Berlin-Brandenburg : Abou-Chaker und die organisierte Vogelzucht

Was Papageien aus Australien, ein Drogenverdacht, Bushido, Clan-Chef Arafat Abou-Chaker und ein Verein in Brandenburg miteinander zu tun haben.

Exotisches Gewerbe. Der Import von Papageien ist nicht grundsätzlich anrüchig.
Exotisches Gewerbe. Der Import von Papageien ist nicht grundsätzlich anrüchig.Foto: Patrick Pleul/dpa

Es ist eine wilde Geschichte. Es geht um Vogelimport aus Australien, um einen Zuchtverein in Brandenburg, am Rande tauchen Filmproduzent Bernd Eichinger, die Berliner Clan-Größe Arafat Abou-Chaker und der Rapper Bushido auf – alles in allem also eine typisch Berliner Geschichte. Hinzu kommen eingestellte Ermittlungen wegen des Verdachts auf Handel mit Kokain.

Aber von vorn: Der britische „Guardian“ berichtete soeben, dass die australische Regierung einem Verein in Deutschland zwischen 2015 und November 2018 die Ausfuhr von 232 seltenen Vögel erlaubt habe, darunter Tiere der Art „Calyptorhynchus latirostris“ und „Calyptorhynchus baudinii“, in Ornithologen-Kreisen auch als Carnabys Weißohr-Rabenkakadu oder Baudins Weißohr-Rabenkakadu bekannt. Auch der Braunkopfkakadu und Blauscheitellori tauchen auf.

Die Wand des Papageienvereins.
Die Wand des Papageienvereins.Foto: Patrick Pleul/dpa

Der Verein nennt sich „Association for the conservation of threatened parrots“, zu Deutsch: Verein zur Erhaltung bedrohter Papageien. Der „Guardian“ zitiert australische Regierungsbeamte mit den Worten, dem Verein wäre nie die Ausfuhr der Vögel genehmigt worden, wäre die kriminelle Vergangenheit des Vereinschefs bekannt gewesen. Wegen der Persönlichkeitsrechte des Mannes sei an dieser Stelle nur erwähnt, dass der Mann vorbestraft ist, unter anderem wegen Betruges und Gewaltdelikten. Doch das ist fast zehn Jahre her. Jeder kann sich ändern.

Der Chef des Papageienvereins hatte enge Beziehungen zum Clan

Auch ist beim „Guardian“ die Rede davon, dass es in der australischen Regierung Bedenken gegeben haben soll, dem Verein die Ausfuhr der Vögel zu erlauben – weil der keinen Zoo, sondern nur eine Privatsammlung betreiben würde. Aber die Ausfuhr war daran geknüpft, dass die Tiere in einem Zoo gezüchtet und gezeigt werden. Der „Guardian“ will Hinweise darauf haben, dass Vögel für hohe Summen zum Weiterverkauf angeboten worden sein sollen – aus Schöneiche, dem früheren Vereinssitz, wo der Vereinschef lebt. Der bestreitet, etwas mit den Angeboten zu tun zu haben.

Obendrein taucht Arafat Abou-Chaker auf, aktivstes Mitglied einer aus dem Libanon stammenden Großfamilie, die durch Gewalttaten, Eigentumsdelikte und Drogenvergehen aufgefallen war. Der Chef des Papageienvereins hatte enge Beziehungen zu dem Clan. Es existiert ein Foto, das zeigen soll, wie beide Arafats Bruder nach einer Haftstrafe wegen Zuhälterei aus dem Gefängnis abholen. Vor einigen Jahren war der Vereinschef für Monate mit einem Luxuswagen unterwegs, der auf Arafat Abou-Chaker angemeldet war. Beide hätten sich damals gekannt, jetzt aber verbinde sie keine Geschäftsbeziehung mehr, versichert der Vereinschef.

