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Studie: Teamwork unterscheidet Menschen vom Affen

Die Frage, worin der Mensch sich von anderen Lebewesen unterscheidet, ist alt. Nun wollen Wissenschaftler herausgefunden haben, dass die Teamarbeit den Menschen einzigartig macht.

„Drück’ doch mal diesen Knopf!“ oder „Möchtest du auch einen Apfel?“ Es sind genau solche Sätze, mit denen man sich gegenseitig hilft und Wissen weitergibt, die den Menschen von allen anderen Lebewesen auf der Erde unterscheiden. Das behaupten zumindest Lewis Dean von der Universität im schottischen Saint Andrews und seine Kollegen in der Zeitschrift „Science“ (Band 335, Seite 1114). Sie stützen sich dabei auf Experimente, bei denen Menschenkinder, Schimpansen und Kapuzineraffen jeweils das gleiche, knifflige Problem lösen sollten.

Die Frage, worin der Mensch sich von anderen Lebewesen unterscheidet, ist alt und offensichtlich immer schwerer zu beantworten. Immer wieder haben Zoologen Eigenschaften und Verhaltensweisen, die vorher nur bei Menschen bekannt waren und daher für unsere Art als typisch galten, auch bei unterschiedlichen Tierarten entdeckt.

Beispielsweise hantieren Schimpansen in Afrika mit Werkzeugen, um sich eine leckere Termitenmahlzeit aus dem betonharten Hügel der Insekten zu stochern. In Japan genießen Affen Dampfbäder und etliche Ameisenarten entpuppten sich als clevere Landwirte. In England lernten Blaumeisen, den Verschluss der frühmorgens vor die Haustür gelieferten Milchflaschen zu knacken, verschafften sich so ein nahrhaftes Frühstück.

Solche Verhaltensweisen erfordern einige geistige Voraussetzungen. Da Menschen besonders viele Eigenschaften mit den eng verwandten Schimpansen teilen, drängte sich die Frage auf: Wieso begnügen sich die Affen mit einem Leben im Kronendach des Regenwaldes, während Menschen eine komplexe Kultur entwickeln, die Meisterwerke der Kunst ebenso hervorbringt wie Raumfahrzeuge, die Astronauten bis zum Mond bringen? Was unterscheidet die Menschheit von all den anderen Arten, die ebenfalls Traditionen bilden und weitergeben?

Mit einem Experiment gingen die Forscher diesen Fragen nach.

Um das zu untersuchen, bastelten Lewis Dean und seine Kollegen einen Kasten, an dem Menschen und Affen drei unterschiedlich schwierige Aufgaben lösen mussten, um an eine Belohnung heranzukommen. Beim einfachsten Problem mussten die Teilnehmer ein Türchen im Versuchskasten zur Seite schieben. Dabei öffnete sich eine Kammer mit einer kleinen Belohnung für den Erfolgreichen. An allen Experimenten durften sich ein- oder zweijährige Kapuzineraffen, jugendliche oder erwachsene Schimpansen sowie Menschenkinder im Alter von drei oder vier Jahren versuchen. Die Affen erhielten für die Lösung eine Möhre, die Kinder eine kleine Plakette.

Für die nächsthöhere Belohnung musste die Tür ein wenig weiter geschoben werden. Das ging aber nur, wenn ein Knopf gedrückt wurde, der sich an einer anderen Stelle des Kastens befand. Lösten die Affen auch dieses Problem, erhielten sie einen Apfel, der in der Hierarchie deutlich über Möhren rangiert. Erfolgreiche Menschenkinder wurden mit einer größeren und attraktiveren Plakette belohnt.

Die wurde noch größer und schöner, wenn die Kinder auch die dritte Schwierigkeitsstufe meisterten. Die Affen erhielten in diesem Fall die in ihren Kreisen als edelste Früchte gehandelten Weintrauben. Um an dieses Goodie zu kommen, mussten die Probanden aber ihre Finger entweder durch ein blau oder ein rot markiertes Loch stecken und dort einen Knopf drehen. Erst dann öffnete sich die Tür ganz und gab auch die Trauben oder die wertvollsten Plaketten frei.

Diese Stufe jedoch erreichte nach 30 Stunden gerade ein einziger von 33 Schimpansen. Von den Kapuzineraffen war auch nach 53 Stunden noch keiner erfolgreich. Bei den Menschenkindern hatten dagegen bereits nach zweieinhalb Stunden etliche das höchste Niveau erreicht.

Die Wissenschaftler hatten die Versuchstiere und -kinder während der Experimente genau beobachtet. Dabei stellten sie deutliche Unterschiede fest, die sowohl für den Erfolg oder Misserfolg verantwortlich waren.

Am Versuchskasten gab es Türchen und Knöpfe gleich im Doppelpack, daher konnten jeweils zwei Teilnehmer sich gleichzeitig an der Apparatur versuchen. Einer auf der rechten, der andere auf der linken Seite. Während die Menschenkinder ihre Nachbarn oft über eigene Erfolge unterrichteten und sie dann aufforderten „Probier’ doch mal, den Knopf hinter dem blauen Loch zu drehen“, gaben die Affen keinen einzigen solchen Hinweis. Immerhin die Hälfte der Menschenkinder schenkte eine ihrer durch fleißiges Probieren erhaltenen Plaketten anderen, während alle Affen ihre Früchte selber aßen.

Wie Dean und seine Kollegen schreiben, könnten Lehre und soziales Verhalten der Schlüssel für die Entwicklung der menschlichen Zivilisationen sein und damit einer der grundlegenden Unterschiede zwischen Menschen und Tieren. Wer zum Mond will, sollte das beherzigen, andernfalls bleibt seine Gruppe eben im Regenwald.

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