Weniger in besserer Qualität : In Frankreich wird Fleisch zum Luxusprodukt

Franzosen zahlen für Fleisch deutlich mehr als Deutsche. Umweltschutz und Ernährungsumstellung spielen dabei eine Rolle.

Eine Metzgerei in Paris. Im Jahr 2007 verzehrten die Franzosen im Durchschnitt 153 Gramm Fleischprodukte pro Tag.
Eine Metzgerei in Paris. Im Jahr 2007 verzehrten die Franzosen im Durchschnitt 153 Gramm Fleischprodukte pro Tag.Foto: imago/PanoramiC

In Frankreich ist Fleisch weniger beliebt als noch vor zehn Jahren. Der Trend geht mehr zum Gemüse. Der Fleischkonsum ging laut einer Studie des Forschungsinstitutes Crédoc , das die Lebensbedingungen der Franzosen untersucht, immer weiter zurück, innerhalb von zehn Jahren zwischen 2007 und 2017 um zwölf Prozent.

Dafür gibt es unterschiedliche Gründe: Die Franzosen sind sich bewusster geworden, dass es nicht gut für die Gesundheit ist, zu viel Fleisch zu essen. Dazu kommen die steigenden Preise für Fleisch. Zusätzlich spielen Umweltbedenken eine Rolle. Seit 2007 untersucht Crédoc alle drei Jahre die Lebensmittelgewohnheiten der Franzosen. Dabei kam heraus: Egal wie alt, egal welche soziale Stellung, alle Franzosen essen weniger Fleisch. Betroffen sind alle Fleischprodukte, Rind, Schwein oder Huhn und auch Wurstprodukte.

Im Jahr 2007 verzehrten die Franzosen im Durchschnitt 153 Gramm Fleischprodukte pro Tag, zehn Jahre später waren es nur noch 135 Gramm. Nach den aktuellsten Zahlen wurden 46 Gramm Fleisch (außer Geflügel) gegessen, 12 Gramm weniger als zehn Jahre vorher; Wurstprodukte 29 Gramm statt 35 Gramm; Huhn blieb relativ stabil, fiel nur von 34 auf 33 Gramm. Seit 1970 (75,8 Kilogramm pro Jahr) war der Fleischkonsum angestiegen und erreichte seinen Höhepunkt im Jahr 1998 mit 93,6 Kilogramm pro Jahr. Derzeit sind es 87,5 Kilogramm. Zwischen 2017 und 2018 gab es wieder einen leichten Anstieg, weil mehr Huhn und mehr Fertigprodukte gegessen werden.

Der Fleischkonsum ging über zehn Jahre in allen Altersklassen zurück, allerdings weniger bei den 18- bis 24-Jährigen, sie essen vor allem viel Fleisch in Form von Fast Food. Die über 75-Jährigen essen am wenigsten Fleisch. In den oberen Schichten ging der Fleischkonsum besonders stark zurück, aber auch bei den Arbeitern ist die Tendenz offensichtlich. In Arbeiterfamilien gilt es allerdings immer noch als ungewöhnlich, eine Mahlzeit ohne Fleisch zu essen, heißt es in der Crédoc-Studie. Doch die Tendenz ist eindeutig: weniger Fleisch verzehren, aber dafür in besserer Qualität.

Arme können sich teures Fleisch immer weniger leisten

Darüber hinaus spielt der Preis für Fleisch eine große Rolle. Er ist in den vergangenen Jahren in Frankreich stärker angestiegen als die Inflation. Fleisch wird immer mehr zu einem Luxusprodukt, das man in Maßen genießt. Ein wenig wie der Tischwein, der durch bessere Produkte ersetzt wurde.

Sich gut mit Fleisch oder anderen Lebensmitteln zu ernähren, wird in Frankreich auch immer mehr ein Sozialmerkmal. Viele Ärmere können sich teures Fleisch vom Schlachter oder Biofleisch nicht leisten und greifen stattdessen zu eingepacktem Fleisch, dessen Herkunft nicht klar ist. Das Thema wird auch in Frankreich diskutiert, aber weniger als in Deutschland. Allerdings ändern sich auch in den unteren Schichten die Lebensgewohnheiten, wenn auch weniger schnell als in oberen Schichten.

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Im europäischen Vergleich liegt der Fleischpreis hoch. Laut einer Studie von Eurostat kommt Frankreich auf Platz fünf, Dänemark auf Platz eins, gefolgt von Österreich und Luxemburg, Polen zum Schluss. In Frankreich ist Fleisch im Schnitt 31 Prozent teurer als der Mittelwert in Europa, am günstigsten ist Huhn, gefolgt von Schweinefleisch und dann Rindfleisch. Aktuell kostet ein Kilo Rindfleisch zwischen 9 und 25 Euro, im Schnitt 16 Euro. Die Preise liegen weit höher als in Deutschland, so eine weitere Studie von Caterwings. So zahlen Deutsche etwa für Hühnerfleisch im Schnitt 7,20 Euro das Kilo, in Frankreich dagegen 9,35 Euro.

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