Hannover Messe : Leistungsschau der Digitalisierung

Roboter und lernende Maschinen werden auf der Hannover Messe gezeigt. Die Veranstaltung hat der Cebit den Rang abgelaufen.

Tischtennisspieler Dimitrij Ovtcharov spielt bei der Hannover Messe am Stand von Omron gegen einen Roboter.
Tischtennisspieler Dimitrij Ovtcharov spielt bei der Hannover Messe am Stand von Omron gegen einen Roboter.Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Zuletzt besiegten Maschinen den Menschen im Bereich des Geistes: Die besten Go-Spieler der Welt hatten gegen die Algorithmen der Google-Tochter Deepmind keine Chance. In Hannover wird nun vorgeführt, welche Fortschritte sie auch im Bereich der Geschicklichkeit machen. Der Roboter Forpheus des japanischen Unternehmens Omron misst sich mit dem deutschen Tischtennisprofi Dimitrij Ovtcharov, derzeit die Nummer Drei der Welt. Forpheus ist etwa drei Meter groß, hat eine piepsige Frauenstimme und spielt Tischtennis fast so gut wie ein Profi. Mit zwei Kameras analysiert der Roboter die Bewegungen seines Gegners, sieht mit 80 Berechnungen pro Sekunde voraus, wo der Tischtennisball landen wird und spielt dann entsprechend. „Gut gemacht“, lobt die Maschine den Profi in einer hohen Stimme, die an einen Charakter aus einem Anime-Film erinnert. „Das macht richtig Spaß.“ Der Roboter kann Menschen das Tischtennis beibringen - für den Profi wirft er mit seinem metallenen Arm scharfe Bälle, für einen Amateur spielt er einfachere Bälle. Schmettert der Profi den Ball allerdings mit speziellen Tricks, gibt dem Ball einen Drall, kann der Roboter nicht mithalten.

Merkel fordert Aufholjagd bei Künstlichen Intelligenz

Die am Montag beginnende Hannover Messe versteht sich als Schaufenster dessen, was in der Industrie von morgen machbar ist. Roboter, selbst lernende Maschinen und der Einzug der Künstlichen Intelligenz in die Fabriken gehören zu den dominierenden Themen. Im Bereich der Künstlichen Intelligenz hat Bundeskanzlerin Angela Merkel hat eine Aufholjagd Deutschlands i gefordert. "Deutschland steht bezüglich der Gestaltung der Industrie 4.0 recht gut da", sagte Merkel mit Blick auf die Digitalisierung der Industrieproduktion. "Allerdings müssen wir sehen, dass gerade im Bereich der Künstlichen Intelligenz andere sehr extrem investieren", sagte die Kanzlerin. "Deshalb müssen wir hier sehen, dass wir aufholen, nachholen, wo wir nicht Weltspitze sind." Die Industrie leiste allerdings dabei einen "sehr guten Beitrag". Hintergrund sind sehr hohe Ausgaben für Forschung in diesem Bereich in den USA und China.

„Der Mensch steht im Mittelpunkt und wird in der Fabrik weiter zentrale Aufgaben übernehmen, aber er hat eine Vielzahl von Assistenzsystemen“, sagt Messe-Chef Jochen Köckler. Er nennt Datenbrillen, „aber auch bei Exoskeletten werden wir interessante Trends sehen. Harte und auch eintönige Arbeit gehört damit immer mehr der Vergangenheit an“. Auch Roboter würden zu einem flexiblen, vom Menschen eingesetzten Werkzeug. „In der Vergangenheit standen Roboter in den Produktionsstraßen, jetzt werden sie Assistenten des Menschen.“ Die Fabrik der Zukunft sei eine mitdenkende Fabrik mit dem Menschen im Mittelpunkt. Die Messe soll Orientierung geben und stößt auf wachsendes Interesse im Ausland: Rund 60 Prozent der Aussteller kommen mittlerweile von dort.

Hannover Messe stellt Cebit in den Schatten

Während die Computermesse Cebit unter einem Bedeutungsschwund leidet und in diesem Jahr in den Juni verlegt wurde, um einen Neuanfang zu probieren, wächst die Hannover Messe von Jahr zu Jahr. Etwa 5000 Aussteller aus 75 Ländern belegen diesmal acht Prozent mehr Fläche als im Vergleichsjahr 2016. An den fünf Messetagen werden 200 000 Besucher erwartet. Die Messe habe sich enorm verändert und sei inzwischen einer der weltweit wichtigsten Treffpunkte für die digitale Transformation der Industrie, sagte Sabine Bendiek, Chefin von Microsoft Deutschland. „Sie ist zu einem globalen Schaufenster der Digitalisierung geworden“, betont Bendiek. Zu den Schwerpunkten der weltgrößten Leistungsschau der Industrie gehört neben selbstständigem Maschinenlernen durch künstliche Intelligenz auch die Vorbereitung der Stromnetze auf die E-Mobilität. „Wir sind inmitten von zwei großen Veränderungen: der industriellen Revolution und der Energie-Revolution“, sagte ABB-Konzernvorstand Sami Atiya.

Der Konzern präsentiert unter anderem einen elektrischen Formel-E-Rennwagen. Elf Rennen seien weltweit in Städten geplant – darunter am 19. Mai in Berlin. Eine ebenfalls präsentierte neue E-Auto-Ladesäule soll ein Auto mit 300 Kilometern Reichweite innerhalb von nur zwölf Minuten aufladen können. Die Industrie müsse zudem Schritt halten mit der Entwicklung in der Robotik, mahnte Atiya. China lege dabei vor: „40 Prozent aller verkauften Roboter – so die Prognose – werden 2020 nach China gehen.“ Roboter seien Assistenz, keine Konkurrenz, sagt auch Atiya. Viele Mittelständler könnten sich zudem keine Heerscharen von Ingenieuren leisten und setzten daher verstärkt auf Vereinfachung.

Mexiko ist der weltgrößte Exporteur von Flachbildfernsehern

Zu den wichtigsten Ausstellerländern gehören neben China und Italien das diesjährige Partnerland Mexiko. Insgesamt sind aus Mexiko 160 Aussteller angemeldet. „Wir wollen das neue Gesicht Mexikos zeigen, das moderne Mexiko“, sagt Wirtschaftsstaatssekretär José Rogelio Garza Garza. Bereits jetzt ist Mexiko der weltgrößte Exporteur von Flachbildfernsehern – bei Computern, Mikrofonen, Lautsprechern und Kopfhörern liegt es an vierter Stelle. Im vergangenen Jahr kauften die Amerikaner Flachbildschirme im Wert von 6,5 Milliarden US-Dollar (5,25 Milliarden Euro) aus Mexiko. Der Handelsstreit zwischen den USA und China könnte das noch befeuern. „Die mexikanischen Firmen könnten einen weiteren Schub erhalten, wenn die Produkte der chinesischen Konkurrenz potenziell 25 Prozent teurer werden“, sagt Caitlin Webber von Bloomberg Intelligence. Auch die Autobranche boomt. 2017 liefen fast vier Millionen Fahrzeuge vom Band. Bis 2020 will Mexiko der fünftgrößte Automobilstandort der Welt werden. Auch deutsche Autobauer mischen kräftig mit. VW betreibt in Puebla sein zweitgrößtes Werk weltweit. BMW und Daimler bauen derzeit neue Werke. Langfristig will sich Mexiko aber aus der Abhängigkeit von den USA lösen und den Handel mit Europa, Lateinamerika und Asien verstärken. mit dpa

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