Negativ-Preis "Plagiarius" : Plagiate sind profitabler als Drogenhandel

Produktfälschungen kosten viel Geld und Jobs - und sind mitunter eine Gefahr. Der Negativ-Preis "Plagiarius" stellt besonders dreiste Kopien an den Pranger.

Das Original eines Spielzeugbaggers der Firma Bruder Spielwaren aus Fürth (links) und das Plagiat einer chinesischen Firma.
Das Original eines Spielzeugbaggers der Firma Bruder Spielwaren aus Fürth (links) und das Plagiat einer chinesischen Firma.Foto: Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Es gibt nichts, was nicht kopiert werden kann. Ein schwarzer Zwerg mit goldener Nase ist das Symbol für den Negativ-Preis „Plagiarius“, mit dem ein privater Verein allzu dreiste Produktpiraten an den Pranger stellt und gleichzeitig auf Probleme der Originalhersteller hinweist. Ein Ventil für Textilmaschinen, ein Spielzeug-Radlader, ein Bräter, ein Bewegungsmelder und oder eine Handbrause – es gab viele Fälschungen zu sehen kürzlich auf der Konsumgütermesse Ambiente in Frankfurt am Main. Der Schmähpreis für dreiste Kopien von hochwertigen, teuren Produkten ging in diesem Jahr fast ausnahmslos an Hersteller aus China. „Es wird weiter munter abgekupfert“, sagt Plagiarius-Sprecherin Christine Lacroix.

Beim Ventil hat die chinesische Firma Ningbo alle Elemente des Originalprodukts der Bürkert Werke aus dem baden-württembergischen Ingelfingen kopiert, den Spielzeug-Radlader der Bruder Spielwaren GmbH aus Fürth hat die chinesische Hengheng Toys Factory einfach in kleiner nachgebaut, allerdings mit billigen Materialien. Extrem dreist hat die chinesische Zheijang Keland den Bräter der Firma Zwilling aus Solingen nachgemacht. Statt Gusseisen wurde einfach billiges Aluminium verwendet.

Sicherheit und Gesundheit bedroht

Es gehe ja nicht nur um die schlechte Qualität der kopierten Produkte, sagt Lacroix. „Es geht auch um Sicherheit und Gesundheit.“ In der Regel werden die Kopien aus dem Handel genommen, die dreisten Firmen angeschrieben. Die meisten reagieren nicht. In wenigen Fällen können die Originalhersteller eine Unterlassungserklärung durchsetzen, wie jüngst im Fall des Bräters.

Die Preisträger sind nur die Spitze des Eisbergs. Der Zoll hat an den EU-Außengrenzen 2017 mehr als 31 Millionen rechtsverletzende Produkte mit einem Gesamtwert von 580 Millionen Euro beschlagnahmt. Den Original-Herstellern gehen Umsätze und Gewinne verloren, sie tragen die meist hohen Entwicklungskosten. Arndt Sinn, Direktor des Zentrums für Europäische und Internationale Strafrechtsstudien an der Uni Osnabrück, schätzt, dass allein in Deutschland 70.000 bis 80.000 Arbeitsplätze mehr zur Verfügung stünden, würde es die Produkt- und Markenpiraterie nicht geben. In der gesamten EU liegen die Umsatzeinbußen durch gefälschte Kleidung bei 43 Milliarden Euro pro Jahr, fast 520.000 Arbeitsplätze gingen verloren.

Profitable Produktpiraterie

Allein im deutschen Maschinenbau, schätzt der Branchenverband VDMA, sind mehr als 70 Prozent der Unternehmen von Fälschungen betroffen. Schaden: 7,3 Milliarden Euro. Auch hier zeigt man vor allem auf China. Auf Platz zwei folgt die inländische Konkurrenz, also Deutschland mit einem Anteil von 19 Prozent vor Italien mit 18 Prozent.

„Seit Jahren ist diese Einkommensquelle attraktiv für kriminelle Akteure, lässt sich doch mit Produktpiraterie mehr Geld verdienen als im Kokainhandel und das bei niedrigerem Entdeckungsrisiko, geringerem Sanktionsniveau und kaum Verfolgungsdruck“, sagt Sinn. Der Zoll könne nur zwei bis fünf Prozent der Einfuhren wirklich kontrollieren. Würden die illegalen Gewinne durch Plagiate mittels Geldwäsche in den legalen Finanzkreislauf eingeschleust, schwäche das die legalen Märkte. Deshalb gehe es bei den Plagiaten um ein gesamtgesellschaftliches Problem.

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