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"Scientists for Future" : 700 Wissenschaftler und Prominente unterstützen Klimastreik

Solidarität mit den Schülerdemos: Hunderte Forscher halten die Proteste für berechtigt. In einer Petition fordern sie ein schnelles Umsteuern der Klimapolitik.

Jutta Maier
Die Demonstrationen von Schülern für den Klimaschutz - wie hier in Düsseldorf - bekommen Zuspruch aus der Wissenschaft.
Die Demonstrationen von Schülern für den Klimaschutz - wie hier in Düsseldorf - bekommen Zuspruch aus der Wissenschaft.Foto: Christophe Gateau/dpa

Nach dem Zuspruch von Bundeskanzlerin Angela Merkel bekommen die Schüler der„Fridays-for-Future“-Bewegung nun auch Rückendeckung von der Wissenschaft: Bislang 716 Forscher in Deutschland haben die Petition unterzeichnet, in der sie Achtung und volle Unterstützung für die Schüler fordern. Sie soll voraussichtlich am 12. März offiziell vorgestellt werden. Tagesspiegel Background hat davon vor der geplanten Veröffentlichung aus Wissenschaftskreisen erfahren.

Die Anliegen der demonstrierenden Schüler und Studenten seien berechtigt und gut begründet, finden die Forscher. Die derzeitigen Maßnahmen zum Klima-, Arten-, Wald-, Meeres- und Bodenschutz reichten bei Weitem nicht aus. Unter den Unterzeichnern sind prominente Namen aus allen Disziplinen, darunter Hans-Joachim Schellnhuber, Claudia Kemfert, Ernst Ulrich von Weizsäcker, Eckart von Hirschhausen, Ranga Yogeshwar, Barbara Praetorius, Dirk Uwe Sauer und Sven Plöger. Analog zu den Schüler-Protesten „Fridays for Future“ nennt sich die Forscher-Initiative „Scientists for Future“.

Die enorme Mobilisierung der „Fridays-for-Future“-Bewegung zeige, dass die Schüler und Studenten die Situation verstanden hätten, so die Wissenschaftler. Die jungen Menschen forderten zu Recht, dass sich die Gesellschaft ohne weiteres Zögern auf Nachhaltigkeit ausrichte. Ohne einen tiefgreifenden und konsequenten Wandel sei ihre Zukunft in Gefahr. Deshalb sei es an der Zeit, auch die gängigen Ernährungs-, Mobilitäts- und Konsummuster grundlegend zu ändern.

„Deutschland nicht besser als die USA“

Es sei zu begrüßen, dass „die Kinder die wichtigen Themen auf den Tisch bringen“, sagte Energieexperte Volker Quaschning von der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Berlin auf Anfrage, nachdem Tagesspiegel Background aus anderer Quelle davon erfahren hatte. Da sie nun öffentlich für ihr Engagement diskreditiert würden, stehe ihnen die Wissenschaft bei. „Wir sitzen an der Quelle zu Informationen über den Klimawandel“, so Quaschning. Die Resonanz auf die Aktion sei „überwältigend“, immer mehr Forscher schlössen sich der Petition an.

Viele Wissenschaftler schüttelten seit Jahren den Kopf darüber, wie die deutsche Politik in Sachen Klima agiere. Deutschland sei hier nicht besser als die USA, deren Präsident von einer menschengemachten Erderwärmung nichts wissen will. „Das Pariser Klimaabkommen wird ratifiziert, und dann tun die Politiker nichts dafür, die beschlossenen Ziele auch umzusetzen“, kritisierte Quaschning. Weder die deutschen Pläne zum Kohleausstieg noch die Ausbaupläne für erneuerbare Energien oder die Reduktionsbemühungen im Verkehrs- oder Wärmebereich seien auch nur ansatzweise genug, um das 1,5-Grad-Ziel bei der Begrenzung der Erderwärmung zu erreichen.

Die Politik sehen die Forscher in der Verantwortung, klimafreundliches und nachhaltiges Handeln einfach und kostengünstig zu machen. Klimaschädigendes Handeln hingegen müsse unattraktiv und teuer werden. Als konkrete Beispiele nennen die Wissenschaftler wirksame CO2-Preise, das Kürzen von Subventionen für klimaschädliche Handlungen und Produkte, Effizienzvorschriften und soziale Innovationen.

Der Beitrag erschien zuerst in unserem Entscheider-Briefing Tagesspiegel Background Energie & Klima.

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