Start-up Startmark : Wie der Börsenhandel auf Blockchainbasis funktionieren soll

Die Kryptowirtschaft hat mit gescheiterten ICOs Vertrauen verspielt. Jetzt will es das ein Start-up mit einem von der Bafin geprüften Token besser machen.

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Historische Anteilsscheine - im digitalen Zeitalter nur noch ein Relikt vergangener Tage.
Historische Anteilsscheine - im digitalen Zeitalter nur noch ein Relikt vergangener Tage.Foto: picture alliance / Andreas Arnol

Zum zweiten Mal gibt ein Unternehmen in Deutschland virtuelle Wertpapiere heraus. „Wir wollen Anfang August starten“, sagt Ralf Heine, Geschäftsführer von Startmark gegenüber Tagesspiegel Background. Die wichtigste Hürde hat das Düsseldorfer Unternehmen bereits genommen: Die Finanzaufsicht Bafin hat das 77-seitige Wertpapierprospekt gebilligt. Damit kann die Ausgabe der digitalen Schuldverschreibung auf Blockchainbasis starten.

In der Fachsprache werden diese Anlagen Security Token genannt. Sie sollen für eine neue Phase in der Kryptowirtschaft sorgen und Vertrauen zurückgewinnen, das durch viele Betrugsfälle und nicht erfüllte Versprechungen bei der Ausgabe von neuen Kryptowährungen verloren gegangen ist.

Bis zu 50 Millionen Euro will Startmark durch die Ausgabe seines Tokens einsammeln. Das Geld soll dann in Start-ups investiert werden. Anleger können sich bereits ab Beträgen von 100 Euro beteiligen, damit sollen Investitionen in Start-ups auch für die breite Masse möglich werden. Im Gegensatz zu Crowdinvestinganbietern wie Seedmatch oder Companisto beteiligen sich die privaten Geldgeber jedoch nicht an einzelnen Jungunternehmen, sondern am gesamten Portfolio von Startmark. „Kleinanleger müssen nicht alles auf eine Karte setzen und können ihr Risiko besser verteilen“, sagt Heine.

Ein schneller Ausstieg ist möglich

Startmark wiederum agiert wie ein klassischer Wagniskapitalfonds, der mit dem eingesammelten Kapital Anteile an verschiedenen Start-ups erwirbt. Im ersten Jahr sind Beteiligungen von 100.000 bis 300.000 Euro geplant, später auch niedrige Millionenbeträge. Die Kleinanleger sollen an den erhofften Gewinnen beteiligt werden. Erst durch die Nutzung der Blockchain sei so ein Modell effizient möglich. „Herkömmliche Urkunden müssen nicht mehr erstellt werden“, sagt Heine. „Dadurch werden Kosten gespart und Kleinstbeteiligungen lassen sich problemlos verwalten.“

Offiziell haben die tokenbasierten Schuldverschreibungen eine Laufzeit bis Ende 2034. Geplant ist aber, dass die Inhaber die virtuellen Papiere auch früher verkaufen können. Das ist ein weiterer Unterschied zum Crowdinvesting, wo die Beteiligungen oft über längere Zeiträume gehalten werden müssen.

„Sobald Security Token auch flächendeckend an Kryptobörsen handelbar sind, können Anleger jederzeit aussteigen“, sagt Heine. So arbeitet beispielsweise die Börse Stuttgart derzeit an einem entsprechenden Marktplatz für Krypto-Assets. Bis Ende des Sommers soll dieser starten, sagt ein Sprecher.

Kleinanleger mussten bei Neufund außen vor bleiben

Den ersten von der Bafin gebilligten Security Token hatte das Berliner Start-up Bitbond im März ausgegeben. Mindestens drei bis fünf Millionen Euro sollten damit eingeworben werden, am Ende wurden es 2,1 Millionen. Ein ähnliches Konzept wie Startmark verfolgt das Berliner Unternehmen Neufund, an dem unter anderem der bekannte Investor Frank Thelen beteiligt ist. Das Start-up hat eine Plattform entwickelt, über die Start-ups Geld einsammeln können. Im ersten Schritt konnten Anleger in das Unternehmen selbst investieren.

Allerdings habe die Bafin kurzfristig eine technische Prüfung gefordert, Neufund erhöhte daraufhin die Mindestbeteiligung auf 100.000 Euro. Das ist auch die Grenze, ab der Wertpapieremittenten kein Prospekt bei der Finanzaufsicht einreichen müssen. „Das zweite Investmentangebot wird in den nächsten Wochen beginnen“, sagt ein Neufund-Sprecher. Die Entscheidung über das Timing liege beim Emittenten. „Es werden noch einige weitere in diesem Jahr folgen“, sagt der Sprecher. Dann womöglich aber nach den Regeln aus Liechtenstein, wohin das Unternehmen seine Aktivitäten kürzlich ausgedehnt hat. "Die Agilität von Regierung und Regulierungsbehörden ermöglicht es, innovative Produkte nach klaren Richtlinien zu entwickeln", heißt es von Neufund.

Überzogene Vorstellungen bei Berliner Start-ups

Auch Startmark hat noch einiges an Arbeit vor sich. Zum geplanten Beginn Anfang August können sich Anleger beteiligen, die bereits eine Kryptowallet haben, also eine Geldbörse mit Guthaben der virtuellen Währung Ether. Möglichst bald soll es dann möglich sein, ohne entsprechende Vorkenntnisse in Euro zu bezahlen, noch laufen aber die Verhandlungen mit Zahlungsdienstleistern.

Entscheidend für den Erfolg des Projektes wird vor allem sein, an welchen Start-ups sich die Düsseldorfer beteiligen können. „Es wird sicher ein halbes Jahr dauern, bis wir ein gutes Portfolio haben“, sagt Heine, „das ist am Anfang ja auch ein Henne-Ei-Problem.“ Man sei aber bereits mit drei Start-ups in Verhandlungen.

Die Hälfte des Teams habe seit Jahren Erfahrungen als Investoren. Heine selbst ist seit der Jahrtausendwende als Business Angel tätig. Ein Fokus soll zunächst im Großraum Nordrhein-Westfalen liegen, wo das Team vernetzt ist und die vor allem auf Berlin oder München konzentrierten Geldgeber weniger aktiv sind. Heine erhofft sich dadurch Vorteile und günstigere Beteiligungsmöglichkeiten: „Viele Start- ups in Berlin haben überzogene Vorstellungen, wenn es um ihre Bewertung geht.“

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