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Einkommensverteilung : Der Wohlstand stagniert seit 20 Jahren

Studie des gewerkschaftlichen IMK: Wirtschaft wächst deutlich schneller als der allgemeine Wohlstand

Die Höhe der realen Arbeitseinkommen ist mitentscheidend für das Niveau des Wohlstands.
Die Höhe der realen Arbeitseinkommen ist mitentscheidend für das Niveau des Wohlstands.Foto: epd

Die deutsche Wirtschaft ist zwischen 1991 und 2016 um 40 Prozent gestiegen. Weit hinter diesem Wert zurück bleibt der Wohlstand mit plus 6,4 Prozent. „Das gesamtwirtschaftliche Wohlfahrtsniveau befand sich Ende 2016 nur auf dem gleichen Stand wie Mitte der 1990er Jahre“, heißt es in einer Analyse, die das gewerkschaftliche IMK Institut anfertigen ließ. Hauptgrund für das relativ schwache Abschneiden bei der Wohlfahrtsentwicklung sei der „deutliche Anstieg der Einkommensungleichheit vor allen in den 2000 Jahren“. Damals stagnierten die Reallöhne, während Kapital- und Unternehmenseinkommen stark zunahmen. In jüngster Zeit hat sich das verändert, weil die Arbeitseinkommen erheblich stärker anzogen als die Inflation.

Inzwischen geht es gerechter zu

„Die Erträge des aktuellen wirtschaftlichen Wachstums sind etwas gerechter verteilt als vor einem oder anderthalb Jahrzehnten“, kommentierte IMK-Chef Gustav Horn die Ergebnisse der Studie des Heidelberger Instituts für interdisziplinäre Forschung. Alles in allem habe „dieses reiche Land noch erheblichen Nachholbedarf in Sachen sozialer sowie ökologischer Nachhaltigkeit“.
Der „Nationale Wohlfahrtsindex“ berücksichtigt einen breiten Kreis an Komponenten zur Ermittlung der Wirtschaftsentwicklung: Die Verteilung der Einkommen und ihre Auswirkung auf den privaten Konsum wird hier ebenso berücksichtigt wie Ressourcenverbrauch und überhaupt Umweltbelastungen. Darüber hinaus erfasst der Wohlfahrtsindex unter anderem auch die Wertschöpfung durch Hausarbeit und Ehrenamt sowie einen Teil der öffentlichen Ausgaben für Gesundheit und Bildung, da diese als „wohlfahrtsstiftend“ gelten.

Umweltverschmutzung und Unfälle werden berücksichtigt

Abgezogen vom Indexwert werden unter anderem Aufwendungen zur Kompensation von Umweltbelastungen, Lärmbelästigung, Treibhausgase sowie Kosten, die durch Kriminalität und Verkehrsunfälle entstehen. Steigende Einkommensungleichheit führt deshalb zu einem Abzug, weil Menschen mit geringen Einkommen einen höheren „Grenznutzen des Konsums“ haben: Wer weniger Geld zur Verfügung hat, gibt von jedem zusätzlichen Euro mehr aus als Wohlhabende, „die ihre Bedürfnisse schon weitaus besser decken konnten“. Ungleichheit wirkt sich also auch ökonomisch negativ aus. Der Sozialwissenschaftler Hans Diefenbacher teilt die Wohlfahrtsentwicklung seit 1991 in Phasen ein: In den 90er Jahren ging es aufwärts, die Konsumausgaben nach der Vereinigung stiegen, die Umweltverschmutzung ging zurück. Anfang der 2000er Jahr erhöhte sich die Arbeitslosigkeit und stagnierten die Löhne, in den vergangenen drei Jahren wurde dann vor allem aufgrund höherer Einkommen (gesetzlicher Mindestlohn) eine leichte Trendwende erreicht.

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