2700 Mitarbeiter betroffen : Die Kette "Lila Bäcker" ist insolvent

Allein in Berlin betreibt das Unternehmen rund 75 Filialen. Ein Sanierungskonzept sieht nun vor, Snacks und Getränke ins Sortiment aufzunehmen.

Lkw des Bäckereiunternehmens "Lila Bäcker" stehen am Produktionsstandort der Bäckerei hinter einem Zaun.
Lkw des Bäckereiunternehmens "Lila Bäcker" stehen am Produktionsstandort der Bäckerei hinter einem Zaun.Foto: dpa/Bernd Wüstneck

Die Verunsicherung bei Verkäufern, Kraftfahrern und Verwaltungsmitarbeitern ist groß. Am Dienstag hat die Bäckereikette "Lila Bäcker" Insolvenz angemeldet. Das bestätigt ein Sprecher des Amtsgerichts Neubrandenburg dem Tagesspiegel. Um ihre Arbeitsplätze bangen nun insgesamt 2700 Angestellte in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein.

Allein in Berlin listet eine Standortkarte auf der Website des Unternehmens rund 75 Filialen auf, die häufig in Supermärkten oder Bahnhöfen logieren. Betroffen sind alle fünf Subfirmen des Unternehmens "Unser Heimatbäcker", das deutschlandweit besser als "Lila Bäcker" bekannt ist. Zwei der Töchter sind im brandenburgischen Dahlewitz gemeldet, die anderen in Mecklenburg-Vorpommern. Auf Anfrage will sich das Unternehmen am Donnerstag nicht äußern.

Die Verkaufszahlen beim Lila Bäcker gehen zurück

"Schon seit Monaten berichten uns Mitarbeiter, dass dass die Verkaufszahlen zurückgehen", sagt Jörg Dahms von der Gewerkschaft Nahrung - Genuss - Gaststätten dem Tagesspiegel. Bereits im vergangenen Jahr habe die Firma einen Produktionsstandort geschlossen und 225 Mitarbeiter entlassen.

Offenbar hat der heiße Sommer das ohnehin angeschlagene Geschäft getroffen, die Lust auf Gebäck und Kuchen dürfte sich bei den Verbrauchern in Grenzen gehalten haben. Um künftig unabhängiger von der Saison zu sein, sieht ein Sanierungskonzept laut Jörg Dahms vor, mehr Snacks und Getränke in das Sortiment der rund 400 Filialen aufzunehmen. "Ob das reicht, um das Unternehmen zu retten, ist fraglich", sagt Dahms. Nach Investoren werde gesucht.

Besonders die Verkäufer treffe die Insolvenz hart. "Ich kenne viele alleinstehende Frauen, die um ihre Existenz bangen", sagt Dahms. Für drei Monate ist das Einkommen der Mitarbeiter nun erst einmal gesichert. Solange erhalten sie von den Arbeitsagenturen ein Insolvenzausfallgeld.

Die Zahl der Bäckereibetriebe geht in Deutschland seit Jahren zurück. 2017 gab es nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks noch 11347 Backstuben - 390 weniger als im Jahr davor. Im Jahr 2000 waren es noch nahezu doppelt so viele.

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