dm-Logistikzentrum : 100 Millionen Euro für 200 Jobs

Die Drogeriemarktkette dm legt den Grundstein für ein riesiges Logistikzentrum im Havelland.

Männer, die auf Steine schauen: Noch steht auf dem Gelände des künftigen Warenverteilzentrums in Wustermark außer dem Stein nichts. Aber das soll sich schnell ändern. In zwei Jahren soll die Brache bebaut sein.
Männer, die auf Steine schauen: Noch steht auf dem Gelände des künftigen Warenverteilzentrums in Wustermark außer dem Stein...Foto: Kevin P. Hoffmann

Matsch, Lehm, Torf und Pfützen, die groß genug sind, um ein Einfamilienhaus darin zu verstecken. Noch ist diese aufgewühlte Brache in der Gemeinde Wustermark, gut 30 Kilometer westlich des Brandenburger Tors, ein unwirtlicher Ort – 22 Fußballfelder groß. Seit Freitagnachmittag aber steht dort, nahe der eigens umverlegten Straße, immerhin auch ein gemauerter Grundstein: An dieser Stelle, wo die Bundesstraße B5 den westlichen Berliner Ring kreuzt, investiert die Drogeriemarktkette dm innerhalb von drei Jahren rund 100 Millionen Euro in ihr bundesweit drittes Warenverteilzentrum. Bisher wurden die rund 1900 Märkte in Deutschland aus den Zentren in NRW und Baden-Württemberg beliefert. Im ersten Quartal 2020, in zwei Jahren also, soll das Warenlager Wustermark den Betrieb aufnehmen – und von hier aus die Filialen in Nord- und Ostdeutschland versorgen, erklärt Christian Bodi, der in der dm-Geschäftsführung die Logistik verantwortet. Insgesamt betreibt dm 3450 Märkte in zwölf Ländern Mittel- und Osteuropas und setzt mit insgesamt fast 40 000 Mitarbeitern 7,9 Milliarden Euro im Jahr um.

Götz Werner erstmals bei Grundsteinlegung

Zur Überraschung der meisten der rund 50 Gäste kam dm-Gründer Götz Werner persönlich zu der kleinen Feierstunde. Erstmals überhaupt habe er an einer Grundsteinlegung teilgenommen, hieß es. Der 74-Jährige, der unter anderem wegen seiner Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde, erklärte, warum es ihm nicht darum gehe, in Zeiten von Digitalisierung 4.0 einen Betrieb mit dem höchstmöglichen Automatisierungsgrad aufzubauen. „Der Mensch ist nicht für die Wirtschaft da, die Wirtschaft ist für den Menschen da.“ Jeder seiner fünf Töchter habe er immer erklärt, dass der Mensch „nie Mittel zum Zweck“ sein dürfe, sagte Werner. „Wenn du den Eindruck hast, du bist nur Mittel zum Zweck, dann nichts wie weg!“, habe er ihnen stets geraten. Mit Blick auf sein Unternehmen und die neuen Angestellten, die das Warenlager betreuen sollen, sagte er: Es müsse auch für Lkw-Fahrer einen Unterschied machen, „ob sie für dm arbeiten oder für die Firma XYZ“.

Elf Millionen Euro Fördergeld

Gleichwohl ist das Verhältnis von Investitionssumme und Jobs, die hier geschaffen werden, Ausdruck der digitalisierten Logistikwelt. Sieben Kommissionsroboter sollen bis zu 200 000 Pakete für die Filialen pro Tag zusammenstellen. Jede Maschine packt also fast 1200 Pakete pro Stunde in dem mehr als 30 Meter hohen Lagerhaus, also fast 20 in der Minute. Für die letzten Handgriffe und die Verwaltung braucht es dann nur noch rund 200 Angestellte aus Fleisch und Blut. 100 Millionen Euro investiert, „nur“ 200 Jobs geschaffen: Für Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) ist das gleichwohl eine „sehr wichtige Ansiedlung“, die das Land über seine Förderagentur ZAB und die Investitionsbank nach Kräften und mit rund elf Millionen Euro Fördergeld unterstützt hat. „Besonders wichtig finde ich auch, dass dm einen ausgezeichneten Ruf als Arbeitgeber hat“, sagte er dem Tagesspiegel. Das Unternehmen zahle Tarif und provoziere – anders als Amazon – nicht regelmäßige Streiks in der Belegschaft.

Wustermark wird Logistikstandort

Holger Schreiber, parteiloser Bürgermeister der Gemeinde, erklärte, es sei „ein guter Kaufpreis“ für das Grundstück geflossen, der seiner Gemeinde helfen werde, „die nötigen Zukunftsausgaben“ zu bewältigen. Das war tiefgestapelt. Wustermark vermarktet sich zunehmend erfolgreich als Logistikstandort zwischen Berlin, Hamburg und Hannover. Während der Feierstunde brausten zwei große Lkw des dm-Konkurrenten Rossmann die neu geteerte Straße entlang. Der hat in der Nähe ein Zentrum. Ein Rangierbahnhof und ein vor zehn Jahren sanierter Binnenhafen machen Wustermark zu einer großen Warendrehscheibe westlich von Berlin. Zudem lockt die Gemeinde schon seit Jahren Berliner mit dem „Factory Outlet Center“ zum Kaufen in die Gemeinde. Zwei Jahre noch wird die Baufirma Schielicke aus dem nahen Beelitz den heute noch matschigen Boden im Havelland für dm umwühlen. In der Kapsel, die Götz Werner und seine Leute nun in dem Grundstein vermauert haben, liegt unter anderem ein Duschgel der dm-Marke Balea – und etwas zu lesen: eine gedruckte Ausgabe des Tagesspiegels von Freitag.

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