Nach der Zinssenkung der US-Notenbank : Fed-Chef Powell ist nicht vor Trump eingeknickt

Die Zinssenkung der Fed geht US-Präsident Donald Trump bei weitem nicht weit genug. Was Fed-Chef Powell bewegt und was Experten sagen.

Ruhig und entschieden. Fed-Chef Jerome Powell am Mittwoch bei der Verkündung der Leitzinssenkung.
Ruhig und entschieden. Fed-Chef Jerome Powell am Mittwoch bei der Verkündung der Leitzinssenkung.Foto: REUTERS

Die erste Zinssenkung der US-Notenbank Fed ist auf sehr gemischte Reaktionen gestoßen. US-Präsident Donald Trump wetterte erneut gegen Fed-Chef Jerome Powell. Powell habe die USA einmal mehr „im Stich gelassen“. Die Märkte hätten darauf gehofft, dass dies der „Beginn eines langen und aggressiven Zyklus von Zinssenkungen“ sei, so Trump. Dies sei nötig, um die Wettbewerbsfähigkeit der USA zu stärken.
Die Einschätzung, dass der Schritt nur wenig bewirken wird, ist allerdings weit verbreitet. „Die Fed hält den Dollar stärker für eine längere Zeit“, schreibt die Großbank ING in einer ersten Einschätzung. Gregory Daco von Oxford Economics, einem Marktdaten-Provider, spricht gar von einer „hawkischen Zinssenkung“, also einem Schritt, der die Geldpolitik entgegen der Absicht strafft, statt lockert.
So gesehen ist die Fed nicht vor Trump eingeknickt, wie einige Beobachter kritisierten. In der Tat haben die Märkte zunächst negativ reagiert. Der Dollar ist gestiegen statt gesunken und die Aktien gaben nach, statt zu steigen, wie es normalerweise bei einer Zinssenkung sein sollte.

Fed: Nur eine Korrektur

In der Begründung ihrer Entscheidung verwies die Fed vor allem auf die von Trump angezettelten Handelskonflikte, die das globale Wirtschaftswachstum bremsen. Besonders der Handelskrieg zwischen den USA und China droht die Konjunktur zu bremsen. „Die von Handelsfragen bestimmte Unsicherheit war größer als erwartet“, sagte Fed-Chef Jerome Powell. Powell hatte zudem deutlich gemacht, dass zwar weitere Zinssenkungen möglich seien, dass aber nicht mit einer langen Serie von Absenkungen zu rechnen sei. Powell sprach wörtlich von einer „Mid-Cycle-Korrektur“. Das heißt, er sieht die Zinssenkung nicht als Beginn einer längeren Zinssenkungsphase. Die Entscheidung für die Zinssenkung sei eine Absicherung um sicherzustellen, dass globale Risiken nicht das weitere Wachstum der US-Wirtschaft bremsen, erklärte Powell. Es gehe darum „angemessen zu handeln“, um den seit zehn Jahren anhaltenden Aufschwung der US-Wirtschaft „zu erhalten“, sagte Powell. Die US-Konjunktur sei weiterhin robust, und es gebe abgesehen von den globalen Gegebenheiten in der kurzen Frist keine Risikofaktoren, sagte Powell. Er machte klar, dass die Zinssenkung wahrscheinlich weder ein alleinstehendes Ereignis noch der Beginn einer „langen Serie von Absenkungen“ sein werde. Die nächste Zinssitzung der Fed findet im September statt.
Auf die Frage, ob Trumps Kritik bei der Entscheidung der Notenbank eine Rolle gespielt habe, sagte Powell: „Politische Erwägungen spielen für uns nie eine Rolle.“ Er betonte auch, man kritisiere die Handelspolitik Trumps nicht, man versuche lediglich, deren Konsequenzen für die US-Wirtschaft einzukalkulieren.

Unabhängig von der Beurteilung, ob es sich bei dem Zinsschritt um das Ende des Zinszyklus handelt oder nur um eine Mid-Cycle-Korrektur, befindet sich die Weltwirtschaft in einer anhaltenden Niedrigzinsphase. Was das bedeutet, lesen Sie hier. Warum Fed und EZB ihr Inflationsziel nicht erreichen, lesen Sie hier. (mit dpa)

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