Essenslieferdienste : Deliveroo gibt in zehn deutschen Städten auf

Die Fahrradkuriere von Deliveroo verschwinden aus Städten wie Dresden, Stuttgart oder Dortmund. Profitiert Konkurrent Foodora?

Auf dem Rückzug: Mitarbeiter vor der Zentrale von Deliveroo in Kreuzberg
Auf dem Rückzug: Mitarbeiter vor der Zentrale von Deliveroo in KreuzbergFoto: Mike Wolff

Es ist gerade einmal ein Jahr her, dass Deliveroo sein Geschäft in Deutschland massiv ausbaute. Der britische Essenslieferdienst expandierte damals nach Bonn, Dresden, Leipzig, Mainz oder Stuttgart. Damit konnten Nutzer in insgesamt 15 Städten Essen von Restaurants bestellen, die sonst keinen eigenen Lieferservice anbieten. Doch nun die Rolle rückwärts: Deliveroo teilte seinen Fahrern mit, dass in zehn Städten die Aktivitäten eingestellt werden.

"Deliveroo konzentriert sich ab 15.9.2018 auf die Städte, in denen wir schnell expandieren", erklärt ein Unternehmenssprecher. Übrig bleiben Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt/Main. Dort will das Unternehmen jedoch seine Aktivitäten ausbauen. "Deliveroo zieht sich in mehreren Städten zurück, da wir uns auf unsere Expansion konzentrieren", sagt das Unternehmen. Man hoffe, in naher Zukunft in die anderen Städte zurückzukehren.

Foodora will Fahrer übernehmen

Der zu Delivery Hero gehörende Berliner Konkurrent Foodora könnte vom Rückzug profitieren. „Wir rechnen mit einem Bestellzuwachs“, sagt ein Sprecher. Zudem wolle man versuchen, Deliveroo-Fahrer zu übernehmen. Auch Foodora hatte seine Aktivitäten stark erweitert und ist jetzt in 34 deutschen Städten aktiv. Das Wachstum sei „konstant und zufriedenstellend“, erklärt Foodora, neue Städte seien nicht geplant. Allerdings werden lokal die Ausliefergebiete erweitert, beispielsweise in Berlin Lankwitz oder dem Münchener Norden und Osten.

Allerdings ist das Geschäft mit den eigenen Fahrradkurieren deutlich schwieriger, als die reine Vermittlung von Lieferdiensten der Restaurants, wie sie Lieferheld oder Lieferando machen. Der Großteil der Bestellungen erfolgt in den Stoßzeiten mittags und abends, trotzdem müssen Kurierflotten beschäftigt werden. Um die Arbeitsbedingungen gibt es daher immer wieder Streit, mehrfach sorgten die Fahrradboten mit Streiks für Aufsehen.

Streit um Arbeitsbedingungen: Foodora verlässt Australien

Auch in anderen Ländern ist das ein großes Thema. So hatte in Australien im Juni der Fair Work Ombudsman Foodora als Vertreter von drei Angestellten verklagt. Der Regierungsbeauftragte wirft dem Unternehmen vor, australische Gesetze missachtet zu haben, weil es diese drei als Scheinselbständige beschäftigt habe. Sie seien de facto Arbeitnehmer und als solche unterbezahlt. Das Verfahren soll laut dem Fair Work Ombudsman ein Test dafür sein, ob sich Rechte für Beschäftigte der sogenannten Gig Economy durchsetzen lassen. Unternehmen der Gig Economy vergeben kurzfristig kleine Aufträge an unabhängige Freiberufler.

Foodora kündigte daraufhin den Rückzug aus Australien bis Ende August an. Man wolle sich auf andere Märkte konzentrieren, wo es "bessere Chancen auf Wachstum" gebe. mit AFP

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