• Finanzielle Not nach Verlust des Nebenjobs: Schon 58.000 Anträge für Studierenden-Überbrückungshilfe

Finanzielle Not nach Verlust des Nebenjobs : Schon 58.000 Anträge für Studierenden-Überbrückungshilfe

Zehntausende Studierende beantragen Corona-Nothilfe. Das vom Bund bereitgestellte Budget ist bereits zu einem Viertel ausgeschöpft.

Studierende protestieren gegen die aus ihrer Sicht unzureichende Unterstützung in der Coronakrise.
Studierende protestieren gegen die aus ihrer Sicht unzureichende Unterstützung in der Coronakrise.Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Binnen kurzer Zeit haben bereits mehr als 58.000 Studierende einen Antrag auf Überbrückungshilfe gestellt. Diese Zahl teilte das Deutschen Studentenwerk am Mittwochvormittag auf Anfrage mit. 

Das Studentenwerk organisiert die Nothilfe für Studierende, die in der Coronakrise ihren Nebenjob verloren haben. Das Programm startete nach monatelangen Diskussionen in der großen Koalition am vergangenen Dienstag, wobei das Antragsportal zunächst zusammenbrach.

Studierende können je nach Kontostand 100 bis 500 Euro pro Monat erhalten, die sie nicht zurückzahlen müssen. Die Nothilfe wird maximal für drei Monate gewährt, wobei jeder Monat neu beantragt werden muss.

Es wurden 24,5 Millionen Euro beantragt

Würden alle gestellten Anträge genehmigt, würde das schon jetzt einem Finanzvolumen von 24,5 Millionen Euro beantragen, teilt das Studentenwerk mit.

Insgesamt sollen für die Nothilfe 100 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Was passiert, wenn diese Summe überschritten wird, steht noch nicht fest. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat lediglich angedeutet, gegebenenfalls mit dem Finanzminister nachverhandeln zu wollen.

Deutlich geringer ist die Nachfrage nach einem zweiten Unterstützungsprogramm für Studierende. Dabei sollen Studierende ein Darlehen aufnehmen, das später zurückgezahlt werden muss. Karliczek setzt sich stark für diese Variante ein. Im Mai wurden dafür 8000 neue Anträge gestellt, wie aus der Antwort des BMBF auf eine Anfrage der grünen Bundestagsfraktion hervorgeht.

Weniger nachgefragt: ein Studienkredit

Das Darlehen - es handelt sich um den "normalen" und seit langem existierenden Studienkredit der KfW-Bankengruppe - soll für ein Jahr zinsfrei gewährt werden, um Studierende zu entlasten.

Aus Sicht der Grünen ist das jedoch eine Mogelpackung. Der Kredit sei vielmehr ein "Lockangebot in eine erschreckende Schuldenfalle", kritisiert Kai Gehring, hochschulpolitischer Sprecher der grünen Bundestagsfraktion.

Gehring bezieht sich dabei auf ein Rechenbeispiel, das das BMBF selber in seiner Antwort gibt. Die Zinsbefreiung gilt nämlich nur bis zum 31. März 2021 und auch nur für Phase, in der das Darlehen ausgezahlt wird. Danach - und auch, wenn sich Studierende später ans Tilgen der Schulden machen - fallen jedoch sehr wohl Zinsen in größerem Umfang an.

Grüne kritisieren "Nothilfe nach dem Muster Geiz.ist.Geil"

So sieht das Rechenbeispiel konkret aus: Ein halbes Jahr KfW-Studienkredit zum Höchstsatz von 650 Euro bedeutet eine Schuld von 3900 Euro für Studierende. Nach dem Standard-Tilgungsplan der KfW fallen zusätzlich 1173,82 Euro Zinsen an, mit einer etwas geringen Tilgung könnten sogar über 1400 Euro Zinsen anfallen.

Insgesamt müssen Studierende also bis zu zu 5300 Euro zurückzahlen. Die Bundesregierung übernimmt davon jedoch nur 49,50 Euro.

Aus Gehrings Sicht zeigt sich, dass Karliczek "eine Nothilfe nach dem Muster 'Geiz-ist-Geil' gezimmert hat". Corona habe "schonungslos offengelegt, dass die staatliche Studienfinanzierung am Boden liegt und nicht krisenfest ist".

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