Start-up "Data Artisans" : Alibaba kauft Berliner Big Data-Firma für 90 Millionen Euro

Netflix, Alibaba und Zalando nutzen das an der TU Berlin entwickelte Programm zur Datenanalyse. Nun übernehmen die Chinesen das Start-up.

Besucher auf einer Big-Data-Konferenz in China: Alibaba gehörte bereits zu den größten Nutzern der Berliner Technologie.
Besucher auf einer Big-Data-Konferenz in China: Alibaba gehörte bereits zu den größten Nutzern der Berliner Technologie.Foto: Reuters/Stringer

Die Kundenliste der Data Artisans ist beeindruckend: Netflix, Uber, Ebay, Huawei oder Zalando nutzen die Technologie des Start-ups. Dabei ist das Unternehmen gerade einmal fünf Jahre alt. Und auch Alibaba gehört zu den Nutzern. Der chinesische Internetriese war vom Potenzial offenbar so beeindruckt, dass er Data Artisans nun übernimmt. 90 Millionen Euro soll Alibaba dabei laut verschiedenen Medienberichten zahlen.

Entstanden ist die Software an der Technischen Universität Berlin (TU) bei einem Forschungsprojekt von Volker Markl, Leiter des Fachgebiets für Datenbanksysteme und Informationsmanagement, sowie Leiter des Berlin Big-Data-Centers. Seine Mitarbeiter Stephan Ewen, Fabian Hüske und Kostas Tzoumas haben dort eine Technologie namens Apache Flink zur Analyse von großen Datenmengen entwickelt und gründeten das Unternehmen Data Artisans. 2016 veröffentlichten sie die erste Version. Sie organisiert die Analyse von Datenpaketen, die auf verschiedenen Rechnern verteilt ist.

Große Datenströme in Echtzeit analysieren

Die Besonderheit von Apache Flink liegt darin, dass große Datenmengen auf verschiedene Verarbeitungsprozesse aufgeteilt und dabei gleichzeitig analysiert werden können. Das ermöglicht auch die Auswertung von Datenströmen. „Klassische Datenbanken basieren auf dem Ansatz, dass Daten zunächst abgespeichert werden müssen, um diese zu verarbeiten", erklärt Stephan Ewen den Unterschied. Früher konnten Unternehmen so jedoch nur rückblickend Erkenntnisse aus den Daten gewinnen. Mit Apache Flink können Big-Data-Analysen in Echtzeit durchgeführt werden. Genau daher ist die auch stream processing genannte Technologie auch für zahlreiche große IT-Unternehmen so interessant.

Dabei ist Apache Flink ein Open-Source-Programm, also eine öffentliche, gemeinsam entwickelte Software. Geld verdient das Unternehmen mit Dienstleistungen für große Unternehmenskunden. Zu den Investoren gehörten Intel Capital, b-to-v Partners und Tengelmann Ventures.

Die Gründer haben sich von Anfang an dem Prinzip verschrieben, die Entwickler-Community intensiv einzubeziehen und dafür beispielsweise eine jährliche Konferenz veranstaltet. Daran soll sich auch nach der Übernahme nichts ändern. "Gemeinsam werden Data Artisans und Alibaba die Beiträge zu Apache Flink und Open Source Big Data nicht nur fortsetzen, sondern beschleunigen", schreiben Tzoumas und Ewen. So hätten die Chinesen in den vergangenen zwei Jahren als einer der größten Anwender schon viel zum Softwarecode beigetragen. Zudem will Alibaba seine eigenen Weiterentwicklungen in die Open-Source-Community einzubringen.

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