Handwerkspräsident Wollseifer : „Die Meisterpflicht hilft gegen den Fachkräftemangel“

Dem Handwerk fehlen tausende Fachkräfte. Handwerkspräsident Wollseifer setzt auf die Meisterpflicht – so können wieder mehr Betriebe ausbilden.

Im Herbst konnten 17.000 Ausbildungsplätze nicht besetzt werden, sagt Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer.
Im Herbst konnten 17.000 Ausbildungsplätze nicht besetzt werden, sagt Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer.Foto: dpa

Hans Peter Wollseifer, Präsident des deutschen Handwerks, erwartet durch die Wiedereinführung der Meisterpflicht eine Entspannung auf dem Arbeitsmarkt. „In ein paar Jahren sollten wir wieder deutlich mehr Fachkräfte als heute haben“, sagte Wollseifer dem Tagesspiegel (Montagausgabe).

„Wenn künftig wieder mehr die Meisterprüfung machen, dann haben wir auch wieder mehr Ausbilder. Damit ist dann auch wieder mehr Ausbildung möglich und in der Folge gibt es mehr Fachkräfte, die eingesetzt werden können. Da sollten sich dann eigentlich nach Adam Riese die Wartezeiten auf Handwerker verkürzen“, sagte der Handwerkspräsident. Mit der Wiedereinführung der Meisterpflicht zu Beginn des Jahres „haben wir ein Stück Handwerksgeschichte geschrieben“.

 Im deutschen Handwerk fehlen derzeit rund 250.000 Fachkräfte und im letzten Herbst konnten 17.000 Ausbildungsplätze auch deshalb nicht besetzt werden, weil es weniger Flüchtlinge gibt. „Von den rund 365.000 Azubis im Handwerk sind derzeit rund 20.000 geflüchtete Menschen“, sagte Wollseifer.  „Damit lernt gut die Hälfte aller Azubis, die als Geflüchtete nach Deutschland kamen, bei uns im Handwerk einen neuen Beruf.“

 Auf Grundlage des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes, das im März in Kraft tritt, verspricht sich der Handwerkspräsident vor allem einen Zuzug aus Vietnam, wo es sehr viele junge Leute geben. „2019 waren 264 Berufsschullehrer aus Vietnam zur Weiterbildung in Deutschland. In Vietnam hat im vergangenen November an 45 Berufsschulen in 66 Klassen die duale Ausbildung nach deutschem Vorbild begonnen“, sagte Wollseifer dem Tagesspiegel. „Vietnamesen könnten einen Beitrag leisten, damit Kunden hierzulande nicht mehr zwei Monate auf einen Handwerker warten müssen.“

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