Dax-Abschied der Lufthansa : Der Börsenabstieg schmerzt – doch die Anleger glauben an die Zukunft

Die Coronakrise beendet die Börsengeschichte der Lufthansa. Chef Spohr will sie nun kleiner und fitter machen – bereit für die Zukunft. Ein Kommentar.

Stillgelegte Passagiermaschine der Lufthansa auf dem Vorfeld des Flughafens Frankfurt/Main
Stillgelegte Passagiermaschine der Lufthansa auf dem Vorfeld des Flughafens Frankfurt/MainFoto: dpa/Boris Roessler

Als 1988 der Deutsche Aktienindex mit den größten und wertvollsten Unternehmen gebildet wurde, war die Deutsche Lufthansa selbstverständlich dabei. Obgleich damals noch der Staat beteiligt war, und die Airline erst zehn Jahre später komplett privatisiert wurde. 

Diese Börsengeschichte ist jetzt abgeschlossen, die Lufthansa steigt ab in den Nebenwerte M-Dax und wird im Dax ersetzt von der Deutsche Wohnen - ein Immobilienkonzern, dem die Coronakrise bislang nicht geschadet hat. Die Lufthansa dagegen hat binnen weniger Wochen fast das komplette Geschäft verloren und war vor allem damit beschäftigt, Parkplätze für 700 Flugzeuge zu finden. 

Der Aktienkurs ist abgestürzt, der Börsenwert zwischenzeitlich auf ein paar Milliarden Euro geschmolzen, und in der Konsequenz verliert das Unternehmen seinen Dax-Platz. So ist das Geschäft am Kapitalmarkt.

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Commerzbank und Thyssen-Krupp auch im M-Dax

Corona ist die Ursache - und nicht Zockereien in der Branche, die 2018 zum Abstieg der Commerzbank führte, oder Managementversagen wie bei Thyssen-Krupp; der einst stolze Ruhrkonzern musste im Herbst letzten Jahres in den M-Dax. Die Lufthansa dagegen hat sich prima gehalten in den vergangenen Jahren zwischen den mit Ölmilliarden geschmierten Airlines vom Golf und den teilweise mit schäbigsten Arbeitsbedingungen angreifenden Billigfliegern von der britischen Insel. 

Der junge Konzernchef Carsten Spohr bewältigte den schrecklichen Germanwings-Absturz vor gut fünf Jahren anständig, und Spohr scheute auch nicht die zähen Konflikt mit den verwöhnten Piloten der VC Cockpit und der bisweilen durchgeknallten Flugbegleitergewerkschaft Ufo. 

Das ist alles Geschichte und spielt keine Rolle mehr in diesen Coronawochen. Ohne die staatlichen Hilfen würde die Lufthansa die kommenden zwei Monate nicht überleben.

Carsten Spohr, Vorstandschef der Deutschen Lufthansa.
Carsten Spohr, Vorstandschef der Deutschen Lufthansa.Foto: AFP

Staatshilfen schnell zurückzahlen

Schneller, kleiner und fitter möchte Spohr die Airline in den kommenden drei Jahren machen und dazu die Staatsgelder zurückzahlen, denn die Zinsen dafür steigen Jahr für Jahr. Die Marke Germanwings verschwindet und geht in Eurowings auf, der Konzern insgesamt will dauerhaft 100 Flugzeuge aus dem Verkehr nehmen. 

Weil in absehbarer Zeit nicht mehr so viel geflogen wird wie vor Corona. Der Börsenabstieg tut weh und ist schlecht fürs Image. Doch die Anleger haben das erwartet - und trotzdem ist der Kurs der Lufthansa in den vergangenen zwei Wochen um ein Viertel gestiegen. Weil an die Zukunft geglaubt wird. Und die gibt es auch im M-Dax.

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