Vorlesestudie 2017 : Viele Eltern lesen zu spät vor

Nur 45 Prozent der Eltern lesen ihren Kindern bereits im ersten Lebensjahr regelmäßig vor: Das ergibt eine Studie der Stiftung Lesen. In vielen Haushalten gibt es nur wenig Kinderbücher.

Mehr als Lektüre. Vorlesen ist auch eine emotionale Erfahrung.
Mehr als Lektüre. Vorlesen ist auch eine emotionale Erfahrung.Foto: Foto: Andrea Warnecke/dpa

Genug Lesestoff gibt es eigentlich schon für die Allerjüngsten. Manchmal handelt es sich um Stoff im wahrsten Sinne des Wortes – bei Knister- und Fühlbüchern etwa, die rascheln, wenn Säuglinge sie berühren. Andere erste Bilderbücher kann man mit in die Badewanne nehmen. Spielerisch kommen Kinder so ganz früh mit Büchern in Berührung.

Fast alle Eltern glauben auch, dass Vorlesen einen großen Einfluss auf die Entwicklung ihrer Kinder hat. Dennoch beginnen viele erst spät mit dem Vorlesen. Nur 45 Prozent machen das regelmäßig im ersten Lebensjahr ihres Kindes. In 28 Prozent der Familien ist das sogar in den ersten drei Jahren nicht der Fall. Das ergibt die aktuelle Ausgabe der Vorlesestudie der Stiftung Lesen, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Dabei könne man mit der gemeinsamen Lektüre gar nicht früh genug anfangen, sagte Studienleiterin Simone Ehmig: „Kinder profitieren umso stärker davon, wenn es schon im ersten Lebensjahr beginnt.“

Für die Studie wurden 523 Eltern befragt. Dass nicht einmal die Hälfte ihren Säuglingen regelmäßig Bücher zeige, habe vor allem damit zu tun, dass die Erwachsenen denken, sie könnten den Nachwuchs überfordern, sagte Ehmig. 20 Prozent denken, das Kind müsse dafür sprechen können. 32 Prozent sagen, das Kind müsse sich ausreichend konzentrieren. Überhaupt überwiege für Eltern tendenziell der „funktionale“ Aspekt des Vorlesens, wie Ehmig sagte. 93 Prozent geben an, sie erhofften sich davon, dass die Sprachfähigkeiten des Kindes gefördert werden.

Vorlesen ist auch eine emotionale Erfahrung

Was Eltern dabei übersehen: Vorlesen ist eine emotionale Erfahrung. Werden die Eltern danach gefragt, was ihren Kindern am Vorlesen gefällt, zeigen sich andere Prioritäten: Die Kinder genießen die Zeit mit den Eltern, das Kuscheln beim Vorlesen – und haben Spaß.

Einigen Eltern erscheint es zudem als Problem, passende Bücher für die ganz Kleinen zu finden. Immerhin jedes vierte befragte Elternteil findet das schwer. Drei Prozent der Befragten haben überhaupt kein Kinderbuch im Haus, 56 Prozent nur ein bis zehn. Die Chancen, dass Eltern früh vorlesen, steigen, wenn sie Bücher geschenkt bekommen – was vor allem für bildungsferne Haushalte gilt. In diesen wird ohnehin seltener vorgelesen. Dieser Befund aus den vorangegangenen Vorlesestudien bestätigt sich erneut.

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Wie in den Vorjahren ruft die Stiftung Lesen mit der „Zeit“ und der Deutsche Bahn Stiftung zum bundesweiten Vorlesetag auf. Der findet am 17. November statt, Zehntausende gehen dann zum Vorlesen in Kitas, Schulen und andere Einrichtungen.

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