Unternehmenssponsoring an Schulen : Werbung raus aus dem Klassenzimmer!

Werbung ist an Schulen verboten, Firmensponsoring nicht. Hier müssen Bildungseinrichtungen wachsamer sein - und allen voran ihre Ministerien. Ein Kommentar.

Schüler einer 3. Klasse sitzen in einem Klassenzimmer der Grundschule Georgius Agricola vor einem Laptop.
Der Verband Bildung und Erziehung und die Verbraucherzentralen kritisieren (indirekte) Werbung durch Sponsoring.Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Kinder und Jugendliche sind tagtäglich mit einer Unmenge von Werbeangeboten konfrontiert. Die Turnschuhe der Freundin, die Spieletipps der Influencer.

Das muss kein Markenterror sein. Zwischen dem Auch-Haben-Wollen und dem uncool, Nein Danke, liegen die lustigen, ästhetischen Geschichten, die Werbung erzählt.

Aber wenn schon die Kleinsten in der Schule an dem Produktepaket eines Müslifabrikanten oder dem Werbeprospekt eines Autoherstellers vorgeblich etwas über Getreideverarbeitung oder klimaverträgliche Mobilität lernen, ist der Werbe-Spaß vorbei. Denn das macht die Produktplatzierung quasi amtlich.

Kinder zu kritischen Verbrauchern erziehen

Werbung ist nach den allermeisten Schulgesetzen verboten. Aber Unterrichtsmaterialien mit Unternehmenslogo ist das Schultor dann doch weit geöffnet. Die Schulministerien sehen sich einer Umfrage der Verbraucherzentralen und des Verbandes Bildung und Erziehung zufolge nicht zuständig, verweisen auf die Eigenverantwortung der Schulen.

Deshalb führen sie auch kein Register der Firmenspenden und beraten die Schulen nicht zentral. Beides fordern die Verbände zu Recht. Das müsste dann auch für Computer- und Softwareunternehmen gelten, die ihre Tablett-Klassensätze und Lernprogramme keinesfalls uneigennützig zur Verfügung stellen.

Gleichzeitig müssen Schülerinnen und Schüler systematischer als bisher zu kritischen Verbrauchern erzogen werden – in der Schule und zu Hause.

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