Berlin etwa im Quartier 205 in der Friedrichstraße gab, ein. Schlechte Standorte und ein schwaches Konzept waren der Grund, heißt es in der Branche.

Naturkind und Budni als neue Standbeine

Schon Anfang des Jahres zeigten sich Edeka-Kaufleute bei Branchentreffen aber sicher, ein besseres Bio-Konzept auf die Beine stellen zu können als Rewe. Einzelne Händler betreiben zudem bereits Bio-Fachmärkte, ohne dass das von Edeka zentral geplant ist.

Mit Naturkind erweitert Edeka sein Geschäft binnen kurzer Zeit um ein weiteres Format. Erst im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen eine strategische Allianz mit der Drogeriemarkt-Kette Budni geschlossen. Unter der Hamburger Traditionsmarke ist Edeka seitdem mit eigenen Läden ins Drogerie-Segment eingestiegen. Auch in Berlin hat Budni dank der Schützenhilfe von Edeka mittlerweile zwei Filialen eröffnet.

Der Name Naturkind könnte Kunden indes bekannt vorkommen. Zwar ist das Design erneuert worden, doch der Name geht zurück auf die Bio-Eigenmarke von Kaisers’s-Tengelmann. Sie ging im Zuge der Übernahme vor drei Jahren an Edeka.

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