„Arafat brachte Eichinger dazu, Geld an ihn zu zahlen“

Auch Bushido, bürgerlich Anis Ferchichi, spielt eine Rolle, einst Geschäftspartner von Abou-Chaker. Wobei Geschäftspartner es nicht ganz trifft. Bushido hatte sich abhängig gemacht und kam aus diesem besonderen Verhältnis nur schwer heraus. Seit Monaten beschäftigt die Trennung der beiden die Sicherheitsbehörden, Bushido steht unter Polizeischutz. In einem „Stern“-Interview erwähnte Bushido im Herbst auch eine „Spende an einen Papageienverein“. Es ging um den 2010 erschienenen Film „Zeiten ändern dich“ über Bushido von Filmproduzent Bernd Eichinger. Moritz Bleibtreu spielte Arafat. Dafür habe Abou-Chaker Geld sehen wollen. „Arafat brachte Eichinger dazu, Geld an ihn zu zahlen“, sagte Bushido. 200 000 Euro sollen es gewesen sein, die „Constantin Film“ dann zahlte. Im Frühjahr berichtete die „Bild“-Zeitung, Bushido und Abou-Chaker „spendeten sehr viel Geld“ an einen „Papageien-Verein in Brandenburg, dessen Vorsitzender von der Berliner Staatsanwaltschaft ebenfalls zur organisierten Kriminalität gerechnet wird“.

Unterwelt, ein berüchtigtes Clan-Mitglied, großes Kino – und nun Papageien? Nachfrage beim Vereinschef: „Alles Stimmungsmache.“ Es sei alles in Ordnung, man arbeite nur mit Regierungen zusammen, erst vergangene Woche habe man weitere Vögel aus Australien bezogen, der Verein sei gemeinnützig. Geld machen – darum gehe es nicht. Alles sei sauber, von den Finanzbehörden amtlich bestätigt.

Bei den Tieren geht es um viel Geld

Auch bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder), die 2015 ein Verfahren gegen den Vereinschef und Abou-Chaker wegen des Verdachts auf Drogenhandel und Geldwäsche eingestellt hat, liegt nichts Neues vor. Ausgelöst worden war das Verfahren vor Jahren durch Steuerfahnder. Sie hatten ein Spende von Abou-Chaker an den Verein bemerkt. Der Vereinssitz wurde im Frühjahr von Schöneiche nach Hannover verlegt – den Angaben zufolge eine Schutzmaßnahme. Bei den Tieren geht es um viel Geld. Nur rund Tausend Besucher pro Jahr können die Anlage besuchen.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (l) verabschiedet auf dem Flughafen Berlin-Tegel die beiden Spix-Aras.
Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (l) verabschiedet auf dem Flughafen Berlin-Tegel die beiden Spix-Aras.Foto: dpa

Seine Zuchtstation hat der Verein in Rüdersdorf, hinter Berlins östlicher Stadtgrenze. Das Landratsamt Märkisch-Oderland hat die Anlage 2014, vor Beginn der Geschäfte mit Australien, als Zoo zugelassen. Das ist nötig, damit Tiere eingeführt und gezüchtet werden dürfen. Vom Landratsamt heißt es: Die Anlage werde „regelmäßig, mindestens einmal jährlich, kontrolliert. Es gab keine Verstöße.“ Der Verein arbeite beim Erhalt und bei der Zucht bedrohter Papageienarten „bisher sehr eng und transparent“ mit dem Bundesamt für Naturschutz und Brandenburgs Landesamt für Umwelt zusammen, heißt es aus Potsdam. Nach derzeitigen Erkenntnissen und mehrfachen „Vor-Ort-Überprüfungen“ lägen keine Anhaltspunkte „für artenschutzrechtswidrige Handlungen vor“. Auch eine Vermarktung der Vögel sei möglich. Es handele sich nicht um in Australien gefährdete Arten.

Tatsächlich ist der Verein durch etwas anderes bekannt geworden: Er züchtet Spix-Aras. In Brasilien sind sie ausgestorben. Dank der Aufzucht in Rüdersdorf können die Tiere in Brasilien wieder ausgewildert werden. Sogar die frühere Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) verabschiedete 2015 zwei Spix-Aras am Flughafen Tegel in Richtung Brasilien und lächelte in die Kameras. Was bleibt von der wilden Geschichte? Im Vogelgeschäft werde viel geplappert, sagt ein Insider.

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