• Arbeitskampf bei Uni-Assist: Servicestelle für internationale Studienbewerbungen streikt

Arbeitskampf bei Uni-Assist : Servicestelle für internationale Studienbewerbungen streikt

Mitarbeiter von Uni-Assist beklagen prekäre Arbeitsverhältnisse. Auch das nächste Auswahlverfahren könnte bestreikt werden.

Internationale Studierende in Deutschland müssen sich häufig bei Uni-Assist bewerben.
Internationale Studierende in Deutschland müssen sich häufig bei Uni-Assist bewerben.Foto: picture alliance / dpa

Wer mit Zeugnissen aus dem Ausland in Deutschland studieren will, kommt an Uni-Assist nicht vorbei. Allein für das jetzt beginnende Semester sollen 190 000 Anträge von Bewerben mit ausländischen Zeugnissen bei der Arbeits- und Servicestelle für internationale Studienbewerbungen eingegangen sein. Der Verein wurde 2003 gegründet, inzwischen gehören ihm 180 Hochschulen aus ganz Deutschland an. Hier werden Zeugnisse aus aller Welt geprüft, finanziert von den Gebühren, die die internationalen Bewerber zahlen müssen. Jetzt drohen Mitarbeiter von Uni-Assist an, das nächste Bewerbungsverfahren zu bestreiken.

Zwei Warnstreiks gab es bereits, am Montag versammelten sich die Streikenden zum dritten Mal. Ein Mitglied der Tarifkommission, der seit neun Jahren bei Uni-Assist beschäftigt ist, spricht von einem „Tarif- und Vertragswirrwarr“ im Verein. Die Arbeitnehmer müssten sich von einer Befristung zur nächsten hangeln, viele hätten sogenannte Lückenverträge, die sie zwingen, sich jedes Jahr drei Monate arbeitslos zu melden. „Die Sonderregelungen für das Saisongeschäft werden ausgenutzt“, sagt der Mitarbeiter. Auch das Recht auf Urlaub würde durch derartige Verträge eingeschränkt.

Der Sitz von Uni-Assist ist in Berlin, die Geschäftsstelle liegt im Gewerbehof Geneststraße in Schöneberg-Tempelhof. Dort sind rund 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fest angestellt. Jeden April kommen noch einmal rund 150 Saisonkräfte dazu, die bis August bei Uni-Assist arbeiten.

Die Kosten wären 10.000 Euro pro Hochschule

Die Streikenden fordern den Abschluss eines Haustarifvertrags auf Grundlage des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVÖD) auf Bundesebene, außerdem eine wöchentliche Arbeitszeit von 38,5 Stunden und Regelungen zur Be- und Entfristung. Tobias Schulze, wissenschaftspolitischer Sprecher der Linken im Abgeordnetenhaus, hat die Beschäftigten im Streiklokal in der Köpenicker Straße besucht. „Das sind äußerst prekäre Arbeitsbedingungen, die man so in öffentlicher Hand nicht dulden kann“, sagt Schulze. Sowohl die Hochschulen als auch die Bundesregierung seien in der Pflicht.

Das sieht auch Jana Seppelt von Verdi so. Die Kosten für sämtliche Forderungen beliefen sich insgesamt auf 1,8 Millionen Euro im Jahr, so Seppelt – umgerechnet gerade einmal 10 000 Euro im Jahr pro Hochschule. Es gehe nicht an, dass die Hochschulen bis auf wenige Ausnahmen nicht für eine Dienstleistung zahlten, von der sie profitieren. Gleichzeitig beträfen die Aufgaben, die Uni-Assist übernimmt, das ganze Land. „Wenn man eine Internationalisierung der Studierenden will, muss das ausfinanziert werden“, sagt die Gewerkschafterin. Gesprächsangebote vonseiten des Uni-Assist-Vorstandes oder der kommissarischen Geschäftsleitung gebe es bislang nicht. Beide verwiesen auf die neue Geschäftsführung, die frühestens im November ihre Arbeit aufnehmen solle. Eine Anfrage des Tagesspiegels zu den Hintergründen des Streiks ließ die Leitung von Uni-Assist unbeantwortet.

Uni-Assist wird von Studierendenverbänden kritisiert

Immer wieder wird Uni-Assist, wie berichtet, von abgewiesenen Bewerbern und Studierendenvertretungen kritisiert: Die Servicestelle sei zu bürokratisch, mache zu viele Fehler und berate zu wenig. Dass Bewerber mit ausländischen Zeugnissen für deren Prüfung bei Uni-Assist Gebühren zahlen müssen, bezeichnen Studierendenverbände als diskriminierend. Der Uni-Assist-Mitarbeiter, der nicht namentlich genannt werden möchte, erklärt Fehler mit den schlechten Arbeitsbedingungen. Durch die hohe Fluktuation gehe ständig wertvolles Know-How verloren, eine sinnvolle Personalplanung sei kaum möglich. „Es gibt ein sehr hohes Frust- und Stresslevel.“ Man brauche dringend mehr Beschäftigte, um die Beratung zu verbessern.

Die Streikenden haben sich am Montag auch mit Studierendenvertretern getroffen. Grundsätzlich hätten sie die gleichen Interessen, betont der Mitarbeiter von Uni-Assist: „Wir wollen keinerlei weitere Belastungen für die Bewerber.“ Die Abschaffung von Uni-Assist, die von einigen Astas gefordert wird, hält er nicht für sinnvoll. Trotz allem verfüge die Servicestelle über eine große Kompetenz hinsichtlich internationaler Bildungsabschlüsse und eventueller Fälschungen.

Die Beschäftigten haben ihre Warnstreiks in die Zeit nach dem Abschluss des aktuellen Verfahrens gelegt. Jetzt würde die Stimmung aber kippen, sagt der Mitarbeiter. Es sei denkbar, dass ab November das neue Bewerbungsverfahren bestreikt werden könnte.

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