Untersuchung : So mächtig ist Amazon

Eine Studie berechnet erstmals die Marktdominanz des Konzerns im deutschen Handel.

Grund zur Freude für Jeff Bezos: Jeder zweite Euro im deutschen Onlinehandel landet bei Amazon.
Grund zur Freude für Jeff Bezos: Jeder zweite Euro im deutschen Onlinehandel landet bei Amazon.Foto: Michael Reynolds/ picture alliance / dpa

Jeff Bezos ist zum reichsten Mann der Welt aufgestiegen. Allein im deutschen Online-Handel entfallen inzwischen fast die Hälfte der Umsätze auf seinen Amazon-Konzern. Wie dominant das Unternehmen ist, untersucht der erstmals veröffentlichte „Amazon Watch Report“ anhand der Marktmacht in  verschiedenen Branchen auswirkt. Erstellt wurde er von der Universität St. Gallen in Kooperation mit Payback, der Unternehmensberatung Etribes und der auf Amazon spezialisierten Agentur factor-a. Sie haben dabei einen eigenen Indexwert berechnet, der angibt wie groß die Dominanz im jeweiligen Bereich ist.  Am höchsten liegt er bei Büchern mit 7 von 10 möglichen Punkten. Hier hat Amazon einen Marktanteil von fast 20 Prozent.

 

Doch auch bei Elektronik & Computern sowie Spielwaren, Babyartikeln, Sport  & Freizeit kommt das Unternehmen auf mehr als 16 Prozent. Am geringsten ist die Dominanz in den Feldern Drogerie & Beauty, Kleidung & Schuhe, sowie Lebensmittel.

Amazons nächstes Ziel ist die Gesundheitsbranche

 

„Der Report zeigt, dass die Dominanz von Amazon zur Bedrohung für viele Händler geworden ist“, sagt Payback-Geschäftsführer Dominik Dommick. „Und Amazon strebt nach immer größerer Dominanz“. Dass der Rabattanbieter sich der Analyse von Amazon widmet ist wohl kein Zufall, denn das Verhältnis der Unternehmen ist ambivalent: Früher konnte man auch auf Amazon Payback-Punkte sammeln, doch  2014 endete die Partnerschaft.

 

Doch klar ist, dass sich Amazon weiter ausbreitet. Jüngstes  Ziel ist  der Gesundheitsbereich: Amazon hat kürzlich die Online-Apotheke Pillpack gekauft. Der Konzern, der einst als Online-Buchhändler gestartet ist, dringt in immer weitere Bereiche vor. Neben dem Handel in all seiner Breite gibt es einen eigenen Musik- und Videodienst. Dort investiert der Konzern hohe Summen in Film- oder inzwischen auch Sportrechte oder Eigenproduktionen. Beobachter vermuten, dass dieser Bereich quersubventioniert wird, er dient dann eher als Kundenbindungsinstrument über das Premiumprogramm Prime. 

Dient Alexa Kunden oder Amazon?

 

„Es ist aber problematisch, wenn ein marktbeherrschendes Unternehmen, gerade ein Plattformbetreiber, durch Kopplungsstrategien Anreize für Kunden schafft, nicht zu einer anderen Plattform zu wechseln“, sagte  Heike Schweitzer,  Co-Vorsitzende der Kommission Wettbewerbsrecht 4.0 kürzlich im Tagesspiegel. „Amazon Prime kann unter diesem Gesichtspunkt womöglich negative Folgen für den Wettbewerb haben.“ Und auch bei einer anderen Neuerung, dem Sprachassistenten Alexa, hat Schweizer Zweifel, ob der immer die Interessen der Kunden oder doch eher die von Amazon wahre.

 

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