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Wegen Niedrig-Zinsen : Die Sparda-Banken in Berlin und Hannover wollen fusionieren

Die Sparda Bank Berlin führt mit der Sparda Bank Hannover Gespräche über eine Fusion. Entstehen könnte eine der größten Genossenschaftsbanken Deutschlands.

Auch in Berlin ist die Sparda-Bank mit Filialen vertreten.
Auch in Berlin ist die Sparda-Bank mit Filialen vertreten.Foto: ZB

Die Sparda Bank Berlin könnte sich schon bald mit der Sparda Bank Hannover zusammenschließen. Wie die beiden Institute am Dienstag mitteilten, haben sie Fusionsgespräche aufgenommen. Die Vorstandschefs der Institute werben für den Schritt.

"Die Fusion ist ein Stärkesignal nach vorne", sagte Frank Kohler, der die Sparda Bank Berlin leitet. André-Christian Rump, sein Vorstandskollege aus Hannover, drückte es ähnlich aus: "Wir gehen den Konsolidierungsprozess in der Branche aus einer Position der Stärke an."

Gemessen an der Anzahl der Mitglieder dürfte durch die Fusion eine der größten Genossenschaftsbanken Deutschlands entstehen. Die Sparda Bank Berlin deckt mit 60 Filialen und 500.000 Kunden, die Mitglieder in der Genossenschaft sind, den gesamten Osten Deutschlands ab. Das Gebiet der Sparda Bank Hannover erstreckt sich über Niedersachsen bis in den Nordosten Nordrhein-Westfalens. Zusammen kämen die beiden Häuser auf eine Bilanzsumme von zwölf Milliarden Euro.

Bis Juni soll es eine Vorentscheidung geben

Die Gespräche über eine Fusion würden derzeit ergebnisoffen geführt, sagte ein Sprecher der Sparda Bank Berlin auf Anfrage. Sollten sie sich für diesen Schritt entscheiden, müssten die Mitglieder beider Häuser den Zusammenschluss absegnen. Die nächsten Mitgliederversammlungen sind für Juni geplant. Bis dahin wollen sich die Vorstände der beiden Häuser eine Vorentscheidung getroffen haben.

Welche Folgen eine solche Fusion etwa für die Mitarbeiter hätte, ist zum jetzigen Zeitpunkt offen - ebenso wie die Frage, wo der Hauptsitz der neuen Genossenschaftsbank angesiedelt wäre. Allein die Größe spräche allerdings für Berlin. Die Sparda Bank Berlin hat mehr Mitglieder und verwaltet mehr Einlagen.

Die Institute begründen die Fusionsgespräche mit der aktuell schwierigen Situation für Banken. Es gehe "um maximale Handlungsfähigkeit im Rahmen der Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank, zunehmenden regulatorischen Anforderungen und verändertem Kundenverhalten", sagte Kohler.

Harte Einschnitte bei der Sparda-Bank in NRW

Normalerweise verdienen Geldhäuser wie die Sparda-Banken daran, dass sie Kredite zu höheren Zinsen vergeben, als sie Sparern zahlen. In Zeiten von Niedrigzinsen funktioniert das allerdings kaum noch. Gleichzeitig zahlen die Institute inzwischen Strafzinsen, wenn sie selbst Gelder bei der Europäischen Zentralbank parken.

Verstärkt werden die Probleme der Institute durch die zunehmende Digitalisierung: Kunden regeln ihre Bankgeschäfte immer häufiger online, besuchen nur noch selten die Filialen. Zweigstellen weiter zu betreiben, ist daher für die Geldhäuser extrem teuer.

Die Zahl der Banken geht zurück

Deshalb geht bereits seit Längerem die Zahl der Geldinstitute in Deutschland zurück. Vor allem unter den Genossenschaftsbanken haben sich zuletzt viele zusammengeschlossen. Christoph Schalast von der Frankfurt School of Finance and Management sagt sogar: „80 Prozent aller Fusionen und Übernahmen im vergangenen Jahr entfielen auf den Genossenschaftssektor.“ Gab es 2005 laut Bundesbank noch rund 1300 Genossenschaftsbanken, waren es Ende November vergangenen Jahres nur noch 842. Damit ist die Entwicklung einschneidender als im Sparkassen-Sektor: Dort ist die Zahl der Institute im selben Zeitraum von 460 auf 380 zurückgegangen.

Hans-Peter Burghof, Professor am Lehrstuhl für Bankwirtschaft der Universität Hohenheim, begründet das auch mit den hohen Kosten für die Regulierung. Je kleiner Institute sind, desto stärker fallen sie ins Gewicht. Auch Regionalinstitute müssen sich an die strengeren Vorgaben der Aufseher halten – anders als Großbanken können sie aber keine Heerscharen an Mitarbeitern beschäftigen, die sich darum kümmern. Auch deshalb dürfte die Fusionswelle unter den Banken fortschreiten, glaubt Schalast. Hinzu käme, dass viele Institute ihre Geschäftsmodelle noch nicht ausreichend an die Niedrigzinsphase angepasst hätten. Dabei würde die anhalten. Möglicherweise blieben die Zinsen noch ein Jahrzehnt lang niedrig. „Außerdem ist der Wettbewerb im deutschen Bankenmarkt weiter scharf“, sagt Experte Schalast.

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