Die Sowjetarmee hat den Aufstand nicht "niedergewalzt"

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17. Juni 1953 : Aufstand der Machtlosen

Wissenschaftlich gesehen seien die Ereignisse rund um den 17. Juni „ausgeforscht“, darin waren sich die Referenten des Symposiums einig. Zur 50-Jahr-Feier 2003 habe es eine wahre Flut von Veröffentlichungen gegeben, Neues sei seither kaum hinzugekommen. Doch die Interpretationsspielräume, die der Zeitpunkt des Aufstandes eröffnet, sind noch nicht vollständig ausgelotet. Eben noch hatte die SED die Anweisungen Moskaus zum „Aufbau des Sozialismus“ auszuführen. Auf Stalins Tod im März 1953 aber folgte ein dramatischer, von Ulbricht verkannter Umbruch der sowjetischen Politik.

Engelmann urteilte pointiert, das Vorgehen der Roten Armee, im Westen als „Niederwalzens“ des Aufstandes verurteilt, sei „in erstaunlichem Maße von Vorsicht geprägt“ gewesen. Auch die Repressionen der DDR bis zur Wiederherstellung des arg angeschlagenen Machtapparats müssen „nach DDR-Maßstäben als milde bezeichnet werden“. Nicht Hunderte von Toten gab es, wie im Westen herumgeisterte, sondern rund 40 – der Ungarnaufstand 1956 forderte dagegen 3000 Tote.

Zudem kreuzte sich die strafrechtliche Verfolgung der Aufständischen mit der bereits vor dem 17. Juni von der SED verkündeten Amnestie, die 24 000 Häftlingen zugute kam. Auch dies erfolgte auf Anweisung der Sowjetspitze – nur dass die inzwischen gewechselt hatte und den nach Moskau zitierten Genossen, an der Spitze Ulbricht und Grotewohl, eine „fehlerhafte politische Linie“ vorwarf. Die DDR-Bürger verstanden das zu Recht als Bankrotterklärung der SED.

International spielte der 17. Juni nie die große Rolle wie etwa Ungarn 1956, betonten die aus Polen, Ungarn und der Ukraine stammenden, weiteren Referenten. Das lag an der besonderen Situation des Satrapenstaates DDR wie an der Teilung des bis 1945 – nur acht Jahre vor 1953! – NS-beherrschten Deutschland.

Um so höher ist einzuschätzen, dass sich die Demonstranten in den 700 inzwischen benannten Städten und Gemeinden der DDR gegen die Zwangsherrschaft erhoben, ohne reale Aussicht auf Erfüllung ihrer Forderungen, allerdings auch ohne Konzept und Führung. Der Bonner Politologe Tilman Mayer nannte den Aufstand schlicht eine „Entladung“ infolge beständig anwachsender Spannungen, als Beispiel für die „permanente Form von Renitenz in Herrschaftssystemen sowjetischen Typs“ bis hin zu 1989.

Da zerfiel der sowjetische Block, und der Blick wurde frei auf den deutschen Aufstand. Er schlug fehl und legte doch den Keim für den Untergang der DDR. Mit seinen Forderungen nach Freiheit und Demokratie bildet er eines der stolzesten Kapitel der deutschen Geschichte.

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