Wohin mit dem Abfall? : Angriff auf den Plastikmüll

Die EU-Kommission stellt einen Plan zur Vermeidung von Kunststoffabfällen vor. Es soll weniger Müll im Meer landen.

Verpackungen aus Kunststoff sind ein großes Problem. Sie machen in der EU 60 Prozent des Plastikmülls aus.
Verpackungen aus Kunststoff sind ein großes Problem. Sie machen in der EU 60 Prozent des Plastikmülls aus.Foto: Getty Images

Mit einer umfangreichen Strategie reagiert die EU-Kommission auf steigende Mengen von Plastikabfall, die in der Natur landen. „Wenn wir nicht die Art und Weise ändern, wie wir Kunststoffe herstellen und verwenden, wird 2050 in unseren Ozeanen mehr Plastik schwimmen als Fische“, sagte Kommissionsvizepräsident Frans Timmermans am Dienstag bei der Vorstellung der Plastikstrategie. Bis 2030 soll deshalb das gesamte Verpackungsmaterial in der EU wiederverwertbar sein.

Regierungen, Hersteller und Recyclingunternehmen sollen gemeinsam an folgenden Punkten arbeiten: die Recyclingfähigkeit von Produkten verbessern, die Rate des separat gesammelten Plastiks erhöhen, die Kapazität der Sortier- und Recyclinganlagen ausbauen und modernisieren sowie einen größeren Markt für recyceltes Plastik schaffen.

20 bis 40 Prozent des Plastikabfalls im Meer stammen von Schiffen

Diese Pläne sind noch kein Gesetzesentwurf, sondern nur sogenannte Mitteilungen. Mit einem parallel vorgestellten Gesetzesvorschlag will die EU-Kommission aber eines der Probleme direkt anpacken: Kunststoffmüll, der auf See anfällt. Denn 20 bis 40 Prozent des Plastikabfalls im Meer stammen von Schiffen. In allen europäischen Häfen sollen deshalb Sammelstellen eingerichtet werden.

Später im Jahr will die Kommission einen Vorschlag zur Verminderung von nur einmal genutzten Plastikprodukten wie Strohhalmen oder Einwegbesteck vorlegen. Außerdem will sie noch im Januar Maßnahmen vorschlagen, um den Zugang zu Trinkwasser zu verbessern und die Auswirkungen von Wasserflaschen aus Kunststoff zu verringern. Sie will die Verpackungsrichtlinie und den Einsatz von Mikroplastik in Kosmetik einschränken. Die vergangene Woche von EU-Kommissar Günther Oettinger vorgeschlagene Plastiksteuer ist jedoch nicht Teil des Plans.

Weltweit gelangen jährlich fünf bis 13 Millionen Tonnen Plastikmüll in die Natur

Weltweit gelangen jährlich fünf bis 13 Millionen Tonnen Plastikmüll in die Natur. Das Hauptproblem sind Verpackungen aus Kunststoff. In der EU machen sie 60 Prozent des Plastikmülls aus.

Der Statistikbehörde Eurostat zufolge sind allein 2015 EU-weit fast 16 Millionen Tonnen Verpackungsmüll aus Plastik und insgesamt 25 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle angefallen. Im Schnitt hat jeder Bürger der Europäischen Union im Jahr 31 Kilogramm Kunststoffverpackungen entsorgt. Die Deutschen zählen dabei zu den Spitzenreitern: Sie haben pro Kopf 37 Kilo Kunststoffverpackungen verbraucht, im Jahr 2015 waren das insgesamt rund drei Millionen Tonnen.

Auch in Irland kommen jedes Jahr Unmengen an Kunststoffverpackungen in die Tonne: Pro Kopf waren es 2015 rund 60 Kilogramm. Vorbildlich ist dagegen Kroatien. Gerade einmal zwölf Kilo Verpackungsmüll aus Plastik pro Kopf waren es 2015. In Großbritannien macht ein Vorreiter im Handel auf sich aufmerksam: Die Tiefkühlkette „Iceland“ will in den nächsten fünf Jahren alle Plastikverpackungen durch Papier und Karton ersetzen, teilte das Unternehmen an Dienstag mit. Demnächst soll im Vereinigten Königreich der Einsatz von Mikroplastik in Kosmetikprodukten verboten werden.

Der Rohstoff Plastikmüll ist viel Geld wert

Wiederverwertet werden zurzeit weniger als 30 Prozent des Plastikabfalls in Europa. Der Rest landet auf Deponien oder in Müllverbrennungsanlagen. Dabei ist der Rohstoff Plastikmüll viel Geld wert. Schätzungen der Europäischen Union zufolge gehen 95 Prozent des Werts von Verpackungsmaterial aus Kunststoff nach einer sehr kurzen Verwendung verloren. Die jährlichen Kosten würden 70 bis 150 Milliarden Euro betragen.

Zurzeit bestehen nur rund sechs Prozent der in Europa nachgefragten Plastikprodukte aus recyceltem Material. Das hat auch damit zu tun, dass die Unternehmen hohe Anforderungen an die Güte von recyceltem Plastik haben. Hier will die EU die Nachfrage durch Standardisierungen ankurbeln. Sie stellt außerdem 100 Millionen Euro für die Entwicklung recyclingfähigerer Kunststoffe und effizienterer Recyclingverfahren zur Verfügung.

2022 sollen 63 Prozent des Plastikmülls recyclet werden

In Deutschland soll die Recyclingquote von Kunststoffverpackungen mit dem neuen Verpackungsgesetz, das Anfang 2019 in Kraft tritt, verbessert werden. Während zurzeit 36 Prozent aller Verpackungen aus Plastik recycelt werden, sollen es 2019 schon 55 Prozent und 2022 dann 63 Prozent sein. Der Begriff Recycling ist allerdings dehnbar. Er schließt auch thermische Wiederverwertung ein – also das Verbrennen. Stofflich wiederverwertet werden vom Plastikmüll bisher nur 15 Prozent.

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