Oxfam-Studie : Vermögen der Milliardäre wächst um 2,4 Milliarden Dollar - täglich

Die Ungleichheit zwischen Milliardären und den Ärmsten der Welt wird größer. Das zeigt eine Studie der Organisation Oxfam. An der Methodik gibt es Zweifel.

Während das Vermögen der einen steigt, reicht es bei anderen kaum zum Leben.
Während das Vermögen der einen steigt, reicht es bei anderen kaum zum Leben.Foto: AFP

Die Kluft zwischen Arm und Reich ist sowohl weltweit als auch in Deutschland im vergangenen Jahr erneut größer geworden. Zu diesem Schluss kommt die Organisation Oxfam in einem Bericht, den sie am Dienstag zum Start des Weltwirtschaftsforums in Davos vorlegen will. Demnach haben die reichsten 1900 Milliardäre ihr Vermögen im vergangenen Jahr um zwölf Prozent gesteigert, während die ärmere Hälfte der Bevölkerung (3,8 Milliarden Menschen) Einbußen von elf Prozent hinnehmen musste. Konkret bedeutet das: Während die Milliardäre ihren Wohlstand täglich um 2,4 Milliarden Dollar vermehren konnten, musste die ärmere Hälfte jeden Tag mit 500 Millionen Euro weniger auskommen.

Dabei konzentrieren sich die Top-Vermögen der Studie zufolge in immer weniger Händen. Inzwischen besitzen die 26 reichsten Menschen der Welt ebenso viel wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung. 2017 noch verteilte sich diese Summe auf die 44 Reichsten, ein weiteres Jahr zuvor auf die 49 Reichsten. „Das Problem der wachsenden sozialen Ungleichheit ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit“, sagte Jörn Kalinski, Leiter Entwicklungspolitik von Oxfam Deutschland. Nicht nur koste Ungleichheit Wachstum, etwa weil Ärmere kaum Geld für Konsumzwecke zur Verfügung hätten. Auch würden sich Menschen, die finanziell abgehängt seien, eher rechtspopulistischen Parteien zuwenden.

Deutsche Milliardäre steigern ihr Vermögen

Auch in Deutschland hat sich trotz boomender Wirtschaft und gesunkener Arbeitslosigkeit laut Oxfam kaum etwas an der ungleichen Verteilung der Vermögen geändert – im Gegenteil. „Die deutschen Milliardäre und Milliardärinnen konnten ihr Vermögen im vergangenen Jahr um sagenhafte 20 Prozent steigern“, heißt es in dem Bericht. Das reichste Prozent der Deutschen verfüge damit inzwischen über ebenso viel Vermögen wie die 87 ärmeren Prozent der Bevölkerung. Nach Angaben von Oxfam ist die Ungleichheit hierzulande so hoch wie nur in wenigen anderen Industrienationen.

Die Zahlen von Oxfam machen die wachsende Ungleichheit besonders plastisch. Gleichzeitig steht die Organisation für ihre Auswertung aber auch jedes Jahr aufs neue in der Kritik. Das Problem: Sie vergleicht Daten aus zwei unterschiedlichen Quellen. Für das Vermögen der Reichsten bezieht sich Oxfam auf die Milliardärsliste des US-Magazins Forbes, die Daten über die ärmere Hälfte der Bevölkerung stammen von der Credit Suisse. Diese beiden Quellen sind allerdings kaum vergleichbar, weil sie unterschiedlich definieren, was Vermögen überhaupt ist. So versteht die Schweizer Großbank darunter Finanzanlagen und Sachwerte abzüglich aller Schulden. Das hat zum Beispiel zur Folge, dass ein amerikanischer Uniabsolvent aus der Mittelschicht mit gutem Job und Einkommen durch seinen hohen Studienkredit als ärmer eingestuft wird als der Bauer eines afrikanischen Landes, dessen Familie unter dem Existenzminimum lebt. Es werden dabei also auch Menschen als arm eingestuft, die die Allgemeinheit nicht als arm bezeichnen würden.

Oxfam ist sich dieser Kritik bewusst, argumentiert aber, dass das an der Grundaussage nichts ändert. „Der überwiegende Teil“ der als arm Eingestuften seien „tatsächlich verarmte Menschen aus armen Ländern“, heißt auf dem Oxfam-Blog. Drei Viertel der Menschen aus den unteren zehn Prozent stammten aus Afrika, Asien-Pazifik, Indien und Lateinamerika. Gleichzeitig ist Oxfam aber längst nicht die einzige Organisation, die die weiterhin große Ungleichheit kritisiert. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) macht das regelmäßig zum Thema.

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