Nach Streit zwischen Siemens und Bombardier : Deutsche Bahn nimmt wieder ICE 4-Züge ab

Der Streit zwischen Siemens und Bombardier wegen mangelhafter Schweißnähte geklärt. Fünf neue Züge starten nun in den nächsten Tagen.

Ein ICE steht im Kölner Hauptbahnhof.
Ein ICE steht im Kölner Hauptbahnhof.Foto: dpa/ Henning Kaiser

Die Deutsche Bahn AG nimmt wieder ICE 4-Züge ab. Damit können auf einen Schlag fünf neue Schienenflitzer auf den großen Rennstrecken zwischen Berlin, München, Stuttgart, Frankfurt, Köln und Hamburg in Betrieb gehen. Wegen mangelhafter Schweißnähte hat der Konzern mehrere Monate die Abnahme weiterer Züge verweigert.

Der ICE-Hersteller Siemens teilte mit, dass man sich mit der DB, dem verantwortlichen Zulieferer Bombardier Transportation (BT) und dem Eisenbahnbundesamt (EBA) auf ein Ausbesserungs- und Prüfkonzept geeinigt habe. Demnach sollen die betroffenen Züge zwischen 2020 und 2023 im Rahmen der Gewährleistung durch BT repariert werden, ohne dass der Fahrbetrieb eingeschränkt wird.

Nach Informationen unserer Redaktion geht es um 15 Fahrzeuge, bei denen in einem polnischen Bombardier-Werk falsche Schweißnähte an Wagenkästen gesetzt wurden. Trotzdem sei ein sicherer Betrieb gewährleistet, betonten die Unternehmen. Insgesamt sind bisher 25 ICE 4 ausgeliefert worden und unterwegs. Die DB AG will nun wieder jeden Monat ein bis zwei neue Züge in Betrieb nehmen und hat insgesamt 137 ICE 4 bestellt.

Bereits Ende Juni hieß es intern, dass der monatelange Streit geklärt sei. Dann hatte aber dem Vernehmen nach das EBA doch noch einige Nachfragen. Die Bahnaufsicht wurde von der Herstellern über die Probleme informiert und hat den weiteren Einsatz unter Auflagen erlaubt. Die Mängelbeseitigung gilt als aufwändig, da die Rohbauten betroffen sind. Die Klärung des Reparaturkonzepts zog sich über Monate hin. Zwischen Siemens und Bombardier soll es hinter den Kulissen heftige Auseinandersetzungen gegeben haben.

Vor allem Bombardier muss mit Schadenersatzforderungen rechnen. Der Hersteller macht seit Jahren durch Lieferverzögerungen und Qualitätsmängel Schlagzeilen, zuletzt hat sich die Lieferung der Talent-Regionalzüge für die Stuttgarter Netze und den neuen Betreiber Abellio verzögert. Beim ICE 4 ist das Unternehmen mit einem Anteil von einem Drittel und rund zwei Milliarden Euro Umsatzanteil wichtigster Zulieferer, baut die kompletten Wagenkästen sowie die Drehgestelle und erledigt bei drei Wagentypen den kompletten Ausbau, darunter die Endwagen.

In der Öffentlichkeit bemühen sich die Beteiligten, den peinlichen Fall herunter zu spielen. Denn als Ende 2017 der erste ICE 4 fast zehn Jahre nach der Ausschreibung, langer Probezeit und einigen Verzögerungen endlich im Regelbetrieb startete, hofften alle, dass es weniger massive Technikprobleme gibt als bei der bisherigen Fernzugflotte. Doch schon bald machten Türsteuerungen und Bremsen einige Sorgen.

Das kanadische Unternehmen, das in Deutschland zahlreiche Werke übernommen hat, steht bereits wegen drastischer Lieferverzögerungen unter anderem bei den Stuttgarter Netzen und in der Schweiz in der Kritik. Auch der doppelstöckige Intercity 2 für die DB kam verspätet und mit vielen Fehlern, unter anderem beim Bordcomputer und der Zugsicherung.

Bei der in Berlin ansässigen Zugsparte BT gab es bereits zahlreiche Personalwechsel. Nun soll der frühere DB-Chef Rüdiger Grube als neuer Aufsichtsratsvorsitzender für Besserung sorgen. Grube hatte Anfang 2017 den Staatskonzern im Streit um seine Vertragsverlängerung Knall auf Fall und mit 2,3 Millionen Euro Abfindung verlassen. Den 8000-seitigen Großauftrag für den ICE 4 hatte der frühere DB-Chef selbst im Mai 2011 mit dem damaligen Siemens-Chef Peter Löscher unterzeichnet.

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