• Hohe Auszeichnung in der Wissenschaft: Berliner Sinologin Dagmar Schäfer erhält den Leibniz-Preis
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Hohe Auszeichnung in der Wissenschaft : Berliner Sinologin Dagmar Schäfer erhält den Leibniz-Preis

Sie forscht zur chinesischen Textilindustrie und zur Astronomie: Dagmar Schäfer wird für neue Ansätze in der Globalgeschichte ausgezeichnet.

Ein Porträtbild von Dagmar Schäfer.
Dagmar Schäfer, Sinologin und Leibniz-Preisträgerin 2020.Foto: privat

In ihren Studien zum chinesischen Staat und zur Wirtschaft, Wissenschaft und Technik im Reich der Mitte entwickelt Dagmar Schäfer neue Ansätze für die Globalgeschichte. Das hebt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in ihrer Würdigung der 51-jährigen Berliner Sinologin hervor, die als eine von zehn Ausgezeichneten den Leibnizpreis 2020 erhält. Dagmar Schäfer forscht am Berliner Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte und lehrt als Honorarprofessorin an der Technischen Universität Berlin und an der Freien Universität.

Der Leibnizpreis ist der wichtigste Forschungsförderpreis in Deutschland. Die Preisträger und Preisträgerinnen erhalten jeweils 2,5 Millionen Euro, die sie bis zu sieben Jahre lang für ihre Forschungsarbeit verwenden können.

Dagmar Schäfers Arbeiten zu China werfen "ein neues Licht auf die vom Westen aus diagnostizierte angebliche Stagnation der dortigen Wissensentwicklung", erklärte die DFG am Donnerstag. Mit ihrem 1998 erschienenen Buch über „Des Kaisers seidene Kleider. Staatliche Seidenmanufakturen in der Ming-Zeit (1368–1644)“ habe Schäfer die Grundlagen für einen Ansatz gelegt, "in dem Wissens- und Handlungsformen sowohl in ihrem historischen und kulturellen Kontext als auch in den alltäglichen Praktiken untersucht werden".

Weg vom 19. Jahrhundert und der Fixierung auf die Zukunft

Welches ihrer aktuellen Projekte sie mit dem Preisgeld ausbaut, müsse sich erst entscheiden, sagte Dagmar Schäfer dem Tagesspiegel – auf dem Sprung zu einer Vorlesungsreihe an der Peking Universität. Zum einen forscht sie zur chinesischen Textilindustrie im 13. und 14. Jahrhundert. Ihr sei es „aus ideologischen Gründen“ wichtig, in der Geschichte zurückzugehen. „Wissenschaftsgeschichte hat bislang einen Fokus auf die Zeit ab dem 19. Jahrhundert und nimmt vor allem eine Zukunftsperspektive ein.“ Sie müsse aber auch eine Langzeitperspektive einnehmen.

Reizvoll fände Schäfer es auch, ihre Forschungen zur Grenze zwischen Tier- und Pflanzenwelt auszubauen, ein Thema, das von den Seidenraupen in China bis zu modernen Polymeren reicht. Und schließlich plant die Historikerin ein Projekt zur materiellen Kultur von astronomischem und astrologischem Wissen. Bislang werde dazu "immer nur Textgeschichte gemacht - das möchte ich ändern".

Am China Center der TU wurde die Nachricht vom Leibniz-Preis hocherfreut aufgenommen. Schäfers Arbeiten passten "perfekt zu unserer Instituts-Ausrichtung auf die Untersuchung der wissenschafts- und technikgeschichtlichen Aspekte der Beziehungen zwischen China und der restlichen Welt", erklärte Sigrun Abels, die Leiterin des Zentrums, auf Anfrage. Das Team des China Centers sei "stolz, von ihren Lehr- und Forschungstätigkeiten profitieren zu können".

Studium in Würzburg, Professorin in Manchester

In Berlin ist Dagmar Schäfer mit Unterbrechungen seit 2006 tätig, als sie die Leitung einer unabhängigen Forschungsgruppe zur Wissenschafts- und Technikgeschichte Chinas am MPI für Wissenschaftsgeschichte übernahm. Zuvor studierte sie Sinologie, Japanologie und Politikwissenschaften in Würzburg, wo sie 1996 promoviert wurde und sich im Jahr 2005 habilitierte. 2011 wechselte sie auf den Lehrstuhl für China-Studien und Technikgeschichte an der Universität Manchester, um 2013 als Direktorin der Abteilung „Artifacts, Action, Knowledge” ans Berliner MPI zurückzukehren.

Schäfer ist eine von zwei Frauen, denen der Leibniz-Preis am 16. März 2020 in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überreicht wird. Ausgezeichnet werden auch Juliane Vogel, Literaturwissenschaftlerin an der Universität Konstanz, Thorsten Bach, Chemiker an der TU München, Baptiste Jean Germain Gault, Materialwissenschaftler am MPI für Eisenforschung in Düsseldorf, der Kunsthistoriker Johannes Grave (Uni Jena), der Evangelische Theologe Thomas Kaufmann (Uni Göttingen), der Zellbiologe Andrea Musacchio (MPI Dortmund), der Informatiker Thomas Neumann (TU München), der Neuropathologe Marco Prinz (Freiburg) und der Biogeochemiker Markus Reichstein (MPI Jena).

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