Hackathon für Studierende : Besser lernen mit Mixed Reality

Das Hochschulforum Digitalisierung hat Studierende zum Hackathon nach Berlin eingeladen. Sie kamen mit teils überraschenden Ideen für den Campus der Zukunft.

Studierende diskutieren bei einem Hackathon in Berlin.
Coworking. Neben digitalen Formaten in der Lehre ist den Studierenden beim Berliner Hackathon auch soziale Vernetzung wichtig.Foto: David Ausserhofer/Stifterverband

Eine Aufnahme mit der Smartphone-Kamera könnte bald genügen, damit ein Element aus dem Periodensystem als dreidimensionales Modell im Raum schwebt. Oder das menschliche Skelett aus den Seiten von Medizinwälzern aufersteht. Mixed Reality heißt das Vermischen von natürlicher und virtueller Wahrnehmung, das an der Uni in Zukunft Alltag sein könnte.

Die Idee für eine solche App ist während eines dreitägigen Hackathons entstanden, der im Rahmen der Themenwoche des Hochschulforums Digitalisierung stattfand. Unter dem Motto „Hack Your Campus“ haben 30 Studentinnen und Studenten verschiedener Disziplinen aus ganz Deutschland Ideen und digitale Prototypen entwickelt, um die Studienerfahrung zu verbessern.

Eine Datenbank für gescheiterte Experimente

Im Kreuzberger Coworking-Raum Impact Hub ging es erst mal um die alltäglichen Uni-Probleme: Langeweile in trockenen Vorlesungen, fehlende Vernetzungsmöglichkeiten mit anderen Studierenden oder zu viele Informationsplattformen, die für Verwirrung sorgen. In Kleingruppen machten sich die Studierenden dann an Lösungsvorschläge und die Entwicklung digitaler Prototypen, die sie am Sonntag vorstellten.

Manche der Vorhaben sind sehr pragmatisch und könnten schon bald realisiert werden. So etwa das Projekt „Fail.Log“, eine Datenbank für wissenschaftliche Experimente mit negativen Ergebnissen. Es ist ein bekanntes Problem der Wissenschaft, dass Fachzeitschriften oft nur spektakuläre, positive Forschungsergebnisse veröffentlichen. Studien, bei denen sich trotz korrekter Untersuchung die Hypothese nicht bestätigt, können dagegen nur schwer publiziert werden. Bei „Fail.Log“ sollen sie gesammelt und öffentlich zugänglich gemacht werden, damit junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die ähnliche Experimente planen, von ihren Vorgängern lernen können.

Sie wollen Kontakte auch außerhalb der digitalen Welt

Das Teilen von Wissen ist ein wichtiges Thema bei dem Hackathon. Die meisten Projekte aber beschäftigen sich mit der Vernetzung der Studierenden untereinander. Es scheint ein großes Bedürfnis danach zu geben, auch außerhalb der digitalen Welt soziale Kontakte zu knüpfen. In einigen der vorgestellten Apps können sich Studierende zum Lernen oder zum Essen verabreden, eine andere Gruppe stellt ein Raumkonzept für Arbeit und Austausch vor. In bester Coworking-Manier natürlich mit Laptops, White Boards und bewegbaren Wänden.

Viele deutsche Unis hängen in Sachen Digitalisierung erstaunlich hinterher. Veranstaltungen wie der Hackathon zeigen, dass die Studierenden selbst viele kreative Ideen haben, wie die Zukunft des Studierens aussehen kann. Und sie mit der nötigen Förderung auch selbst in die Tat umsetzen könnten.

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