Internationalisierung von Hochschulen : Forscher als Diplomaten

Angesichts wachsender Wissenschaftsfeindlichkeit weltweit fordert der Wissenschaftsrat deutsche Hochschulen auf, sich jetzt erst recht international zu engagieren.

Mitsuo Martin Iwamoto
In Berlin wird 2017 beim March for Science für Wissenschaftsfreiheit weltweit demonstriert.
In Berlin wird 2017 beim March for Science für Wissenschaftsfreiheit weltweit demonstriert.Foto: Jörg Carstensen/dpa

Weltweit nimmt die Skepsis gegenüber der Wissenschaft zu. Beispiele sind die Verfolgung von Wissenschaftlern etwa in der Türkei oder auch die Diskreditierung der Klimaforschung in den USA. Vor diesem Hintergrund fordert der Wissenschaftsrat, das wichtigste wissenschaftspolitische Beratungsgremium in Deutschland, Solidarität mit internationalen Forscherinnen und Forschern und ein Beharren auf Werten der Wissenschaftsfreiheit. Deutschland selber müsse umso mehr seine Wissenschaft internationalisieren. „Deutschland muss gerade in diesem Umfeld weiterhin ,Science Diplomacy‘ betreiben und durch Maßnahmen auf institutioneller Ebene auf die weltpolitische Lage reagieren“, sagte Martina Brockmeier, Vorsitzende des Wissenschaftsrats. am Montag in Berlin.

Gerade in dieser komplexen weltpolitischen Lage bräuchten viele Hochschulen Orientierung bei der Internationalisierung. Der Wissenschaftsrat empfiehlt, dafür eine zentrale Beratungsstelle einzurichten. die beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) oder bei der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) angesiedelt ist. Die neue Anlaufstelle solle Hochschulen für Chancen und Risiken im Umgang mit neuen Partnerstaaten sensibilisieren und bei der konkreten Ausgestaltung der Partnerschaftsverträge beraten. Gerade kleineren Hochschulen fehlen oft die Ressourcen, sich in diesem Bereich die notwendige Expertise anzueignen, sagte Brockmeier.

Kanäle zu autoritären Staaten freihalten

Zustimmung für diese Idee kommt von den Grünen: Kooperationsverträge in der Wissenschaft können auch dabei helfen, mit autoritären Staaten die Kanäle der wissenschaftlichen Kommunikation offenzuhalten, erklärte Kai Gehring, der wissenschaftspolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion.

Für den Wissenschaftsrat ist es dabei wichtig, bei der Zusammenarbeit klar für Werte wie die freie Ausübung von Wissenschaft, wissenschaftliche Integrität und der Schutz geistigen Eigentums einzutreten. Verträge mit entsprechenden Präambeln auszustatten, sei hier ein vielversprechendes Mittel.

Innerhalb der EU bereiten der bevorstehende Brexit und die zunehmend nationalistische Ausrichtung einiger osteuropäischer Staaten den Hochschulen Sorgen. Durch beide Entwicklungen verliere Deutschland wichtige Partner, sagte Brockmeier. Das könne aber zum Teil durch strategische Partnerschaften zwischen einzelnen Hochschulen und Städten aufgefangen werden. So bauen Berlin und Oxford bereits eine enge Partnerschaft auf. Jüngst wurde auch eine Kooperation zwischen der LMU München und Cambridge bekanntgegeben.

Vor allem FHs haben bei Internationalisierung Nachholbedarf

Konkret soll die Internationalisierung auch dadurch vorangetrieben werden, dass mehr Studierenden und Wissenschaftlern Auslandsaufenthalte ermöglicht werden. Gleichzeitig empfiehlt der Wissenschaftsrat auch eine Internationalisierung der Lehre und Forschung in Deutschland. Der Wissenschaftsrat drängt hier darauf, mehr internationale Gastwissenschaftler einzuladen. Vor allem bei Fachhochschulen bestehe hier Nachholbedarf. Der Wissenschaftsrat sieht hier vor allem die Länder in der Pflicht, den Hochschulen durch eine ausreichende Grundfinanzierung eine langfristige Internationalisierungsstrategie zu ermöglichen.

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